Hildesheim - Andriko Smolinskis Weg ist lange gradlinig verlaufen – einen echten Bruch gab es bis vor kurzem nicht. Nun hat er aber eine Entscheidung getroffen: Er bat seinen Verein, den österreichischen Fußball-Erstligisten Linzer Athletik-Sport-Klub (ASK), um die vorzeitige Auflösung des Arbeitsverhältnisses. Linz war für ihn die erste Station als Profi im Herren-Bereich gewesen. Im Juni hatte der Himmelsthürer dort einen Drei-Jahres-Vertrag unterzeichnet.
„Wir setzten uns mit den Team-Verantwortlichen zusammen und beendeten den Kontrakt zum 30. November. Es hat einfach nicht gepasst“, sagt Smolinski, der erst einmal ganz froh ist, nun wieder in Hildesheim zu sein. Denn das vergangene halbe Jahr hatte es in sich.
Mit sechs zu Hannover 96
Nur Blümchen war die Zeit für ihn vorher als Fußball-Junior zwar auch nicht. Da gab es ebenfalls mal Verletzungen oder die Sehnsucht nach der Heimat Himmelsthür. Trotzdem ging Smolinski zielstrebig seinen Weg.
Er hat Talent, wurde schon 2007, mit gerade einmal sechs Jahren, im Nachwuchsleistungszentrum von Hannover 96 aufgenommen. Im Juni 2016 wechselte er zum FC Schalke 04. Ein harter Schritt für den damals 16-Jährigen. Jetzt war er endgültig weg von zu Hause. Aber er hatte Erfolg in Gelsenkirchen und wurde dort zum Junioren-Nationalspieler.
Gegen Borussia Dortmund
In diesem Sommer gewann Smolinski mit den Blau-Weißen die Westdeutsche Meisterschaft – vor dem Erzrivalen Borussia Dortmund. Eine besondere Genugtuung. In der anschließenden K.o.-Runde zur Deutschen Meisterschaft (DM) schieden die Schalker aber vor 7000 Zuschauern im Halbfinale aus: gegen Dortmund, die sich als Vize-Meister West ebenfalls für die DM-Endrunde qualifiziert hatten.
Nach Schlusspfiff herzte er seinerzeit lange Schalkes Co-Trainer Morten Möllers. Anschließend lief er zur Tribüne, dort warteten Mama Astrid und Vater Peter Smolinski sowie Lebensgefährtin Melina Lison. Alle wurden geherzt, was das Zeug hielt. Da waren viel Emotionen im Spiel – Andriko sah dabei nachdenklich und wehmütig zugleich aus.
Abschied von Schalke 04
Denn auf Schalke ging es für Smolinski nicht weiter. Das DM-Halbfinale im Mai war zugleich sein letzten Spiel für die Knappen. Er war dem Junioren-Alter entwachsen, die nächste Stufe zum Profi stand an. Für den Herren-Bereich wollte ihn Schalke aber nicht weiterverpflichten. Für ihn eine bittere Erkenntnis.
Mutter Astrid hat schon seit jeher einen eher nüchternen Blick auf den Profi-Fußball: „So ist halt das Geschäft. Hart! Da muss man nichts beschönigen. Aber unser Sohn wollte es so, und er hat es bis hierher durchgezogen: gut durchgezogen", sagte die Mutter im Mai.
Groß hadern konnte der 19-Jährige mit dem Abschied aus Schalke ohnehin nicht. Ein Angebot vom österreichischen Erstligisten ASK Linz lag vor. Er nahm an. Und es begann auch gut für ihn im Oberösterreichischen. „Ich musste zwar erst in die zweiten Mannschaft, die in der 2. Bundesliga spielt. Aber das war vorher so besprochen, und ich bekam auch meine Einsatzzeiten“, so Andriko Smolinski
Muskelbündelriss
Außerdem war seine Freundin Melina Lison zunächst nach Linz mitgekommen. „Ihr Studium begann erst im Oktober. So lange konnte sie bei mir bleiben. Das war sehr gut für den Anfang“, erinnert sich der Außenverteidiger. Auch Vater Peter und Mutter Astrid fuhren regelmäßig von Hildesheim in den Süden.
Beim Spiel Mitte September gegen den SV Ried passierte es: In der 36. Minute riss bei Andriko ein Muskelbündel im Oberschenkel. Eine schwere Verletzung, mit langer Pause. Damit begann seine Leidenszeit.
Wirklich zu Hause war Smolinski nämlich längst noch nicht in Linz. Hinzu kam, dass er durch die Verletzung raus war aus dem Team. Die lange Reha-Phase in der Fremde, und das Ganze allein – das ist für einen 20-Jährigen nicht leicht. „Ich hatte dann im November das Gefühl, es passt dort nicht mehr für mich. Ich möchte nach Hause.“ Es folgte das erwähnte Gespräch mit dem Mangement und die Vertragsauflösung.
Wieder in Hildesheim
Andriko Smolinski zog erst einmal zurück zu den Eltern –nach Hause. Er fragte bei Hannover 96 an, ob er in der U 23 der Roten mittrainieren könne, um fit zu werden und sich fit zu halten. Chefcoach des Teams ist Christoph Dabrowski. Den kennt der Himmelsthürer noch aus seiner eigenen Zeit von 2007 bis 2016 im 96-Leistungszentrum. Dabrowski sagte sofort zu. Mehr noch: „Ich darf auch in der Winterpause bei 96 die Rückrunden-Vorbereitung komplett mitmachen“, so Smolinski.
Seinen Profi-Traum gibt der Außenverteidiger längst noch nicht auf. „Ich kann aber noch gar nicht sagen, was jetzt kommt – wo und wie es weitergeht. Ich will zunächst einmal wieder richtig fit werden. Bei 100 Prozent bin ich nach der langen Verletzung noch längst nicht.“
Vielleicht kann Andriko Smolinski ja bei den Roten bleiben. Auf jeden Fall würde sich dann ein Kreis schließen.
