Hildesheim - Auf der Kreuzung am Hindenburgplatz dauern die Arbeiten zur Markierung der neuen Verkehrsführung über das Wochenende hinaus an. „Für Montag stehen noch Restarbeiten an“, teilt Stadtsprecherin Jasmin Weprik mit.
Was auch bedeutet: Verkehrsteilnehmer müssen wiederum mit Wartezeiten rechnen – unter fünf Ampelphasen etwa kamen Autofahrer am Freitag kaum von der Zingel auf die Wollenweberstraße oder linksabbiegend auf die Goslarsche Straße. Nicht in der Hochverkehrszeit, sondern bei normalem Aufkommen.
Auch die Arbeiter können ein Lied von Beleidigungen singen
Die Probleme an der Kreuzung kommen aber auch von anderer Seite, nämlich von den Autofahrern selbst. Immer wieder versuchten einige, eilig an den abgesperrten Bereichen vorbeizufahren, sagt Weprik. Und das, obwohl sich mitten auf der Straße arbeitende Menschen befinden. „Zudem ist es bedauerlich, dass sich Bauarbeiter von Autofahrern beschimpfen lassen müssen.“ Sie selbst habe eine solche Szene im Vorbeifahren mitbekommen, ebenso Kollegen, die vor Ort im Einsatz waren.
Auch die Arbeiter selbst können inzwischen ein Lied davon singen, was sie auf solchen Baustellen zu hören bekommen. „Die werden richtig frech, die Leute“, sagt einer von ihnen, ein anderer erzählt, dass oft Absperrungen und Schilder einfach ignoriert würden – und die Leute ärgerlich, wenn sie darauf angesprochen würden.
Aggression der Leute hat in den letzten Jahren zugenommen
Heiner Bode ist als Chef des gleichnamigen Unternehmens für Kanal-, Erdbau- und Pflasterarbeiten zwar nicht mit den Arbeiten am Hindenburgplatz beschäftigt – aber mit der Thematik im Allgemeinen trotzdem nur allzu vertraut, wie er auf Anfrage der HAZ sagt: „Das hat vor allem in den letzten Jahren sehr stark zugenommen.“ Seine Mitarbeiter hätten auf Baustellen schon viel erlebt, Beschimpfungen ebenso wie Eingriffe in die Baustellenplanung selbst. „Da werden zum Beispiel eigenmächtig Absperrungen entfernt“, sagt er. „Oder man hat die Situation einer voll gesperrten Straße, in der es zwischen den Absperrmodulen kleine Lücken gibt. Sofort werden die genutzt, um doch auf die Straße zu gelangen – und die Absperrung ignoriert.“
Und wie gehen seine Beschäftigten damit um, wenn sie zum Ziel von Beleidigungen durch Autofahrer oder Passanten werden? „Naja, die weisen solche Leute dann darauf hin, dass sie sich mit ihren Beschwerden doch bitte an den Auftraggeber wenden mögen“, sagt Bode, der bereits seit 1989 in dem 1888 gegründeten Unternehmen tätig ist. „Denn sie selbst beziehungsweise wir als Firma führen diese Aufträge ja lediglich aus.“
Ein dickes Fell hilft, sagt einer der Männer
Dennoch, räumt er ein, gehe es so glatt nicht immer vonstatten. Natürlich fühlten sich einige der Arbeiter auch zu Unrecht angegriffen und gestresst, wenn sie solche Reaktionen erlebten. Auch die Arbeiter vom Hindenburgplatz sagen sinngemäß: Ein dickes Fell hilft. „Wer schon länger im Job ist, der lässt solche Angriffe nicht so nah an sich heran“, sagt einer der Männer. „Autofahrer halten nur kurz, dann sind sie weg. Daran muss man einfach denken.“
Und wenn es gar nicht mehr anders geht, ist natürlich die Polizei als Ansprechpartner da, auch für Straßenbaufirmen und deren Mitarbeiter. „In den letzten Tagen ist uns von den aktuellen Baustellen nichts in dieser Richtung bekannt geworden“, sagt Polizeisprecher Jan Makowski. „Aber die Thematik an sich kennen wir schon.“
Ein Beispiel aus dem Sommer 2022 nennt Makowski: die Kardinal-Bertram-Straße. „Da gab es einige Anzeigen, auch von Seiten der ausführenden Straßenbau-Firmen.“
Die Stadt sieht die Ursachen der nun bis Montag dauernden Arbeiten im Ablauf, sagt Weprik: „Es war geplant, die Arbeiten während des laufenden Verkehrs zu erledigen, aber das ist aufwendiger als gedacht.“
Kommentar: Baustellen nerven nun mal – kein Grund, die Arbeiter zu beschimpfen
Baustellen nerven. Sie kosten Zeit und Geduld. Nur warum beleidigt man als Autofahrer deshalb die Bauarbeiter? Was können die Männer in Orange dafür, die da mitten im Verkehr Markierungen ab- und neue auftragen? Null, nichts, kein Stück. Im Gegenteil: Sie sind diejenigen, die alles tun, damit es vorangeht. Stress und Unlust wegen der Wartezeiten zu empfinden, ist legitim. Sie aber an denen auszulassen, die das Pech haben, grad vor Ort zu sein, ist ignorant und selbstgefällig. Bauarbeiten sind nun mal nicht schön. Sondern einschränkend und zeitintensiv. Eine Erkenntnis, die ihrerseits so simpel ist, dass der kürzeste Baustellen-Stau reichen müsste, um sie zu verinnerlichen.

