Verden - Die frühere mutmaßliche RAF-Terroristin Daniela Klette ist vor dem Landgericht Verden zu 13 Jahren Haft verurteilt worden – wegen schweren Raubes, Verstößen gegen Waffengesetze und anderer Straftaten. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Angeklagte mit ihren mutmaßlichen Komplizen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub Geldtransporter und Supermärkte überfallen hat.
Als der Vorsitzende Richter die Strafe verkündete, protestierten Unterstützer der Angeklagten mit lauten Buh-Rufen gegen das Urteil. Sie riefen „Freiheit für Daniela“. Justizbeamte im Saal begleiteten einzelne Demonstrantinnen und Demonstranten aus dem Saal.
Der Überfall in Hildesheim
Die Staatsanwaltschaft warf in ihrer Anklage Klette die Beteiligung an 13 Raubüberfällen vor, die sie gemeinsam mit den flüchtigen Garweg und Staub zwischen 1999 und 2016 begangen haben soll. Dazu zählt auch der Überfall auf das Rewe-Center im Hildesheimer Stadtteil Bavenstedt am 7. Mai 2016. Aufnahmen aus einer Videokamera des Supermarktes zeigen die beiden mit Pistolen bewaffneten Täter, die einen Rewe-Mitarbeiter in einen Nebenraum drängen. Später kommen die Täter mit dunklen Tüchern vors Gesicht gebunden wieder aus dem Nebenraum heraus und laufen aus dem Sichtfeld der Kamera hinaus. Daniela Klette ist auf keinen Aufnahmen zu sehen, die Ermittler gehen aber davon aus, dass sie an der Tat beteiligt war.
Insgesamt 2,7 Millionen Euro sollen Garweg, Staub und Klette bei den Überfällen insgesamt erbeutet haben, um sich, um als mutmaßliche frühere RAF-Mitglieder im Ruhestand ihren Lebensunterhalt zu sichern. Im Laufe des Prozesses hatte die Staatsanwaltschaft Verfahren zu fünf dieser Überfälle vorläufig eingestellt – um den oftmals belasteten Zeugen die Aussage zu ersparen, wie die Behörde erklärte. Für den Raub in Hildesheim gab es aber eine Beweisaufnahme, bei der Zeugen aussagten – und für diesen Überfall wurde Klette nun auch mit verurteilt.
Wohnte Klette in Hildesheim zur Miete?
Auf einen Aufenthalt in Hildesheim deuten auch Videoaufnahmen hin, die Ermittler in Daniela Klettes Berliner Wohnung sichergestellt haben. Die Szenen zeigen offenkundig Klettes mutmaßlichen Komplizen Burkhard Garweg, wie er sich in einer Fensterscheibe spiegelt, während er aus einer Wohnung in Hildesheim nach draußen schaut. Sein Blick schweift von dort über die Kreuzung von Kaiserstraße und Kennedydamm – und je nachdem, wohin er den Kopf dreht, sieht er die großen Hildesheimer Justizgebäude mit den Büros der Staatsanwaltschaft und den Gerichtssälen.
Ohne es zu ahnen, sind die Ermittlungsbehörden den mutmaßlichen früheren RAF-Terroristen an diesem Tag im Januar 2016 in Hildesheim offensichtlich ganz nah. Die Ermittler gehen davon aus, dass Klette die Wohnung damals in Hildesheim gemietet hatte – und dass sie, Garweg und Ernst-Volker Staub sie möglicherweise als Basis genutzt haben, um mögliche Objekte für Raubüberfälle auszukundschaften – so auch das Rewe-Center in Bavenstedt.
Klette kritisiert den Prozess
In Hildesheim hatten die Täter keine Beute gemacht, Waffen abgefeuert haben sie damals nicht. Die Staatsanwaltschaft hatte die Schüsse bei einem der anderen Überfälle aber als versuchten Mord gewertet und insgesamt 15 Jahre Haft beantragt. Klette selbst und ihre Verteidiger hatten den Prozess als „politisch“ kritisiert und lediglich einen Verstoß gegen Waffengesetze eingeräumt. Klette zählen die Ermittler zur sogenannten dritten Generation der RAF und werfen ihr unter anderem die Beteiligung am Anschlag auf die US-Botschaft 1991 in Bonn vor. Die Anklage in Bezug darauf liegt beim Oberlandesgericht Frankfurt, das derzeit prüft, ob es sie zulässt.
Der Prozess gegen das mutmaßliche frühere RAF-Mitglied hatte im März vergangenen Jahres begonnen, damals im Hochsicherheitssaal des Oberlandesgerichts in Celle. Seit knapp einem Jahr verhandelte das Gericht den Fall in einer umgebauten Reithalle im Ort Eitze bei Verden.
mit Jan Fuhrhop und Thorsten Fuchs

