Heavy-Metal-Festival

„So schlimm war es noch nie“: Wie Hildesheimer Fans das Wetter-Chaos in Wacken erleben

Hildesheim/Wacken - Dauerregen, 30 Zentimeter tiefer Schlamm, durchgeweichte Campingplätze und stundenlange Staus: Heavy-Metal-Fans aus Hildesheim trotzen dem Wacken-Schlamassel und gewinnen der Situation sogar Positives ab.

Hier geht es nur noch zu Fuß weiter: Fahrzeuge dürfen in Wacken nicht mehr auf das Festival-Gelände – den heiligen Acker. Foto: Patricia Wiedmann

Hildesheim/Wacken - Wacken, das Epizentrum der Heavy-Metal-Fans, versinkt im Schlamm – und damit auch das große Open-Air-Festival in dieser Woche. Am Mittwoch sollte es gegen Mittag eigentlich auf der Bühne losgehen, doch der Auftakt wurde zunächst verschoben. Auch viele Fans aus Stadt und Landkreis Hildesheim sind nach Wacken gereist – oder haben es zumindest versucht. Die HAZ hat am Mittwoch einige kontaktiert und nachgefragt.

„Ohne Gummistiefel geht nichts“, so schreibt Tanja Bangel aus Emmerke der HAZ am Mittwoch auf Facebook. Seit Montag sei in Wacken Dauerregen angesagt. So mussten sie und ihre Begleitung auch das Zelt aufbauen. Der Einlass auf den Holy Ground wurde zunächst immer weiter verschoben, berichtet Bangel. „Eigentlich sollten jetzt schon die ersten Bands spielen“, sagt die Heavy-Metal-Begeisterte am Mittag. Und fügt hinzu: „Die Stimmung ist super.“

Lange Staus auf der Straße

Keine Frage, Regen, Schlamm und feuchtes Wetter sind für viele Wacken-Fans nichts Ungewöhnliches. So extrem wie in diesem Sommer ist es aber schon lange nicht mehr gewesen. Teilweise 30 Zentimeter sei der Schlamm tief, schreibt Nils Frederik Meyer über Facebook. „Unser Campingplatz H sieht sonst noch ganz gut aus.“ Er und seine Truppe ist bereits am Montag angereist. Trotzdem standen sie ziemlich lange im Stau, da fast alle Autos mit dem Trecker auf das Festival-Gelände geschleppt werden mussten. „Empfohlen wurde, direkt die Abschleppöse anzubauen.“ Aber der Hildesheimer ist guter Dinge. Denn im Stau auf der Straße hat er eine Gruppe aus Cuxhaven kennengelernt. „Wir campen jetzt zusammen – die sind mit Generator und Festzelt ganz gut ausgestattet.“

Heavy-Metal-Fan Carsten Penz ist aus Hotteln mit acht Kumpel gestartet und im Örtchen Vaare gestrandet. „Ein netter Typ hat uns eingeladen, unter seinem Schauer zu schlafen.“ Man habe dann noch bis morgens um 4 Uhr gefeiert. Spontane Unterstützung hat auch Kevin Schlesener erfahren, er schreibt der HAZ über Instagram: „Wir sind bei einer Anwohnerin in Hohenaspe untergekommen.“ Die hatte einen Aufruf gestartet – für alle Nicht-Camper. „Ihre Tochter arbeitet im Orga-Team.“ So hofften die Hildesheimer, doch noch an ihre Einlassbändchen zu kommen – und hatten letztlich Erfolg.

Lieber gleich einen Campingplatz in der Nähe des Festival-Areals hat sich Patricia Wiedemann mit ihrer Clique ausgesucht. Vor dem Dauerregen bleiben sie dort natürlich auch nicht verschont. Am Mittwoch schreibt Wiedmann: „Gestern war es auf dem Platz extrem matschig und schwierig durchzugehen – ist schon sehr heftig.“ Auch dort sei jedes Fahrzeug wie Auto, Wohnwagen oder Wohnmobil auf den Platz gezogen worden. Teilweise hätten Leute sogar bis zu 24 Stunden gewartet, um auf ihren Platz zu kommen. „Ich kann gut verstehen, dass ein Anreisestopp ausgesprochen wurde.“ Wiedmanns Freundin versuche, mit dem Rad nach Wacken zu gelangen, um sich das begehrte Einlassbändchen abzuholen.

Lage trotzdem entspannt

Diese Hürde haben die Hildesheimer Patrik Grieger, Sarah Grieger, Christoph Meier, Lars Meier und Tanja Meier bereits genommen. „Im Wacken-Camper Park Campground Y ist die Lage entspannt und so wie in anderen verregneten Jahren“, sagt Patrik Grieger. Im Infield sei die Gruppe bis Mittwochmittag aber noch nicht gewesen.

Trotzdem macht sich auch Unmut unter den Festival-Gästen breit, besonders dass die Veranstalter die regnerische Lage hätten im Vorfeld besser organisieren sollen. Diese hatten erst am Dienstag die Notbremse gezogen und keine Fans mit dem Auto mehr auf das Gelände gelassen. Bis zu diesem Zeitpunkt war aber erst die Hälfte von den erwarteten rund 85.000 Menschen eingetroffen. Per Bus und Bahn kann man noch anreisen.

 

„Ich verstehe teilweise die Erwartungshaltung einiger Konzertteilnehmer nicht“, schreibt Norman Dietz aus Hildesheim auf Facebook. Die Wetterlage sei bekannt gewesen. Man könne ja als Veranstalter nicht eben mal 10.000 Quadratmeter Rasengittersteine verlegen lassen, um das Gelände zu befestigen. „Wacken ist ein Open-Air-Festival auf einer unversiegelten Fläche.“ Und auch Doris Baasner betont auf Facebook: „Das Wetter ist doch für Wacken bekannt – also nichts Neues.“

Vielleicht hängt vieles von der eigenen Vorbereitung ab. „Ich schlafe in einem herkömmlichen Anhänger und habe mich darin eingerichtet mit Matratze und Schlafsack“, betont Raphael Kreutzburg aus Gerzen bei Alfeld. Er fühlt sich trotz Regen gut präpariert und sieht keine Gefahr, in seinem Nachtquartier abzusaufen. „Wir werden auf jeden Fall bleiben“, betont er. Auch weil das Wetter der Stimmung nicht viel anhaben könne. „Diejenigen, die es auf den Platz geschafft haben, sind alle gut drauf und feiern ausgelassen.“

Gibt es das Geld für die Tickets zurück?

Das würde Louis Sommerfeld aus Gronau mit seinen Freunden auch gern. Doch der 23-jährige Student musste am Mittwoch mit seinem Auto postwendend wieder umkehren. „Das ist schon sehr schade, aber wir hatten keine Chance, auf das Gelände zu kommen.“ Die Festivalkarte – sie kostet rund 300 Euro – hat er schon seit einem Jahr. Nun hofft er, dass er trotzdem doch etwas von den Kosten zurückerstattet bekommt. „Das Wetter gilt ja eigentlich als höhere Gewalt – da können die Veranstalter auch nichts dafür.“

Vermehrt „Gestrandete“ auf Campingplatz in Derneburg

Der Campingplatz in Derneburg bei Holle nimmt zur Zeit vermehrt gestrandete Festivalgäste auf, die ja teilweise aus Süddeutschland extra anreisen. „Enttäuscht, aber dennoch total gut drauf“, sagt Saskia Kumm vom Campingplatz Bergmühle und verweist auf eine vierköpfige Gruppe, die Wacken nicht mehr anfahren durfte. Gerade sei noch eine weitere Gruppe mit Zelten eingetroffen. „Die Gestrandeten machen das Beste aus der Situation.“

Hildesheimer Band ist 2022 dabei gewesen

Nicht in Wacken dabei ist in diesem Jahr die Hildesheimer Band Surgical Strike, sie war 2022 in Wacken aufgetreten. Obwohl sie diesmal nicht gebucht waren, wollten einige Mitglieder privat hinfahren, doch das cancelten sie aufgrund der aktuellen Lage. „Klar nimmt man ein bisschen Matsch in Kauf, aber so schlimm war es noch nie“, sagt Gitarrist Marcelo Vasquez-Rocha. „Ich hoffe, dass wir im nächsten Jahr mit der Band wieder da sein können. Dann kommt ja auch unser nächstes Album raus.“

Etwas beunruhigt äußert sich allerdings Markus Pumi auf Facebook – mit Blick auf das nächste Festival in Hildesheim: „Hoffe, dass es nicht auch auf dem M’era Luna so ist.“ Das Festival steigt am Wochenende 12./13. August auf dem Hildesheimer Flugplatz-Gelände.

  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.