Hildesheim - Die Stadt kann den Zeitraum, wie lange auf der Baustelle in der Dammstraße nichts passieren wird, nicht genau abschätzen. Die Verwaltung gehe derzeit von einigen Monaten aus, sagte Rathaussprecher Helge Miethe am Donnerstag der HAZ. Wie er auf Nachfrage betonte, hätte sich diese Zwangspause auch nicht vermeiden lassen.
Diese ist entstanden, weil nach Abschluss der Grabung rund um die historische Brücke neben den Archäologen auch die beiden Baufirmen abgezogen sind, die bislang in der Dammstraße im Einsatz waren. Die Stadtentwässerung (SEHi) hatte die Betriebe ursprünglich für den Kanalbau verpflichtet, der zur Entdeckung der Brücke geführt hatte, die Firmen dann aber auch für die weiteren Arbeiten im Zusammenhang mit dem Bauwerk über so genannte Nachträge verpflichtet.
Nun haben die SEHi und die Stadt (sie zahlt die Rechnungen) entschieden, die noch ausstehenden Arbeiten neu auszuschreiben – konkret geht es um den Bau der Betonplatte über der Brücke und die Wiederherstellung der Fahrbahn. Doch hätte man die Baufirma dafür nicht eher suchen können, um eine Verzögerung zu vermeiden?
Baudezernentin: Verzögerung sei nicht zu vermeiden gewesen
Baudezernentin Andrea Döring weist die Vermutung zurück: Man könne den Auftrag erst ausschreiben, wenn klar sei, um welche Leistungen es gehe – und dafür müssten zunächst die endgültigen Lösung für die Platte und das Tragwerkskonzept für diese vorliegen: „Die Ausschreibung funktioniert rechtlich und technisch nur mit konkreter Beschreibung der Leistungen, die der Bauherr verlangt.“
Doch es drängen sich weitere Fragen auf. Zum Beispiel, warum Stadt und SEHi nicht bei ihrer Praxis geblieben sind und die bisherigen beiden Baufirmen einfach über neue Nachträge weiter verpflichtet haben – vielleicht, weil es nun doch rechtliche Bedenken gab, ob die Arbeiten nicht neu vergeben werden müssten?
Das bleibt in der Antwort der Verwaltung offen. Döring erklärt aber, dass die bisherigen Arbeiten, die in der Dammstraße anfielen, „sehr gut zum SEHi-Auftrag des Kanalbaus mit Archäologie und Straßen- beziehungsweise Wegebau“ gepasst hätten. Bei dem Tragwerkskonzept und der Betonplatte handele es sich dagegen nun um ein anderes Gewerk. Daher sei es richtig, wie jetzt geplant, die Arbeiten auszuschreiben. „Das soll so schnell wie möglich erfolgen“, kündigte Döring an.
Nach ihren Angaben bleibt es auch bei der bisherigen Rollenverteilung: Die SEHi ist weiter die Auftraggeberin, die Stadt übernimmt die Kosten für die Erneuerung der Straße und die Sicherung der historischen Brücke. Wie hoch die ausfallen, ist noch ungewiss; bis Mitte April waren 3,2 Millionen Euro angefallen.
Zeitverlust wäre bei anderem Vorgehen sogar noch länge gewesen, sagt die Stadtbaurätin
Aber hätte es aus heutiger Sicht nicht Zeit gespart, bereits nach Abschluss des Kanalbaus für die folgenden Arbeiten im Zusammenhang mit der Brücke eine neue Baufirma zu suchen? Auch das weist Döring zurück: Dieses Vorgehen hätte im Gegenteil viel mehr Zeit gekostet. Denn die Stadt hätte zunächst analysieren müssen, was sich im Boden befindet, eine Leistungsbeschreibung entwickeln, die Kosten kalkulieren und dann ausschreiben müssen. „Das hätte etwa neun bis zwölf Monate gekostet, ohne dass etwas auf der Baustelle passiert wäre“, argumentiert Döring. Sie erinnert zudem daran, dass die große Bedeutung der Brücke erst sechs Monate nach deren Entdeckung feststand und der endgültige Umgang mit dem Bauwerk sogar erst weitere sechs Monate später.
Kommentar: Kommunikationsgewurschtel in Sachen Dammstraßen-Baustelle
Es liegt in der Natur der Sache, dass die Stadt sich scheut, einen genauen Zeitraum zu nennen, wie lange auf der Baustelle in der Dammstraße erst einmal nichts passiert. Doch dass es zu einem längeren und sichtbaren Stillstand kommen wird, muss den Verantwortlichen im Rathaus schon seit einigen Tagen klar sein. Doch anstatt dies von sich aus zu kommunizieren und die Bevölkerung darüber zu informieren, bedarf es erst einer Anfrage der Presse, um das auch so deutlich zu sagen.
Genauso klar lässt sich nun auch absehen, dass es noch ein halbes Jahr dauern könnte, bis der Verkehr wieder durch die Straße rollt. Der Koordinator der Dammstraßen-Baustelle hatte für die ausstehenden Arbeiten vor einiger Zeit etwa drei Monate veranschlagt, so lange dürfte es auch bis zum Baubeginn dauern. Und das sollte die Stadt dann auch so deutlich publik machen.

