Hildesheim - Dass das Testzentrum von Hil-Care auf dem Platz auf der Lilie nur vorübergehend bleiben wird, war seitens der Stadt bereits bei der Eröffnung im März klar. „Wir wollen ja auch wieder Kultur- und Sportveranstaltungen in die Stadt und vor allem ins Zentrum holen“, sagte Oberbürgermeister Ingo Meyer damals.
Nun steht fest: Spätestens am 15. Juni ist tatsächlich Schluss. Denn dann sollen auf dem Platz die Vorbereitungen für den Citybeach beginnen. Das verkünden Hildesheim Marketing und die Stadt übereinstimmend. Man habe nach Möglichkeiten gesucht, einen anderen Veranstaltungsort für das Sommer-Event zu finden. „Aber die Lilie ist alternativlos“,wie Fritz Ahrberg, Geschäftsführer von Hildesheim Marketing, sagt. „Allerdings möchte ich den Citybeach und das Testzentrum gar nicht in Konkurrenz sehen.“ Das Testen sei und bleibe wichtig. „Aber neben der Pandemiebekämpfung ist es unsere wichtigste Aufgabe, die Innenstadt zu beleben.“
Man wisse das Engagement der Betreiber von Hil-Care zu schätzen, ergänzt Stadtsprecher Helge Miethe. Derzeit sei aber davon auszugehen, dass in Einzelhandel und Außengastronomie in Kürze die Schnelltestpflicht entfällt. Und für weiterhin erforderliche Testungen gebe es ja Zentren, auch in der Innenstadt. Für die Wiederbelebung der Innenstadt allerdings sei der Citybeach „an dieser Stelle von großer Bedeutung“, so Miethe.
Der Platz auf der Lilie ist das „Wohnzimmer Hildesheims“
Die Ansicht, dass es dafür zwingend den Platz auf der Lilie brauche, teilen die Hil-Care-Betreiber allerdings nicht: „Ich denke, man hätte für den Citybeach etwa über den Angoulêmeplatz nachdenken können“, sagt Sebastian Adamski. Vom Stadtmarketung sei „lediglich der Platz vor St. Andreas geprüft und als ungeeignet für den Citybeach“ befunden worden, da dieser abschüssig sei. Man habe Hil-Care stattdessen empfohlen, den Platz anzufragen. „Die Erreichbarkeit über die Stufen oder über Umwege ist aber insbesondere für eingeschränkt gehfähige Menschen nicht ideal“, meint Adamski.
Er sieht das Zentrum als wichtigen und inzwischen gut genutzten Eingang in die Innenstadt, der sich für viele Hildesheimer täglich oder zumindest mehrmals wöchentlich als Teststation bewährt habe. Er betrachte den Platz, wie er sagt, „immer als das Wohnzimmer Hildesheims. Und genau dort gehört meiner Meinung nach auch ein Bürgertestzentrum hin, in direkter Anbindung zum Rathaus.“
Gute Alternativen für beide Projekte
Kritik an den Plänen regt sich derzeit vor allem in der CDU. Bürgermeisterkandidat Dennis Münter bedauert vor allem, dass Stadt, Stadtmarketing und Betreiber nicht rechtzeitig ins Gespräch gekommen seien: „Aus meiner Sicht hätte zur heute bekannt gegebenen Entscheidung eine abgestimmte Lösung für Alternativstandorte für das Testzentrum oder für den Citybeach gehört. PVH, Andreasplatz, Pferdemarkt oder Angoulêmeplatz wären bei frühzeitiger Planung für beide Projekte gute Alternativen gewesen.“
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Auch der Vorsitzende der CDU-Stadtmitte, Ortsbürgermeister Dirk Bettels, würde einen Verbleib des Testzentrums auf der Lilie befürworten, wie er sagt. Dieser Ort sei die „Schleusenkammer“ zur Innenstadt. „Niemand weiß, was die nächsten drei Monate an pandemischen Herausforderungen bringen werden. Die anerkannteste und erfolgreichste Testeinrichtung der Stadt zu Gunsten des Citybeach an dieser zentralen und exzellent erreichbaren Stelle zu schließen“, meint Bettels, wäre „grotesk“.
Citybeach mit Gras und Sand, nur ohne Volleyball
Der Citybeach soll in diesem Jahr am 25. Juni beginnen und bis zum 22. August dauern. Wie Ahrberg ankündigt, werde es einen Bereich mit Strandsand geben und einen mit Rasen. Mehrere Gastronomen sollen mit ihrem Angebot vor Ort sein, auch ein kulturelles Programm werde es geben. „Allerdings kein Volleyball-Turnier“, sagt Ahrberg, denn das werde man in diesem Jahr unter Corona-Bedingungen nicht umsetzen können, selbst wenn bis dahin weitere Lockerungen in Kraft treten sollten.
