Hildesheim - Gerade erst hat sein Bettengeschäft RückRad in der Judenstraße 25. Geburtstag gefeiert – da gibt es Inhaber und Schlafberater Hans-Uwe Bringmann ab. Für ihn soll zum neuen Jahr Schluss sein, sagt der 67-Jährige, den in Hildesheim so viele Menschen von seiner Arbeit hier, aber auch durch sein politisches Engagement und seine zahlreichen Ehrenämter kennen. Und weil er einer ist, der immer was tun und um die Ohren haben muss, revidiert er seine Aussage auch gleich wieder: „Naja, so ganz werde ich den Laden noch nicht verlassen“, sagt er. „Ich habe versprochen, das neue Team noch zu begleiten und da zu sein, wenn es Fragen gibt.“
Ja, das habe er allerdings versprochen, sagt Violetta Grimm, die sich gemeinsam mit ihrer Familie dazu entschlossen hat, das Geschäft quasi im Verbund zu übernehmen. „Sein Beistand und sein Know-how sind für uns ganz wichtig“, sagt sie. Und auch der langjährige Mitarbeiter Christian Brehme wird bei RückRad bleiben. Er kennt die vielen Stammkunden des Geschäfts und ihre Gewohnheiten und Wünsche seit vielen Jahren bestens – im Schlaf, wenn man so will.
Fast 20 Jahre lang arbeitete er im Bernward Krankenhaus
Das soll das Team sein, das weiterführt, was Hans-Uwe Bringmann nach seinen Maßstäben und Vorstellungen begonnen hat. Was viele über „Betten-Bringmann“ gar nicht wissen: Fast 20 Jahre seines Berufslebens arbeitete er im St. Bernward Krankenhaus, erst als Pfleger, dann wechselte er 1990 in die Verwaltung und die Öffentlichkeitsarbeit. Unter anderem stammt der Slogan „BK, na klar“ aus seiner Feder.
Doch 1995 verabschiedete er sich aus dem Krankenhaus. Nachdem zwei Jahre zuvor seine Zwillinge zur Welt gekommen waren, hatte er während der Elternzeit fast aus Versehen einen anderen Berufszweig für sich entdeckt. „In dieser Zeit habe ich mein medizinisches Wissen in das Bettengeschäft der Familie in Hannover eingebracht“, sagt Bringmann. Schließlich übernahm er die Geschäfte der Firma Betten Kolbe in Hildesheim als Geschäftsführer, wurde Mitglied bei den Freundlichen Hildesheimern und später deren Vorsitzender.
Er gründete die „Unabhängigen“
Überhaupt suchte er immer neue Herausforderungen. Seit 2009 widmete er sich dem Wildgatter. Damals sollte ein Förderverein gegründet werden, der die Stadt langfristig bei den Unterhaltungskosten für das Gehege am Steinberg entlasten sollte. Martina Bertram wurde Vorsitzende, Uwe Bringmann Stellvertreter. Später übernahm er an vorderster Front. 2011 beschloss Uwe Bringmann, in die Politik zu gehen. Und gründete die Wählergemeinschaft „Die Unabhängigen“. Bis heute sitzt er als deren Vertreter im Stadtrat, ebenso im Ortsrat Moritzberg. „Ich wollte nicht immer nur über die Politiker in der Stadt meckern, dass ich dies oder das anders sehe. Also wollte ich selbst mitreden.“
Streitbar, engagiert und immer wach, so kennen ihn die Hildesheimer. Doch viele, denen ihr Schlaf am Herzen liegt, kennen ihn auch als kompetenten Berater – und als Servicemensch, den so schnell kein Kundenwunsch abschreckt. „Wenn jemand bei mir ein Bett gekauft hat, dann wird der im ersten Monat wöchentlich angerufen, damit wir wissen, ob im Detail alles stimmt oder wir etwas korrigieren sollten“, sagt Bringmann. „Das war immer meine Philosophie, dass man mit den Menschen arbeiten und für sie ansprechbar sein muss.“
Das Bett vor der Tür, das bleibt auf jeden Fall
Daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern. Das Einzige, was bei RückRad bald neu sein könnte, ist hier und da die Gestaltung des Verkaufsraumes. „Da haben Frauen vielleicht doch eine andere Vorstellung“, sagen Grimm und ihre Tochter. Eine andere Wandfarbe, hier und da ein neues Regal, mal sehen. „Das hat Zeit, aber ein bisschen Frische könnte der Raum vertragen.“ Was definitiv bleiben soll: das Bett vor dem Laden, in dem sich eine lebensgroße Figur in die Federn kuschelt. „Das ist unser Markenzeichen“, sagt Uwe Bringmann, „das muss bleiben.“
Er selbst will nun noch etwas häufiger als bisher auf Reisen gehen, sagt er. Nach Timmendorf fahren oder ein Schiff besteigen und wie neulich erst durch die Karibik schippern. Das findet er toll. Das Einzige, bei dem er unterwegs oft Abstriche machen muss, sind die Betten. „Die sind nicht überall so bequem wie hier“, sagt er. Aber der beste Grund, immer wieder nach Hause zu kommen.
