Hildesheim - Den Hundewelpen, die in einem Karton an der Tonkuhle ausgesetzt wurden, geht es gut. Die kleinen Hündinnen leben derzeit in einer Pflegestelle und werden dort versorgt, auch ihre erste Impfung steht in diesen Tagen an, berichtet die Leiterin des Hildesheimer Tierheims Sabine Witte. Nach der Veröffentlichung des Falls gingen beim Tierschutz zahlreiche Meldungen zu den möglichen Besitzern ein. „Einige Hinweise waren nicht nachvollziehbar und konnten ausgeschlossen werden“, sagt Witte. Andere waren so hilfreich, dass sich ein konkreter Verdacht verdichtet. „Die Polizei ist eingeschaltet“, sagt Witte.
Große Resonanz
Nachdem die Welpen gefunden wurden, bat der Tierschutz um Hinweise auf die Eigentümer und bekam reichlich Resonanz. Relevante Meldungen werden an das Veterinäramt und die Polizei weitergeleitet. Denn das Aussetzen von Tieren steht unter Strafe, wird als eine Ordnungswidrigkeit geahndet. Doch immer wieder kommt es vor, dass sich Menschen auf diese Art ihrer Haustiere entledigen. Aktuell die Welpen und vor allem Kleintiere, wie die weißen, etwa vier Monate alten Zwergkaninchen Yuki und Kori, die vor wenigen Tagen an einem Papiercontainer in der Nordstadt abgestellt wurden. Auch viele Wellensittiche hüpfen nun in den Käfigen des Tierschutzes von Stange zu Stange. Sie könnten entflogen sein, doch wäre das der Fall, gibt es in der Regel jemanden, der nach dem Tier sucht. Nach den Wellensittichen fragte niemand. „Seit dem vergangenen Jahr bekommen wir extrem viele Kleintiere“, sagt Witte.
Mit der beginnenden Ferienzeit steht zu befürchten, dass sich wieder einige Menschen grausam von ihren Haustiere trennen. Dabei sollte doch gleich mit dem Urlaub die Unterbringung für Hund oder Katze geplant werden, rät Witte. In den Vermittlungsbögen des Tierheims steht deshalb auch die Frage, wer das Haustier betreut, wenn der Eigentümer verreist oder krank wird. Man könne die Betreuung etwa mit Bekannten, Freunden oder Nachbarn absprechen. Außerdem gibt es Pensionen für Tiere oder aber mobile Pflegedienste für Katzen. Aber auch da ist es wichtig, sich rechtzeitig zu kümmern. Wer dennoch kurzfristig weg muss und keine Bleibe für sein Haustier hat, bekommt im Tierheim Unterstützung beim Versuch, das Problem zu lösen. Denn Aussetzen darf keine Option sein.
Tierheim ist kein Familienersatz
Was das Schicksal der Welpen angeht, hatten sie wohl großes Glück, beim Tierschutz zu landen. Sonst hätten sie womöglich eine unrühmliche eBay-Karriere hingelegt und einen Besitzerwechsel nach dem nächsten erleben müssen. Wie so viele andere Hunde, die schließlich irgendwann im Tierheim landen und total verstört sind, wie Witte erklärt. Zudem sind die gefundenen Welpen wahrscheinlich ein Mix aus Dackel und Jack Russel Terrier – ziemliche Energiebündel also. Wie auch Pepsi. Der etwa vier Monate alte Schäferhund-Mix möchte spielen, lernen, schmusen. „Natürlich wäre er in einer Familie besser aufgehoben“, sagt Tierpflegerin Nicole Wismann. Doch bisher hat der Rüde kein neues Zuhause gefunden, nachdem er abgegeben wurde. Daher kümmern sich die Pfleger und Pflegerinnen sehr um ihn, damit er alles lernt, was ein Hund kennen muss. Dazu gehören auch Geschirrklappern oder ein Radio. „Immerhin macht er hier keine schlechten Erfahrungen“, sagt Wismann, während der Junghund versucht, einen Löwenzahn aus der Erde zu ziehen. „Pepsi braucht ein Zuhause, in dem die Menschen Zeit haben, sich mit ihm beschäftigen, im besten Fall Hundesport mit ihm machen, denn er will gefordert werden“, erklärt Witte. Die Anforderungen für neue Besitzer sind nicht aus der Luft gegriffen. Wird der Hund nicht seinen Bedürfnissen entsprechend gehalten, werden weder Mensch noch Hund glücklich.
Eine Entscheidung für viele Jahre
„Ein Haustier ist keine Entscheidung für kurze Zeit, sondern im Fall von Pepsi für die nächsten zehn bis 14 Jahre“, sagt Sabine Witte und appelliert an Besitzer von Hunden, Katzen und Kaninchen, diese bei Tasso oder Findefix registrieren zu lassen. So können die Besitzer gefunden werden, denen ein Tier weggelaufen ist – aber auch die, die eines ausgesetzt haben.


