Bockenem - Erneut zwei laute Detonationen gegen 2 Uhr morgens, erneut konnten die Täter entkommen, erneut haben sie Geldautomaten der Volksbank eG Seesen in Bockenem zerstört. In der Nacht zu Donnerstag haben Unbekannte zwei Automaten des Kreditinstituts am Nordwall gesprengt – eine Tat, wie sie sich ganz ähnlich an gleicher Stelle bereits Ende November 2022 ereignete.
Es war am frühen Donnerstagmorgen, als Anwohner am Nordwall von lauten Knallgeräuschen geweckt wurden. Die Detonationen fanden jedoch nicht im Bankgebäude selbst statt, sondern in einem separat vor dem Haus aufgestellten Container. Den hatte die Volksbank als Konsequenz aus der ersten Sprengung im vergangenen Jahr eingerichtet, die im Inneren des Gebäudes stattgefunden und zu erheblichen Schäden an der Bausubstanz geführt hatte. Diesmal erwischte es eben jenen Container – Menschen kamen bei der Sprengung nicht zu Schaden. Auch die umliegenden Wohnungen sind nicht unmittelbar von den Folgen der Sprengung betroffen, wie die Polizei mitteilt.
Sichergehen, dass es keien weiteren Sprengsätze gab
Deren Einsatzkräfte sowie die der Feuerwehren Bockenem und Bornum waren in der Donnerstagnacht als Erste an Ort und Stelle, Sprengstoffexperten und Spurensicherung kamen hinzu. „Wir mussten sichergehen, dass es keine weiteren Sprengsätze gab, die noch zur Explosion hätten kommen können“, so ein Sprecher der Polizei. Das Areal in dem Wohngebiet blieb zunächst weiträumig gesperrt.
Der zweifellos hohe Sachschaden, der bei der Sprengung entstanden ist, lässt sich laut Angaben der Polizei bislang noch nicht näher beziffern. Selbst ob die Täter Bargeld erbeuteten und wenn ja, wie viel genau, ist den Ermittlern zufolge derzeit noch unklar. Auch Björn Mittendorf, Generalbevollmächtigter der Volksbank in Bockenem, gibt sich vorsichtig: „Mit Blick auf die laufenden Ermittlungen können wir zum Tathergang und zur Schadenshöhe noch keine Aussagen treffen.“
Filialen bleiben von 22 Uhr bis 6 Uhr geschlossen
Fakt sei aber: Die Sicherheitsstandards in den Filialen entsprächen den gesetzlichen Anforderungen, so Mittendorf. Man habe nach dem ersten Vorfall zudem Maßnahmen ergriffen, um weitere Sprengungen zu unterbinden und für Täter unattraktiv zu gestalten. Unter anderem werden die SB-Bereiche der Filialen in der Zeit von 22 bis 6 Uhr geschlossen. Nach erneuten Sprengungen seien die Mitarbeitenden der Filiale in Bockenem erst einmal in den umliegenden Volksbank-Filialen eingesetzt worden, so der Generalbevollmächtigte.
Für die Bargeldversorgung stehen Kundinnen und Kunden nun vorübergehend die Geldautomaten in Lutter am Barenberge in der Bahnhofstraße und in Rhüden in der Katelnburgstraße zur Verfügung. Wie es nun in Folge der zweiten Sprengung mit den Geldautomaten und in der Filiale in Bockenem weitergeht, dazu machte die Volksbank zunächst keine Angaben.
Das Gebäude war von der Explosion stark beschädigt
Nach dem ersten Beutezug der Täter glichen Teile des Beratungsbereiches im Inneren der Filiale einem Trümmerfeld: Monitore lagen am Boden, Teile der Deckenverkleidung waren herausgerissen. Das Gebäude wurde stark beschädigt, wenn auch nicht permanent, ein Statiker konnte schnell klären, dass es nicht einsturzgefährdet ist.
Die Filiale blieb damals zunächst geschlossen, Kundinnen und Kunden musten auf die umliegenden Filialen und dortigen Geldautomaten ausweichen. Man werde, hieß es seitens der Verantwortlichen nach der ersten Sprengung, Vorkehrungen treffen, um möglichen Personenschäden präventiv entgegenzuwirken – detaillierter äußerte sich Vorstandsmitglied Andreas Wobst damals nicht. Um für die Kundinnen und Kunden wieder eine Bargeldversorgung vor Ort zu ermöglichen, wurde kurz darauf eine Säule mit zwei Geldautomaten vor der Filiale am Nordwall aufgestellt – die, in der nun diese beiden Automaten gesprengt wurden. „Glücklicherweise ist es auch dieses Mal bei Sachschäden geblieben“, sagte Mittendorf am Donnerstag, das sei immer das Wichtigste.
Ein dunkler Mercedes, ein dunkler BMW
Inwiefern die beiden Sprengungen zusammenhängen könnten, auch in dieser Frage ermittelt nun die Polizei. Denn nicht nur Hergang und Tatzeit weisen Ähnlichkeiten auf. Bei der Sprengung im November hatten Zeugen einen dunklen Mercedes beobachtet, der eilig vom Nordwall in Richtung Bundesstraße 243 fuhr – in der Nacht zu Donnerstag war es ein dunkler BMW, der vom Tatort wegfuhr. Die Polizei leitete unmittelbar eine Fahndung ein, diese blieb bislang jedoch ohne Erfolg: Die Täter konnten flüchten.
