Kreis Hildesheim - Während in der nächsten Woche schon die nächste Sperrung, diesmal auf der Bundesstraße 243, droht, sorgt die Sperrung der B1 zwischen Groß Escherde und Sorsum weiterhin für Probleme. So werden Autofahrerinnen und Autofahrer auf der offiziellen Umleitung im Despetal noch zusätzlich ausgebremst. Dort dürfen auf der Landesstraße zwischen Barfelde und Eitzum wegen Straßenschäden die Autos derzeit maximal mit 30 Stundenkilometern fahren.
„Dies macht die Strecke noch mal unattraktiver und fördert die Nutzung der Strecke über Giesen“, schreibt ein Autofahrer in einer Nachricht an diese Redaktion. Die Geschwindigkeitsreduzierung gilt erst seit Ende Mai – und hätte nach Angaben von Martin Klose, Sprecher der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, nicht länger aufgeschoben werden können. „Diese Maßnahme dient der Verkehrssicherheit im betroffenen Abschnitt“, sagt Klose: „Das oberste Ziel ist, dass die Verkehre auf gewidmeten Straßen – wenngleich hier mit reduzierter Höchstgeschwindigkeit – sicher geführt werden.“
Umleitungsstrecke falsch mitgeteilt
Unterdessen hat die Landesbehörde ihre empfohlene Umleitungsstrecke korrigiert. Ausgeschildert ist nach Angaben von Klose von Diekholzen aus die Strecke durch den Hildesheimer Wald, Neuhof, die Steinbergstraße auf die B 243. Bislang hatte die Landesbehörde aber per Pressemitteilung kommuniziert, dass die offizielle Strecke über Heidekrug und Ochtersum geht, worüber diese Zeitung entsprechend auch berichtet hatte.
Die eigentliche Umleitung fällt nun mit der wegen des ersten Abschnitts der B243-Sperrung zusammen. Die Sperrung der Bundesstraße 1 wird laut früheren Angaben der Landesbehörde noch bis Freitag, 13. Juni, dauern. Der erste Bauabschnitt der B243-Sperrung beginnt aber bereits am Mittwoch, 11. Juni. Von Mittwoch bis Freitag kommender Woche dürfte daher der Abschnitt durch den Hildesheimer Wald und durch Neuhof also besonders stark belastet sein.
Autofahrer kurven durch die Feldmark
Stark belastet sind auch immer noch die Einwohner von Giesen. Viele Autofahrerinnen und Autofahrer nutzen die Umleitung über Nordstemmen, Rössing und Giesen zur Bundesstraße 6, die eigentlich nur für den Schwerlastverkehr vorgesehen ist. Und das sorgt eben vor allem in Giesen für lange Staus. Nach Angaben von Bürgermeister Frank Jürges (CDU) zwar nicht mehr so schlimm wie noch am Anfang. Aber zu den Stoßzeiten gebe es immer noch Verkehrsbehinderungen.
Angesichts dessen nutzen viele Autofahrende Abkürzungen über Feldwege rund um Giesen und Nordstemmen. Bürgermeister Jürges hat für dieses Verhalten kein Verständnis. „Ich finde das nicht in Ordnung, dass die Menschen Wege benutzen, die nicht dafür gedacht sind“, sagt der Bürgermeister. Zuständig für die Überwachung solcher Verstöße ist die Polizei. Und die kommt dieser Aufgabe auch nach, wie Sprecherin Kristin Möller versichert: „Dazu führen wir mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen entsprechende stichprobenartige Kontrollen an den gemeldeten ‚Schleichwegen‘ und Umfahrungsrouten durch.“ Dabei seien Verstöße festgestellt und auch zur Anzeige gebracht worden. Und auch Geschwindigkeitskontrollen hat die Polizei im Bereich der Umleitungen bereits gemacht. Dabei sei aber zumindest bislang noch keine nennenswerte Anzahl an Verstößen festgestellt worden. Am 19. Mai und 3. Juni hat die Hildesheimer Polizei sogar Verstärkung von der Bereitschaftspolizei bekommen und Schwerpunktkontrollen gemacht. Solche Kontrollen sind auch zukünftig wieder geplant, wie Möller ankündigt.
Konflikte zwischen Autofahrern und Anwohnern
Und die Polizei beobachtet auch Konflikte zwischen Autofahrern und Anwohnern. Die eingesetzten Beamtinnen und Beamten nähmen wahr, das auf Seiten der Verkehrsteilnehmenden und der Anwohnenden „Emotionen wachsen, die in Teilen auch gegeneinander gerichtet sind“, wie es Polizeisprecherin Möller ausdrückt: „An dieser Stelle bittet die Polizei zum einen die Betroffenen, sich an die beschilderten Umleitungsstrecken zu halten und mehr Zeit für die Fahrtwege einzuplanen und zum anderen die Beeinträchtigten, Verständnis für die aktuell veränderte, aber befristete Verkehrssituation aufzubringen“, sagt Möller.
Etliche Menschen, die sonst mit dem Auto fahren, weichen offenbar derzeit auf die Bahn aus. Das sorgt auf der Regionalbahn-Linie des privaten Anbieters Start Niedersachsen-Mitte für ein deutlich erhöhtes Verkehrsaufkommen. So sind am Dienstag auf dem Bahnhof Emmerke 20 Personen nicht mitgenommen worden, weil der Zug um 7.20 Uhr bereits überfüllt war. Bahnbetreiber Start ist die Situation bekannt. „Wir haben derzeit alle verfügbaren Fahrzeuge im Einsatz, weshalb eine Verlängerung der Züge aktuell nicht möglich ist“, heißt es aus der Pressestelle. Zudem seien nicht alle Bahnsteige für mehr als zwei Fahrzeuge ausgelegt, was eine Ausweitung der Züge zusätzlich einschränke. „Wir bedauern, dass wir aus diesen Gründen derzeit lediglich die vertraglich bestellten Leistungen erbringen können. Ein zusätzlicher Ersatzverkehr mit Bussen würde in diesem Fall keine spürbare Entlastung für die Fahrgäste bringen.“
