Verkehr

B1-Sperrung führt zu Megastaus in Giesen – und jetzt kommt die nächste parallele Sperrung

Kreis Hildesheim - Die Sperrung der Bundesstraße 1 führt zu massiven Verkehrsbehinderungen – vor allem in Giesen. Und nun gibt es in der Nähe noch einer weitere Sperrung. (mit Kommentar)

Auch auf der Bundesstraße 6 in Hasede staut sich derzeit wieder der Verkehr. Foto: Chris Gossmann

Kreis Hildesheim - Dass der dritte Bauabschnitt zur B1-Sanierung ohne größere Probleme laufe, wie Martin Klose, Sprecher der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, am ersten Tag der Sperrung berichtete, können zahlreiche Pendlerinnen und Pendler nicht bestätigen. Etliche Leserinnen und Leser berichten am Montagabend und Dienstag von teils gravierenden Verkehrsbeeinträchtigungen.

Wie berichtet, ist die B1 zwischen Groß Escherde und Sorsum gesperrt, diesmal in Richtung Hildesheim. Die drei B1-Auf- und -Abfahrten der südlichen Fahrbahnseite in Groß Escherde, Emmerke und Sorsum sind nicht befahrbar. Das gilt auch für die Auffahrt aus Sorsum auf die B1 in Richtung Hildesheim. Es gibt wieder weiträumige Umleitungen. Die offizielle Strecke geht von Burgstemmen über Gronau, Eitzum und Möllensen über den Roten Berg nach Diekholzen und von dort bis nach Ochtersum und dann über die B 243 zurück zur Bundesstraße 1. Wegen der langen Strecke wählten Autofahrerinnen und Autofahrer schon bei der vorherigen Sperrung in entgegengesetzter Richtung andere Routen – so auch jetzt, von der B1 über die B3 zur Abfahrt am Schloss Marienburg und mitten durch Nordstemmen. Die Umleitung geht dort über die Hauptstraße nach Rössing, weiter über Giesen und in Hasede auf die Bundesstraße 6, bis es in Hildesheim wieder auf die B1 geht. Auf der B6 kommt es erneut zu Staus und Behinderungen, vor allem in Giesen und Hasede, wie auch schon an den vergangenen Tagen.

„Drama live vor der Haustür“ in Giesen

Einer, der die Probleme täglich erlebt, ist Michael Jürgens, er ist einer der drei Therapeuten in der Giesener Praxis „Physioteam am Rathaus“. Am Dienstag herrschte dort ab 7 Uhr „Dauerstau“, während seine Tochter lange Zeit vergeblich auf einen Bus an der Haltestelle Rathaus wartete, berichtet Mutter Kerstin Wahrhausen, direkte Anwohnerin in der Rathausstraße in Giesen. Sie hat „das Drama live vor der Haustür“, wie sie sagt. Ihr Mann pendelt für Hausbesuche zwischen Emmerke, Giesen, Ahrbergen, Hasede und Förste und könne wegen des Staus derzeit keine Termine pünktlich einhalten. Ihre Erfahrungen sind kein Einzelfall: Auch HAZ-Leser Andreas Hauchstein berichtet von Problemen: Er braucht derzeit zirka eine Stunde von Klein Escherde nach Himmelsthür beziehungsweise Bavenstedt, sagt Hauchstein. Die Baustellenampel am Ortseingang Giesen am Feuerwehrhaus-Neubau führe zu zusätzlichen Verkehrsbeeinträchtigungen. „Warum muss so etwas sein?“.

Der Feuerwehr-Neubau an der Emmerker Straße sei nicht mehr das große Problem, entgegnet Gemeindebürgermeister Frank Jürges (CDU). Dort habe sich der Verkehr vor allem während des vorherigen Bauabschnitts gestaut, als der Verkehr vor allem in die andere Richtung durch Giesen fuhr.

Weitere Sperrung zwischen Giesen und Ahrbergen

Auch Henry Kucz hat die Beeinträchtigung in Giesen, Hasede und Groß Förste feststellen müssen, zudem „benutzen zahlreiche Autofahrer illegale Umgehungen wie die Panzerstraße und gefährden unter anderem Radfahrer“, hat Kucz als Anlieger der Emmerker Straße beobachtet. Und: Durch die Schaltung der Ampel in Hasede sei ein Rückstau bis nach Groß Förste entstanden. Den Stau am Montag, von der Kreuzung bei Rewe in Hasede bis mindestens zur Mehrzweckhalle in Giesen, hat auch Alexander Reinecke gesehen. „Und das war nur, bis wohin ich selbst schauen konnte, da ich Anwohner bin. Das habe ich in den zehn Jahren, seitdem ich hier wohne, noch nicht erlebt.“

Für zusätzliche Probleme sorgt jetzt eine weitere Sperrung bei Giesen. Grund sind Bauarbeiten des Wasserverbands Peine zwischen Ahrbergen und Giesen. Dabei geht es nach Angaben von Unternehmenssprecherin Sandra Ramdohr um „dringende Arbeiten an der Transportleitung zwischen Giesen und Ahrbergen“. Die Sperrung sollte noch im Laufe des Mittwochnachmittags eingerichtet werden, die Bauarbeiten dann am Montag beginnen. Spätestens am 16. Juni wird diese Sperrung dann wieder aufgehoben. Also neben der Umgehungsstraße an der Nordstemmer Zuckerfabrik eine weitere Streckensperrung parallel zur B1-Großbaustelle.

Umleitung der Buslinie in Giesen und Ahrbergen

Dies sorgt auch dafür, dass die Buslinie 21 umgeleitet wird. Die Haltestellen Ahrbergen/Süd, Giesen/Salzberg und Giesen/Emmerker Straße können deshalb nicht angefahren werden. Eine Giesenerin fragt sich angesichts der zusätzliche Sperrung in einer Mail an die Redaktion sarkastisch, „was die Person, die sich die Baustelle und den Zeitpunkt ausgedacht hat, beruflich macht“.

Auch Bürgermeister Jürges hätte sich gefreut, wenn die Arbeiten zwischen Ahrbergen und Giesen auf die nächste Woche verschoben worden wären – und die Straßen nur für einen kürzeren Zeitraum parallel gesperrt gewesen wären oder die Doppel-Sperrung sogar komplett hätte verhindert werden können. Jürges ärgert sich über die hohe Verkehrsbelastung in Giesen. „Die Belastung der Bürger ist sehr groß“, sagt Jürges: „Das ist schon grenzwertig.“ Der Bürgermeister hätte sich eine bessere Abstimmung der verschiedenen Behörden gewünscht. Die sehr weiträumige Umleitungsempfehlung führt seiner Ansicht nun dazu, dass der Großteil der Verkehrsteilnehmenden nun im Kriechtempo durch Giesen fährt. Besser wäre es gewesen, wenn der Verkehr einspurig an den Bauarbeiten vorbeigeführt worden wäre.

So reagiert die Straßenbaubehörde

Diese Möglichkeit sei bereits im Vorfeld rechtzeitig von der Landesbehörde geprüft worden, so Sprecher Klose. Im Bereich der Fahrspurreduzierung sei das aufgrund der zu geringen Fahrbahnbreite aber nicht möglich. Und auch die empfohlenen Umleitungsstrecken rechtfertig Klose. „Aufgrund von Gewichtsbeschränkungen an einzelnen Brücken auf umliegenden Strecken ist die gewählte Route für den Schwerverkehr über Hasede, Rössing und Nordstemmen die sinnvollste Alternative und wurde dementsprechend von der Verkehrsbehörde des Landeskreises Hildesheim angeordnet“, sagt Klose.

Das Umleitungskonzept sei im Vorfeld mit allen beteiligten Akteuren – unter anderem mit der Verkehrsbehörde des Landkreises Hildesheim – rechtzeitig abgestimmt worden, betont Klose. „Die Verkehre werden auf gewidmeten Straßen sicher geführt. Diese Straßen können die zusätzlichen Verkehre aufnehmen.“ Weil der Bauabschnitt auf etwa zwei Wochen angegeben ist, liege der Zeitraum noch „in Grenzen und ist vertretbar“. Die Behörde geht außerdem davon aus, dass bei „Befolgen der rechtzeitig ausgeschilderten Umleitungsstrecke, insbesondere für den Autoverkehr über Diekholzen und Gronau, die temporären Stauereignisse im Bereich Hasede zurückgehen werden.“ Ob aber Verkehrsteilnehmer den Umleitungen folgen, könne die Behörde natürlich nicht beeinflussen und bittet weiterhin um Rücksichtnahme, Verständnis und „um das Befolgen der rechtzeitig ausgeschilderten Umleitungsstrecke“ – eine kürzere Wegstrecke bedeute nicht notwendigerweise auch eine kürzere Fahrzeit, so Klose.

Zuständig für die Genehmigung der Sperrungen ist der Landkreis Hildesheim. Dessen Sprecherin Birgit Wilken sieht in der weiteren parallelen Sperrung kein Problem. „Die Sperrung der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Giesen und Ahrbergen erfolgt unabhängig von der Maßnahme ‚Sperrung der B 1‘, sagt Wilken und verweist wie Klose auf die empfohlenen Umleitungsstrecken.

Von Sebastian Knoppik und Saskia Helmbrecht


Kommentar: Bessere Koordination ist dringend nötig

Straßen müssen regelmäßig saniert werden. Wir alle wollen ja schließlich nicht über Huckelpisten fahren. Und dass so eine Straßensanierung natürlich auch mit Verkehrsbehinderungen einhergeht, liegt in der Natur der Sache.

Aber bei der aktuellen B1-Sperrung geben die zuständigen Behörden kein gutes Bild ab. Zwar wird versichert, es sei alles koordiniert und abgestimmt worden. Aber tatsächlich scheint es mit der Koordination nicht weit her. Gleich drei Sperrungen zeitgleich in unmittelbarer Nähe. Die Stadt Hildesheim hat im vergangenen Jahr eine Baustellenkoordinatorin eingestellt, die die verschiedenen Bauvorhaben von Stadt, Stadtentwässerung und Energieversorgung organisiert.

Eine solche Koordinationsfunktion sollte auch der Landkreis übernehmen. Seine Verkehrsbehörde genehmigt sämtliche Sperrungen – und sollte künftig besser darauf achten, dass es nicht wieder zu so einem Planungschaos kommt.

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