Finanzierungslücke

Bad Salzdetfurth: Ärger ums neue Museum – es geht ums Geld

Bad Salzdetfurth - Ärger im Ausschuss: 200 000 Euro fehlen in der Finanzierung des Bad Salzdetfurther Museums – und die Politik weiß offenbar nichts davon. Wie wird das Problem gelöst?

Noch ist das ehemalige Salinengebäude eine Baustelle, doch im Dezember zieht das Museum ein. Streit gab es jetzt um eine Lücke in der Finanzierung. Foto: Ulrike Kohrs

Bad Salzdetfurth - In der Salinenstraße wird kräftig geackert: Im ehemaligen Gildehaus sollen noch in diesem Jahr ein Kindergarten und das neue Museum einziehen. Alles ist längst entschieden. Sogar voraussichtliche Eröffnungstermine stehen schon fest. Und dennoch gab es am Dienstagabend in der Sitzung des Ausschusses für Finanzen, Kultur und Tourismus Streit ums Museum. Denn: In der Finanzierung klafft eine nicht unerhebliche Lücke von 200 000 Euro, zudem fühlt sich die Politik in puncto Museum schlecht informiert.

Zuschuss geplatzt

Im März berichtete die HAZ darüber, dass Stadt und Geschichtsverein auf Sponsorensuche sind, um Geld für Museumsinventar einzusammeln. Die neue Dauerausstellung soll rund 200000 Euro kosten, 50000 Euro sollten aus dem städtischen Etat kommen, zudem war ein Zuschuss (im besten Fall in Höhe von 75 Prozent der Summe) vom Land einkalkuliert – doch der Zuschuss platzte. Die Politik erfuhr davon aus der Zeitung. „Das kann doch wohl nicht sein“, ärgerte sich Heike Schabig (SPD). Überhaupt hätte sie den Eindruck, dass der zuständige Fachausschuss überhaupt nicht informiert würde, wie der Stand der Dinge beim Museum sei. Weder sei bekannt, was von dem Geld angeschafft werden soll, noch wisse die SPD davon, dass der Geschichtsverein Betreiber der neuen Einrichtung sein werde. Tatsächlich gibt es aber einen Museums-Beirat, in dem auch Vertreter der Politik sitzen. „Und wir haben in den vergangenen Wochen in unseren Fraktions-Videokonferenzen über das Thema gesprochen“, konterte CDU-Ratsherr Andreas Koschorrek.

Vor allen Dingen aber das Nichtwissen um die Finanzierungslücke trieb die Ausschussmitglieder um. „Es muss geklärt werden, wo der Fehler lag, dass wir darüber nicht informiert wurden“, fordert Ausschussvorsitzender Günther Raschke. Zuvor hatte Erster Stadtrat Heiko Räther berichtet, dass die Absage des Zuschusses im November im Rathaus einging. „Ich weiß davon aber selber erst seit wenigen Wochen“, erklärte Räther, der kürzlich den Fachbereich im Rathaus gewechselt hat und nun Chef der Kämmerei ist. Nach Gesprächen mit dem Geschichtsverein schlage die Verwaltung nun vor, 50000 Euro Spenden in die Finanzierung einzubringen und weitere 100000 Euro aus der Stadtkasse zu bezahlen. Zudem solle bei den weiteren Planungen Einsparungspotential gesucht werden. „Zum Beispiel im Ausstellungsbereich Digitale Welt und bei der Ausstattung der Kalthalle“, so Räther. Außerdem solle vorerst auf den Bau des Schau-Siedehauses im Außenbereich verzichtet werden.

Kaum zu erklären

Er werde dem Verwaltungsvorschlag mit Bauchschmerzen zustimmen, kündigte CDU-Ratsherr Marc Busche an. Denn diese Entscheidung ließe sich den Ortsteilen nur schwer vermitteln: „Dort lehnen wir oft schon 1000-Euro-Anträge ab“, erinnerte Busche. Doch mit einem nur halb eingerichteten Museum sei letztlich auch niemandem gedient. „Wir sind auch dem Geschichtsverein und der KWG verpflichtet“, erinnerte Reinhard Nipp (CDU). Die ehrenamtlichen Mitstreiter des Vereins würden viel Arbeit in das Projekt stecken und die KWG saniere und vermiete das Gebäude in dem Glauben an einen verlässlichen Partner.

Im Gespräch mit der HAZ erklärte Bürgermeister Björn Gryschka, das Spendenaufkommen fürs Museum entwickele sich sehr gut. Tatsächlich lege es jetzt schon bei rund 30 000 Euro und weitere Beträge seien angekündigt. Dass die Politik über die Finanzierungslücke nicht informiert war, sei sicherlich der Tatsache geschuldet, dass in der Verwaltung durch einige Personalwechsel viel Unruhe war. Jetzt seien aber alle Stellen besetzt und mit Lara Feigs und Birgit Rottmann auch zwei neue Kulturbeauftragte gefunden, die Rolf Jacobs ersetzen. Der ist seit Ende vergangenen Jahres im Ruhestand. „Uns ist es wichtig, jetzt nach vorne zu schauen und das Museum zu einem neuen Magneten in der Stadt zu entwickeln“, so Gryschka.

Der Stadtrat wird sich in seiner Sitzung am Donnerstag, 2. Juli, 19 Uhr, in der Mensa der IGS mit dem Thema Museum beschäftigen.

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