Hildesheim - Noch gut zwei Wochen bis zum Hildesheimer Wedekindlauf. Zeit, das Training zu intensivieren, wenn ich am Sonntag, 27. April, die zehn Kilometer in unter 60 Minuten absolvieren will. Dieser Herausforderung stelle ich mich. Deshalb findet man mich auch mal gegen 9.30 Uhr auf dem Sportplatz der DJK Blau-Weiß Hildesheim. Ein weiteres Training ist an diesem Morgen mit Fitmacherin und Kollegin Laura Pöschel (HAZ-Volontärin) angesagt.
Die Voraussetzungen sind gut: strahlender Sonnenschein, angenehme Temperaturen und der Sportplatz ist nahezu leer gefegt. Doch bevor es losgeht, fragt mich Laura erstmal aus: „Wie oft läufst du denn eigentlich so zur Vorbereitung, und wie fühlst du dich danach?“ Ich entgegne: „Ich versuche, es zweimal die Woche zu schaffen.“ Es gelingt mir nicht immer, aber ich bin recht zufrieden mit der Anzahl meiner Einheiten.
Vieles lief gut – aber ein Problem gibt es
Mein größeres Problem ist die Leistung. „Meine Ausdauer ist noch nicht wirklich gut, und auch das Tempo lässt zu wünschen übrig“, erkläre ich Laura. In Zahlen ausgedrückt meine ich: Meist laufe ich fünf Kilometer, danach wird es aktuell noch sehr anstrengend, und auch das Kilometer-Tempo selbst ist noch nicht unter sechs Minuten im Schnitt. Das könnte zwar alles gerade reichen, um die zehn Kilometer in 60 Minuten zu schaffen – dann müsste ich aber die Geschwindigkeit der ersten fünf Kilometer über die gesamte Distanz halten. Und eigentlich wollte ich die Stunde Laufzeit ja auch unterbieten. Dafür wäre ein Tempo von 5:50 Minuten pro Kilometer gut.
Laura hat zum Glück Verständnis. „Du hast dir ein ambitioniertes Ziel gesetzt. Das ist gar nicht so einfach, zu erreichen, wenn man vorher wenig gemacht hat“, redet sie mir zu. Zeit fürs Training bleibe mir aber noch genug. Da ist sie zuversichtlich: „Du bist motiviert, das ist die Hauptsache.“ Und so beginnen wir unseren zweiten gemeinsamen Lauf mit ein paar Runden um den Sportplatz der DJK. Hier haben wir Anfang März auch unsere erste Einheit absolviert.
Warum es beim Wedekindlauf doch noch klappen könnte
Ich bekomme das Gefühl, dass es mir einfach fehlt, in Begleitung oder einer Gruppe zu trainieren. „Ich glaube, das ist meine große Hoffnung, dass ich mich beim Wedekindlauf von den anderen Teilnehmern mitziehen lasse“, sage ich zu Laura. Sie versteht das, warnt aber auch: „Dann teil dir dein Tempo bloß gut ein. Ich habe mal beim Wohldenberg-Lauf etwas Ähnliches probiert und war am Anfang zu schnell.“
Ob ich zu schnell sein könnte? Da muss ich dann doch ein wenig schmunzeln, aber Unrecht hat Laura nicht. Sie erzählt mir, dass die Lauftrainerin Joanna Zybon in ihrem Buch „Das Funkeln der Schweißperlen“ (diese Redaktion berichtete) eine ganz ähnliche Beobachtung schildert: Viele Sportler würden sich überschätzen und deshalb beispielsweise zu schnell, zu oft oder zu lange laufen. Momentan liegt das Buch auf Lauras Schreibtisch, sie will im April noch etwas darin lesen. „Vielleicht finde ich darin noch hilfreiche Tipps für unser Training“, sagt sie.
Mit diesen Tipps könnte ich mein Ziel erreichen
Ein paar hat Laura aber heute schon für mich: Auch wenn sie selbst immer nach Gefühl läuft, rät sie mir, meine Geschwindigkeit am Wettkampftag mit meiner Sportuhr zu kontrollieren. Die trage ich auch schon im Training, damit bin ich also vertraut. Laura empfiehlt mir, den ersten Kilometer etwa zehn bis 15 Sekunden langsamer als mein Zieltempo zu laufen. Bei 5:50 Minuten pro Kilometer müsste ich den Startkilometer des Wedekindlaufs dann also in gut sechs Minuten laufen. Die Kilometer zwei bis sieben solle ich in meinem Zieltempo laufen und mich dann, falls möglich, zum Schluss nochmal steigern. „Der letzte Kilometer geht durch den Liebesgrund, da ist es schön kühl und der Boden federt. Und kurz vor dem Marktplatz stehen überall Menschen, die einem zujubeln. Das gibt dir die nötige Energie!“, berichtet Laura von ihren Lauferfahrungen. Sie warnt mich aber auch: Das Stück nach Steuerwald raus werde hart. „Da hat man oft Gegenwind und es stehen kaum noch Menschen an der Strecke. Da musst du einfach durchhalten.“
Heute drehen wir nach den Aufwärmrunden um den Sportplatz ab in Richtung Hohnsensee und Überlaufbecken. Die Sonne scheint, die Temperatur steigt – da komme ich mächtig ins Schwitzen. Aber ich schaffe es, den Lauf gut durchzuziehen. Ein kleiner Erfolg mal wieder, denke ich mir. Und so versuche ich, mich mit diesen kleinen Erfolgen Richtung Ende April zu hangeln. Laura macht mir Mut: „Wir bleiben da dran, du schaffst das!“


