Burgstemmen - Wenn Daniel Mordhorst über die vergangenen Monate erzählt, weiß er gar nicht so richtig, wo er anfangen soll. Bei der Goldenen Schallplatte, die nächste Woche eintrudelt? Der Teilnahme bei der RTL-Castingshow Deutschland sucht den Superstar – oder doch dem Plattenvertrag beim Major Label?
„Ganz schön krass“, nennt Mordhorst das. Aber der Reihe nach. Der Fensterputzer aus Burgstemmen hat dafür gesorgt, dass Fans von Ballermann-Musik auf Festen über geile Mädels und Jungs grölen, die, titelgebend, bumsbar sind. Er war es, der Refrain und Melodie zum Hit von Ikke Hüftgold beisteuerte. Kennengelernt hat er den zwar immer noch nicht, das soll aber kommenden Monat endlich passieren, wenn Hüftgold (der eigentlich Matthias Distel heißt) im Capitol Hannover auftritt. „Um die Goldene Schallplatte zu feiern“, sagt Mordhorst – mit Backstage-Tickets.
Goldene Schallplatte: „Das ist Endlevel“
Die Goldene Schallplatte gibt es für Musiker, Produzenten und Komponisten, wenn deren Songs 200.000 Mal verkauft wurden. Der Partysong „Bumsbar“ war acht Wochen auf Platz 1 der Deutschen Charts und ist auch anderthalb Jahre nach Veröffentlichung noch in den Top 100. Dass er dafür als Texter und Komponist die Goldene Schallplatte bekommt, „das ist Endlevel“, sagt Mordhorst. Wobei, nicht ganz: Die Steigerung wäre es noch, wenn er selbst sie irgendwann einmal als eigener Künstler bekäme.
„Ich meine, so oft gibt’s Goldene Schallplatten nicht“, sagt Manager Marco D’Andrea. „Wer hat die in den letzten Jahren schon bekommen aus dem Umkreis?“ Er überlegt. Klar, Lena Meyer-Landrut hat einige goldene Schallplatten, die Scorpions haben mittlerweile elf. Aber sonst? „Das ist schon was Besonderes“, resümiert D’Andrea, während Mordhorst daneben sitzt – und just in diesem Augenblick zu realisieren scheint, wie besonders das eigentlich ist. Eine der wichtigsten deutschen Auszeichnungen im Musikbusiness. „Das ist schon krank“, murmelt er schließlich.
Teilnahme bei Deutschland sucht den Superstar
Dass der 35-Jährige an seinem „normalen“ Job als Fensterputzer weiterhin festhält, steht für Mordhorst außer Frage. „Das erdet mich“, sagt er – auch, wenn er jüngst fast einen alles andere als alltäglichen Auftrag bekommen hätte.
So war der Mann aus Burgstemmen bei der RTL-Castingshow Deutschland sucht den Superstar, die aktuell schon zum 21. Mal eben jenen sucht – den einen Star, der alle anderen überstrahlt, meist aber doch schnell in Vergessenheit gerät. Dass er am Ende des Castingprozesses als Sieger aus der Staffel hervorgeht, nein, damit hat Mordhorst nicht gerechnet. Sein Ziel war es eher, Reichweite zu bekommen, dass noch mehr Menschen auf seine Musik aufmerksam werden.
Er singt „Dein ist mein ganzes Herz“ und „Männer“ – nur etwas anders
Immerhin: Die Vor-Jury, die darüber entscheidet, wer überhaupt vor Dieter Bohlen und die restliche Jury treten darf, soll sich begeistert gezeigt haben. „Die haben gesagt: So einen wie dich brauchen wir hier“, sagt Mordhorst.
Einen wie ihn, das heißt: Einen mit Gesichtstattoo, der auf den ersten Blick nach Hiphop aussieht, mit seinen Songs aber tatsächlich Leute beim Saufen unterhalten will. Um diesen Kontrast zu unterstreichen, singt Mordhorst schließlich vor der Jury im Europapark Rust „Dein ist mein ganzes Herz“ von Heinz Rudolf Kunze, dann noch „Männer“ von Herbert Grönemeyer – und bekommt, auch wenn er bei letzterem alle Songzeilen durcheinander mischt, vier mal das Ja.
Fensterputzen beim Poptitan
Und Poptitan Dieter Bohlen, der interessiert sich brennend für seinen Job als Fensterputzer, wie Mordhorst erzählt. Da, so soll es der Juror vermutet haben, verdiene man ja so schrecklich viel – Fensterputzer seien sogar so teuer, dass der frühere Modern-Talking-Sänger mittlerweile selbst zum Wischer greift. Wobei – da könnte eigentlich ja mal Mordhorst vorbeikommen, nach Tötensen, und dort Fensterputzen. Oder?
Der Schlagabtausch mit Bohlen war so ziemlich der Höhepunkt von Mordhorsts DSDS-Teilnahme. Im Recall, wo es um den Einzug in die Top 50 geht, fliegt er schließlich raus – die wirkliche Enttäuschung kommt aber erst mit der Ausstrahlung der Sendung vergangene Woche. Denn obwohl Mordhorst ein gutes Gefühl hatte, positives Feedback bekommen habe, mit ihm stundenlang im Park gedreht worden sei, ist er keine fünf Sekunden in der Sendung zu sehen.
Alles doch nur Show
„Aus Spaß an der Sache würde ich sowas trotzdem noch mal machen“, sagt er nun. Immerhin lerne man bei solchen Formaten auch so einiges über die Medienwelt, findet er. Etwa, dass am Ende, wenig überraschend, doch alles nur Show sei.
So durfte seine Frau seinen Auftritt vor der Jury etwa über einen Monitor verfolgen – doch dann, als er gerade zum Singen ansetzen wollte, sei dieser schwarz geworden. „Und dann halten sie einem eine Kamera ins Gesicht und fragen: Wie fühlt sich das gerade an?“, erzählt Ehefrau Jenny, mit der er seit zwölf Jahren verheiratet ist.
Vertragsabschluss auf Partyboot
Lange Zeit für Trübsalblasen blieb Mordhorst wegen des Ausscheidens bei DSDS allerdings nicht. Bei einem Workshop zum Songschreiben lernt er einen Talentscout von Warner Music kennen – und der ist begeistert von dem Mann aus Burgstemmen.
Über die Vertragsbedingungen einigen sich die beiden passenderweise auf einem Partyboot, das über die Spree schippert. Das Ergebnis: Unter dem Künstlernamen Dani Sause wird Mordhorst mit Warner Music zwei Singles veröffentlichen, mit der Option auf zwei weitere.
Die nächste Ballermann-Saison kommt bestimmt
Als erste Single geht eine Neuauflage seines Songs „Inseldicht“, produziert von Oliver deVille (bürgerlich Oliver Hintz) aus Hannover, an den Start. Das ist aber erst für 2025 geplant – dann, wenn die neue Ballermann-Saison beginnt. Und die verspricht viel, wenn es nach Mordhorst geht.
„Wir wollen 2025 mit Warner im Rücken alles auseinandernehmen“, stimmt D’Andrea zu. Und dann, ja, klappt es vielleicht auch mit dem großen Ziel – am Ballermann auftreten, mit der Partymeute im Bierkönig feiern. Dafür muss Mordhorst allerdings noch die Flugangst überwinden. „Oder ich fahre mit der Fähre“, sagt er.

