Vier Linden

Fühlt’s sich wie damals im Bebop an? HAZ-Redakteur Christian Harborth und sein sehr persönlicher Blick auf die Revival-Party

Hildesheim - HAZ-Redakteur Christian Harborth hat seine halbe Jugend im Bebop in Hildesheim verbracht – und war am Samstag auf der Revival-Party im Vier Linden. Einiges weckte Erinnerungen, doch zwei Dinge, die früher immer dazugehörten, haben gefehlt.

Hildesheim - Leere Budweiser-Flaschen auf dem kleinen Podest am Hintereingang des Vier Linden. Das fängt ja gut an. Nein, nein, nicht ironisch gemeint. Die Biersorte und die frühere Hildesheimer Diskothek Bebop gehören für mich zusammen wie Fix und Foxi, Dick und Doof, Simon und Garfunkel. An das alte Bebop auf der Wilhelmshöhe habe ich so gut wie keine Erinnerungen. Aber sein Nachfolger in der Nordstadt war über fast zehn Jahre wichtiger Abendtreffpunkt für meine Freunde und mich. Also: Bauch rein, Brust raus, und mal schauen, wie viel Bebop hier noch zu finden ist.

Budweiser und Bebop gehören zusammen wie Fix und Foxi, Dick und Doof, Simon und Garfunkel

Christian Harborth, Bebop-Gänger und HAZ-Redakteur

Um 22 Uhr steige ich die paar Stufen zum Veranstaltungsort an der Alfelder Straße hinauf. Warum nicht in der Nordstadt? Das ganz alte Bebop ist abgerissen, in dem danach werden heute Körper optimiert – also springt das Vier Linden am Samstagnacht wie schon öfter in den vergangenen Jahren als Ausweichquartier für das Revival ein.

Die Party ist ausverkauft. Rund 300 Karten hat Vier-Linden-Chef Martin Schüler im Vorverkauf unter die Menschen gebracht. Etwa 150 weitere Gäste strömen gleich nach der Öffnung rein – wer jetzt ankommt, hat das Nachsehen. 450 Gäste bei einem Ort, an dem auch schon mal 1000 gleichzeitig gefeiert haben? „Brandschutzvorgaben“, sagt Schüler und zuckt mit den Schultern.

Ich bin angemeldet, also rein. Am besten erstmal ein Budweiser. Wie immer halt. Die Schlange vor der Theke reicht fast bis zum Eingang. Puh. Erstmal schauen, was es überhaupt alles gibt. Auf der Karte: Radler und Fassbier. Kein Bud. Die Tränen schießen mir in die Augen. Na ja, nicht wirklich. Aber Bebop ohne Bud ist halt wie Suppe ohne Salz.

Erstmal weiter. Die Party ist noch jung, aber die Tanzfläche schon gut gefüllt. Einige der Gäste sehen so aus, als wenn sie 1981 noch selbst die Stühle mit Joe Cocker nach dessen Konzert im Bebop hochgestellt hätten.

Candido de Bona hatte den Weltstar damals nach Hildesheim geholt. Wo steckt Doddy eigentlich? Na klar, am Mischpult. Gerade Electro-Ecke. „Listen to the voice of Buddha“. Human League. Keine Frage, das ist Bebop.

Ich habe meinen alten Freund Ecki gefragt, was er mit dem Bebop verbindet. Die Antwort: „Stahltür, dicker Stempel, rechts Kickertisch, immer besetzt. Links in den Thekenraum, lange Theke, Sitzgelegenheiten, Budweiser. Flavio, im Anzug, wie immer. Wieder links zur Tanzfläche, Metallboden, von großen Boxentürmen umgeben, Polstermöbel, außen erhöhter Rang. DJ-Pult an der Stirnseite, Doddy. Natürlich.“

Flavio? Wer war Flavio? Aber was ich jetzt ganz dringend bräuchte, das wäre eine Pizza von Matze Mehler. „Schmeckt nach Maggi. Lecker“, erinnert sich Ecki. „Außerdem länglich-platte Baguettes – besser nicht.“ Leider beides nicht vorhanden. Wusste ich ja eigentlich. Mehler hatte mir ja schon vor ein paar Tagen geantwortet, dass er nicht käme. „Pizzabacken kann ich noch, aber das Vier Linden hat keinen Ofen“, hat er mir geschrieben. Na denn!

Pizzabacken kann ich noch, aber das Vier Linden hat keinen Ofen

Matthias Mehler, früherer Pizzabäcker im Bebop

Auf der Tanzfläche brodelt es jetzt. The Cure, Anne Clark. Hoffentlich spielt Doddy George Red. Auf seiner Playlist, die er mir zur Verfügung gestellt hat, steht es zumindest. Bei der Fahrt zum Vier Linden wollte ich mich mit „If I Say Stop, Then Stop“ in Laune bringen. Kennt der Online-Musikdienst aber leider nicht. Saftladen! Na ja, musste halt Fischer Z. ran.

Im Vier Linden kocht jetzt die Tanzfläche. Doddy und sein Adlatus Erich haben die Masse gut im Griff. Erstaunlich, wie wenig hüftsteif hier alle tanzen. Scheinen alle gut auf sich aufgepasst zu haben. Toll! Im Backstagebereich tauschen sich zeitgleich alte Bebop-Granden aus. Doddy immer mittendrin. Hier ist auch das Cocker-Konzert wieder Thema.

Doddy wird 70 – unglaublich, wie die Zeit vergeht

Cocker ist Kult, klar. Aber ich persönlich wäre lieber beim letzten Konzert am 25. Januar 1986 auf der Wilhelmshöhe dabei gewesen: The Meteors, Psychobilly aus London. Die waren vor einigen Wochen noch mal in einem Club in Hannover. Den Leadsänger erkennt man auf den ersten Blick. So wie Doddy. Der wird bald 70. Unglaublich, wie die Zeit vergeht. Aber irgendwie ist trotzdem alles so wie immer. Hoffentlich legt er bald „Sympathy for the Devil“ auf.



Und jetzt? Ecki erinnert sich: „Rechts um die Ecke, chinesisches Restaurant mit Cola-Automat. Wieder zurück, Toilette, Pinkelrinne. Budweiser, Tanzfläche. Wer ist noch da? Licht geht an, letztes Lied, Stahltür, Vogelgezwitscher.“ So lange halte ich nicht durch. Das werden andere zu Ende bringen müssen. Und beim nächsten Mal will ich Bud und Pizza!

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