Hildesheimer Marktplatz

Beste Adresse: Wer zieht künftig in das Knochenhauer-Amtshaus ein?

Hildesheim - Wenn Ende des Jahres das Stadtmuseum aus Hildesheims berühmtesten Fachwerkhaus auszieht, werden fünf Etagen frei. Wie soll es dort weitergehen?

Blick durch die Rathaus-Arkaden auf Hildesheims berühmtestes Fachwerkhaus: Im Knochenhauer-Amtshaus am Markplatz ist noch bis Ende Dezember das Stadtmuseum untergebracht. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Was soll aus dem Knochenhauer-Amshaus am Marktplatz werden? Bislang beherbergt das berühmteste Fachwerkhaus in Hildesheim das Stadtmuseum. Doch das soll nach Plänen der beiden Geschäftsführerinnen des Roemer- und Pelizaeus-Museums zurück in das Haus Am Steine ziehen. Der Auszug soll, wie gerade bekannt gegeben wurde, bereits zum Ende des Jahres passieren. Wie geht es dann mit den fünf Etagen des Fachwerkhauses weiter, in dem sich außerdem das Restaurant „KA7“ befindet?

Private Initiative

Darüber macht sich nun die Stiftung des Knochenhauer-Amtshauses Gedanken. „Wir haben aber noch nichts Konkretes“, sagt Vorsitzende Hanna Geyer auf Nachfrage. Ihr Mann, der 2015 gestorbene Architekt Heinz Geyer, hatte zusammen mit weiteren Helfern in den 1980er-Jahren Geld zusammengetragen, um den Wiederaufbau auf private Initiative und Finanzierung hin möglich zu machen. Dies spiegelt sich bis heute im Namen der Eigentümerin wider: Das Knochenhauer Amtshaus gehört der Bürgergemeinschaft Marktplatz Hildesheim GmbH. Seit 2016 ist jedoch die Stiftung Mehrheitsgesellschafterin, hat also theoretisch das Sagen rund um das Knochenhauer-Amtshaus. „Wir besprechen alles gemeinsam“, betont Hanna Geyer. Von dem Auszug sei sie nicht überrascht worden. Diese Entscheidung gehört mit zu dem Zukunftskonzept, über das der Rat im Juli abgestimmt hatte, um eine Insolvenz des Roemer- und Pelizaeus-Museums (RPM) zu verhindern – die stadtgeschichtliche Sammlung ist dem RPM angegliedert.

„Der Auszug ist auch eine Chance“, so formuliert es Hartmut Möllring, Geschäftsführer der Marktplatz-Gmbh. Denn nun werde es möglich, dass nicht nur zwei Pächter – Cornelia Schlöter vom „KA7“ sowie Salvatore Gigante von der Eisdiele und der Pizzaria im Bäckeramtshaus –, sondern möglicherweise drei oder vier monatlich Geld überweisen.

Immer noch Schulden

Das Stadtmuseum hat nämlich keine Miete bezahlen müssen. Das geht noch auf einen Deal in den 1980er Jahren zurück: Seinerzeit hat die Stadt als Eigentümerin die beiden Grundstücke, auf denen heute das Knochenhauer-Amtshaus und das Bäckeramtshaus stehen, als Schenkung zur Verfügung gestellt. „Wir haben seit der Einweihung 1989 keine Einnahmen oder Zuschüsse, müssen uns aber um die beiden Fachwerkhäuser kümmern“, verdeutlicht der 70-jährige Geschäftsführer. Und nach mehr als 30 Jahren fallen da regelmäßig Arbeiten an. „Gerade mussten erst zwei Fahrstühle repariert werden, das kostet schnell mehrere tausend Euro“, verdeutlicht Möllring. Zudem habe man bei der Sparkasse noch eine sechsstellige Summe an Baukosten-Schulden, die auch endlich getilgt werden müssen.

Platz auf 300 Quadratmetern

Vielleicht geht das künftig schneller. Denn der Geschäftsführer geht davon aus, dass die 300 Quadratmeter in der besten Innenstadtlage sicherlich für einen Quadratmeterpreis zwischen zehn und zwanzig Euro vermietet werden können. Bis die Räume allerdings von ein oder zwei Unternehmen bezogen werden, seien da innen sicherlich noch Umbauten notwendig. „Arztpraxen mit viel Publikumsverkehr kann ich mir aufgrund der baulichen Situation nicht so gut vorstellen.“ Wichtig sei ihm, dass es seriöse Pächter werden, die gut zum Ambiente des Knochenhauer-Amtshauses passen und auch auf Dauer dort eine Bleibe anstreben.

Die Geschichte des Hauses

Wohlhabende Fleischer errichteten Anfang des 16. Jahrhunderts auf dem Hildesheimer Marktplatz ein repräsentatives Gildehaus – in Anlehnung an die Knochenhauer- oder Fleischerzunft bekam es den Namen Knochenhauer-Amtshaus. Seit 1529 gingen hier die angeschlossenen Fleischer ein und aus. Oben trafen sie sich zu Sitzungen der Gilde, im Erdgeschoss gab es Verkaufsräume, im Keller ein Lager.

Schon damals handelte es sich um eines der schönsten und größten Fachwerkhäuser der Stadt. Dies schmückten die Hildesheimer Bürgerinnen und Bürger irgendwann in den inoffiziellen Titel „Schönstes Fachwerkhaus der Welt“ aus. Spätestens seit dieser Zeit galt das Bauwerk vielen als Wahrzeichen Hildesheims.

 

Ein Feuer zerstörte im Jahr 1884 das markante Satteldach und die Giebel des Hauses. Weitaus größer fiel der Schaden beim Bombenangriff vom 22. März 1945 auf Hildesheim aus: Das Haus wurde nahezu komplett zerstört. An seiner Stelle entstand 1962 das Hotel Rose. Doch der Wunsch vieler Hildesheimerinnen und Hildesheimer nach „ihrem“ Wahrzeichen war groß. Mitte der 1980er-Jahre begannen die durchaus kontrovers diskutierten Pläne für den Bau einer Rekonstruktion. Ab 1986 errichteten Arbeiter das Haus in traditioneller Bauweise. Sie verwendeten unter anderem 400 Kubikmeter Eichenholz und 7500 Holznägel. Zur Einweihungsfeier vom 19. bis zum 22. April 1990 strömten die Menschen auf den Marktplatz, um die Wiedereröffnung „ihres“ Hauses zu feiern.

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