Hildesheim - Das Stadtmuseum am Marktplatz soll nicht länger im Knochenhauer-Amtshaus bleiben. Der Standort im bekanntesten Fachwerkhaus Hildesheims wird zum Ende des Jahres geschlossen. Das haben die beiden Interims-Geschäftsführerinnen des Roemer- und Pelizaeus-Museums (RPM), Doreen Götzky und Svenja Fuhrich, dem Aufsichtsrat des Museums jetzt mitgeteilt. Diese Entscheidung kommt nicht überraschend, der Zeitpunkt allerdings schon. Mit dem Entschluss wird nun ein erster Baustein des sogenannten Zukunftskonzept umgesetzt. Das hatte der Rat im Juli beschlossen, um das RPM samt angegliedertem Stadtmuseum vor einer drohenden Insolvenz zu retten. Mit dem Auszug aus dem Knochenhauer-Amtshaus will die Museums-GmbH laut Zukunftskonzept jährlich 72000 Euro an Betriebskosten einsparen. Was mit den Räumen im Knochenhauer-Amtshaus künftig passieren soll, das ist bisher noch nicht bekannt.
Das neue Zuhause
Eine neue Heimat soll die stadtgschichtliche Sammlung künftig im RPM finden und – so lauten die bisherigen Pläne – dort auch gezeigt werden. Das kann allerdings noch eine Weile dauern. Denn im RPM sind die Ausstellungsflächen derzeit eingeschränkt. Grund ist die Sanierung der integrierten Martini-Kirche, die nicht mehr den heutigen Brandschutzbestimmungen entspricht. Wie lange die Bauarbeiten dauern werden, das ist bislang noch nicht bekannt. „Endgültig ein neues Zuhause findet die Sammlung erst, wenn die Brandschutzsanierung abgeschlossen sein wird“, kündigt Götzky an.
Sie hofft aber, dass Teile der stadtgeschichtlichen Sammlung im zweiten Halbjahr 2023 für die Öffentlichkeit wieder zugänglich sein werden. „Gezeigt wird dann zunächst als Interimslösung eine fokussierte Schau“, sagt die 41-Jährige. Das neue Konzept für die unteren Räume des Altbaus und die Portiunkula erarbeiten derzeit Kurator Dr. Stefan Bölke und die fürs Stadtmuseum verantwortliche Museumspädagogin Stephanie Bölke. Beide sollen dem Museum nach Aussage von Götzky weiter erhalten bleiben: „Wir bündeln Kräfte.“
Konzept noch von Roemer-Museumsdirektor Manfred Boetzkes
Die Rückkehr des Stadtmuseums ist eigentlich eine Wiederkehr: „Damit kommt die Sammlung an den Ort zurück, an dem sie bis 1911 ausgestellt wurde“, sagt Museumsdirektorin Götzky. Seit der Einweihung des rekonstruierten Marktplatzes im Jahr 1989 befindet sich das Stadtmuseum – nach einem Konzept des ehemaligen Roemer-Museums-Direktors Manfred Boetzkes – im Knochenhauer-Amtshaus.
Das große Kistenpacken beginnt dann im Januar 2023. Im Stadtmuseum am Marktplatz wird bislang auf fünf Etagen chronologisch die Geschichte Hildesheims präsentiert: Dazu gehören archäologische Funde, Alltagsobjekte aus dem Mittelalter sowie neuzeitliches Kunstgewerbe. Ein wichtiges Kapitel ist auch die wechselvolle Geschichte des 1529 erbauten Knochenbauer-Amtshauses sowie seine umstrittene Rekonstruktion in den 1980er Jahren. Ebenso thematisiert wird der Wiederaufbau der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg sowie ihre Bedeutung mit zwei Weltkulturerbe-Stätten (Dom und St. Michael). Ein Highlight ist sicherlich der Hildesheimer Silberfund: Ein Blick auf die Tafel des Fürstbischofs Friedrich Wilhelm von Westphalen zeigt eine Repliken-Auswahl seines prächtigen Silberservices, das zu den wichtigsten heute noch komplett erhaltenen Rokoko-Geschirren in Deutschland zählt. Außerdem lädt das Haus regelmäßig zu Sonderausstellungen über aktuelle Themen ein.
Ermäßigte Eintrittspreise
Noch eine Änderung steht an: die Eintrittpreise fürs Roemer- und Pelizaeus-Museum. Von Samstag, 15. Oktober, an gilt für alle Besucherinnen und Besucher ein ermäßigter Eintritt von 5 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren haben sogar freien Eintritt – unabhängig vom Zukunftskonzept. Grund seien Veränderungen hinter den Kulissen. „Das Haus steckt mitten in Sanierungsarbeiten sowie Vorbereitungen für die kommende Sonderausstellung“, erläutert RPM-Pressesprecher Benjamin Riebsamen. Es könne zu Einschränkungen kommen, aber die Dauerausstellungen seien weiter zu besichtigen. Schulklassen zahlen künftig lediglich das museumspädagogische Angebot – also Führungen und Workshops – nicht aber den Eintritt. Die reduzierten Eintrittspreise sind eine zeitlich begrenzte Maßnahme, bis die Sanierungs- und Umbauarbeiten im Museum beendet sind. Die Eintrittspreise im Stadtmuseum (3 Euro) bleiben nach Auskunft des RPM-Sprechers bis Jahresende unverändert.

