Hildesheim - In den Hildesheimer Escape-Rooms im Knochenhauer-Amtshaus und an der Speicherstraße haben viele Gäste Spaß daran, sich aus vermeintlich ausweglosen Situationen zu befreien – doch jetzt steht der Betreiber selbst unter großem Druck und sucht händeringend einen Ausweg: Die Room Made GmbH, die Dachgesellschaft verschiedener Betreiberfirmen für die Hildesheimer Escape-Rooms sowie für weitere solcher Einrichtungen in Hannover, hat einen Insolvenzantrag gestellt. Nun sollen neue Investoren das Unternehmen retten – wenn sich denn welche finden.
Das Amtsgericht Hildesheim hat Rechtsanwalt Tobias Hartwig von der Kanzlei Schultze & Braun aus Hannover zum vorläufigen Insolvenzverwalter berufen. Ingo Schorlemmer, Sprecher der Kanzlei, erklärte auf Anfrage der Redaktion nach einer ersten Analyse der Situation: „Ursache des Insolvenzantrages ist, dass es der Unternehmensgruppe nicht gelungen ist, die verschiedenen Escape-Rooms insgesamt wirtschaftlich zu betreiben.“ Ob dabei die Angebote in Hildesheim eher besser oder schlechter laufen als die Hannover, sagte er dabei noch nicht.
Escape-Rooms bleiben vorerst buchbar
Der Sprecher versicherte aber, die Escape-Rooms blieben zunächst uneingeschränkt in Betrieb: „Sie können weiterhin zu den gewohnten Zeiten geöffnet und können zu den üblichen Bedingungen gebucht werden.“ Die vier Beschäftigten der Dachgesellschaft bekommen bis einschließlich März Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit anstelle von Lohn und Gehalt.
Doch dauerhaft muss Gründer und Geschäftsführer Florian Braune das Unternehmen wohl verkaufen oder aber zumindest für weitere Investoren öffnen. Der Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters bescheinigt Braune jedenfalls eine konstruktive Rolle: „Die Beteiligten, einschließlich des Geschäftsführers, arbeiten derzeit an Lösungsmöglichkeiten, um die gesamte Gruppe zu erhalten.“ Es liefen sogar bereits Gespräche mit potenziellen Investoren, die den Betrieb der Escape-Rooms übernehmen könnten, erklärte Kanzlei-Sprecher Schorlemmer weiter.
Der Betreiber selbst erklärte unterdessen in den Sozialen Medien, weder die Betreiberfirma noch der Betrieb seien in Hildesheim in irgendeiner Weise gefährdet. „Im Gegenteil, wir haben ehrgeizige Pläne und möchten langfristig in Hildesheim bleiben und investieren“, heißt es weiter.
Seit 2023 im Knochenhauer-Amtshaus
Zwischen fünf verschiedenen Escape-Rooms können Besucherinnen und Besucher allein am Stammsitz der Braune-Firmen in der Speicherstraße wählen. Im vergangenen Juni präsentierte der ideenreiche und vielfältig aktive Braune – in der Corona-Zeit gehörte er zu den größten Teststations-Betreibern in Hildesheim – im Erdgeschoss unter den Escape-Rooms eine Anlage, in der Gäste sich im Axtwerfen probieren können.
2018 hatte Florian Braune seinen ersten Escape Room in der Speicherstraße eröffnet. Dass er zwischenzeitlich auf Corona-Tests umsattelte, hatte nicht zuletzt damit zu tun, dass der während der Pandemie sein eigentliches Geschäft längere Zeit brachliegen lassen musste. Nach der Corona-Zeit baute er seinen ursprünglichen Betrieb dann weiter aus. Im Jahr 2023 hatte sich der Unternehmer zudem im wohl berühmtesten Gebäude der Stadt eingemietet – und einen großen und mehrere kleine Escape-Rooms im Knochenhauer-Amtshaus eröffnet.
Längerfristige Zukunft unklar
Es handele sich sogar um die größte Anlage dieser Art in Deutschland, erklärte er vor einem Jahr stolz und berichtete: „Ich bin positiv überrascht, wie gut das Angebot angenommen wird.“ Seinerzeit träumte er davon, den Escape-Room im Knochenhauer-Amtshaus auch mit Blick auf Touristinnen und Touristen überregional bekannt zu machen – und ihn zum besten Escape-Room in Deutschland weiterzuentwickeln. Auch Outdoor-Touren durch Hildesheim bietet er inzwischen an, auch für Kinder.
Nun ist zwar sicher, dass es zunächst weitergeht, die längerfristige Zukunft der Hildesheimer Escape-Rooms ist aber ungewiss. Immerhin: Interessenten scheint es zu geben.
