Hildesheim - Die Bürger, die um den Erhalt der Blutbuche auf der Wiese am Hindenburgplatz (PvH) kämpfen, organisieren sich: Ein Bündnis mit dem Namen „Buche bleibt“ lädt für Donnerstag, 25. August, 19 Uhr, auf die Fläche zu einem „Vernetzungstreffen“ ein. Dahinter stehen nach einer Pressemitteilung die Gruppe Extinction Rebellion (XR) „und weitere Aktive“. XR hatte bereits Anfang Juli zu einer Protestaktion aufgerufen; an dieser nahmen rund 80 Menschen teil.
Die Blutbuche steht einem Bauvorhaben des Immobilienunternehmens Hanseatic und der AWO im Weg. Der Wohlfahrtsverband will in dem geplanten Gebäudekomplex seine Beratungsangebote in einem Sozialen Zentrum zusammenziehen, Hanseatic möchte Mietwohnungen anbieten.
Welche Kosten für Umsetzung der Buche sind Hanseatic zuzumuten?
Der Stadtrat hatte in dem Beschluss, das Grundstück an das Unternehmen zu verkaufen, einen Umpflanzungs-Vorbehalt für die Buche eingebaut. Danach soll ein Experte die Möglichkeit prüfen, den 120 Jahre alten Baum umzusetzen. Der Ausschuss für Stadtentwicklung entscheidet dann, ob die Kosten für Hanseatic wirtschaftlich zumutbar sind. Die entscheidende Sitzung ist für den 14. September anberaumt, erst dann falle auch der Beschluss über den Umgang mit der Buche, hatten SPD und Grüne kürzlich betont.
Doch die Sorge bei den Klimaschutzaktivisten, dass der Baum gefällt wird, ist groß. Denn Planungsamtschefin Sandra Brouër hatte öffentlich erklärt, es sei aus biologischen Gründen „nahezu aussichtslos“, den Baum umzusetzen.
Dem Bündnis „Buche bleibt“ geht es aber nicht nur um die Buche, sondern auch um die etwa anderen zehn Bäume, die zusammen mit der Grünanlage, auf der sie stehen, für das Hanseatic/AWO-Projekt weichen sollen. Man wolle keineswegs wichtige soziale Projekte oder barrierefreies Wohnen verhindern, heißt es in der Pressemitteilung. „Es geht um die klimagerechte und lebensfördernde Entwicklung in der Stadt als Ganzes.“
So sei es nicht „sozial“ für die Stadtgemeinschaft, einen der wenigen verbliebenen unversiegelten Parks sowie uralte Bäume zu vernichten, wenn es gleichzeitig viel Leerstand und andere Flächen in der Stadt gebe, für die kein Grün weichen müssen. „Fast überall ist es ruhiger und sicher schöner zu wohnen als an dieser großen Kreuzung“, schreibt das Bündnis. Die positiven Wirkungen der Bäume für alle Menschen und für die Artenvielfalt vor Ort müssten erhalten bleiben. Eine Kompensation sei angesichts der steten Hitze und Dürre nicht machbar – vor allem nicht zentrumsnah, meinen die Aktivisten.
Bündnis fordert andere Lösungen für Bauprojekt
Sie beziehen sich damit auf einen weiteren Teil des Ratsbeschlusses. Danach soll die Stadt ermitteln, wie viel Kohlendioxid die Buche bindet, und Hanseatic genauso viele neue Bäume pflanzen, wie nötig seien, um den Verlust auszugleichen, falls die Buche gefällt werde.
Doch das reicht dem Bündnis nicht. Kurzfristiger Profit dürfe kein Grund sein für massive, nicht umkehrbare Verschlechterungen des Stadtklimas, Soziales nicht gegen Stadtgesundheit und Klimaschutz ausgespielt werden. In diesem Sinne fordert die Gruppe Rat, Verwaltung, AWO und Hanseatic dazu auf, andere Lösungen für das Bauvorhaben zu finden.
Mit Blick auf die Ausschusssitzung am 14. September kündigen die Aktivisten für die nächsten Wochen „vielfältige Aktionen von diversen Gruppen und Einzelpersonen“ an. Das Treffen am Donnerstag solle dazu dienen, Ideen und Aktivitäten zu koordinieren. Teilnehmer werden gebeten, Sitzgelegenheiten mitzu bringen. Wer möchte, kann sich per Mail an Buche-bleibt@gmx.de mit der Initiative in Verbindung setzen. Diese kündigt für Sonnabend, 3. September, eine Protestaktion vor Ort an. Zu den Unterzeichnern der Pressemitteilung gehört neben Vertretern von XR auch Helmut Borrmann: Der SPD-Politiker sitzt im Ortsrat für die Oststadt und das Stadtfeld.
Initiative startet Online-Petition für Erhalt der Bäume auf PvH-Wiese
Widerstand kommt auch von der Baumschutz-Initiative: Sie hat eine Online-Petition für den Erhalt der Bäume gestartet.
