Kolumne „Unter uns“

Bruno Mars steht auf der Bühne – und jeder filmt sich selbst

Hildesheim - Wenn Influencerinnen und Influencer Konzerte besuchen, dann sieht man in ihren Instagram-Stories vor allem eines: Sie selbst. Der Star auf der Bühne? Nur Kulisse. HAZ-Kolumnistin Katharina Brecht wundert sich über dieses Phänomen.

In der HAZ-Kolumne „Unter uns“ schreiben sich Katharina Brecht und Julia Haller abwechselnd zu Themen, die sie bewegen. Foto: HAZ

Hildesheim - Alle waren da, nur ich nicht! Dieses Gefühl hatte ich jüngst, liebe Julia, denn mein Instagram war voll von Menschen, die entweder beim Deutschland-Konzert von Bad Bunny oder bei Bruno Mars in Berlin waren. Etwas an den Stories der Influencerinnen und Influencer irritierte mich allerdings. Wann ist ihr eigener Auftritt in den sozialen Medien wichtiger geworden als das Konzert? Während die Stars auf der Bühne Megahits performen, filmen sie sich permanent selbst beim Tanzen und Mitsingen. Gibt bestimmt viele Likes. Aber wenn man sich die Szene mal außerhalb des Smartphones – also in der Realität – vorstellt, ist das ein höchst skurriles Bild.

Zumal es alle anderen drumherum ziemlich nerven dürfte, ständig ungewollt gefilmt zu werden. Wer möchte schon unfreiwillig in einer Instagram-Story landen, die sich tausende Menschen angucken? Eventuell kriegt man’s gar nicht mit, weil man gerade selbst Bad Bunny filmt. Aber im schlimmsten Fall blickt man genervt in die Linse der Influencerin, weil einem das ständige Gefilme auf den Senkel geht. Ich habe nichts gegen kurze Selfies, das sind schöne Erinnerungen, das macht jeder. Aber wenn ein Musiker auf der Bühne steht, dann sollte der Fokus auf ihm liegen. Der Großteil des Publikums ist schließlich gekommen, um sich seinen Auftritt anzuschauen. Die meisten haben dafür horrende Ticketpreise gezahlt. Vielleicht vergisst man das als Influencerin leichter, wenn man auf Kosten eines Werbepartners in der VIP-Loge rumhängt und den Star auf der Bühne zur Kulisse für den eigenen Auftritt macht. Aber sorry: Bei Bruno-Mars- und Bad-Bunny-Konzerten geht es weiterhin um Bruno Mars und Bad Bunny – und nicht um die sexy Tanzmoves von einer von tausenden Besucherinnen. Die meisten Künstlerinnen und Künstler sind ohnehin davon genervt, dass sie bei ihren Auftritten nur noch auf Handys und nicht mehr in Gesichter blicken. Vielleicht lassen wir unsere Smartphones also einfach alle öfter in der Tasche.


In der Kolumne „Unter uns“ schreiben die HAZ-Redakteurinnen Katharina Brecht und Julia Haller im Wechsel über Themen, die nicht nur Frauen um die 30 bewegen.

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