Positionspapier

Containerdorf für Geflüchtete: Scharfe Kritik aus Harsum – und Angst vor Belästigungen

Harsum - Mit deutlichen Worten reagieren Schulleitung und Elternvertretung der Molitoris-Schule auf die Pläne des Landkreises, ein Containerdorf für Flüchtlinge neben der Schule zu bauen. In einem Positionspapier werden auch Belästigungen von Schülerinnen befürchtet.

Harsum: Hier soll das geplante Containerdorf für Geflüchtete entstehen. Foto: Chris Gossmann

Harsum - Mit deutlichen Worten reagieren Schulleitung und Elternvertretung der Molitoris-Schule auf die Pläne des Landkreises, ein Containerdorf für Geflüchtete neben der Schule zu bauen. Das Schreiben ist von Schulleiterin Dr. Urte Kyas, der stellvertretenden Schulelternratsvorsitzenden Claudia Kleissendorf und Bürgermeister Marcel Litfin unterzeichnet.

Der Brief ist an das Kultus- und das Innenministerium gerichtet. Von Landrat Bernd Lynack (SPD), der eigentlich für die Pläne verantwortlich ist, sind die Unterzeichner des Papiers enttäuscht: „Eine offene Kommunikation des Landrates hat es nicht gegeben, der Sachstand wurde zufällig bekannt.“

Standort „äußerst schlecht gewählt“

Daher wenden sich die Harsumer nun an die Landesregierung. „Aus Sicht der Schüler*innen, der Elternschaft und auch des Kollegiums ist der Standort, sicher gilt das für alle Schulen, äußerst schlecht gewählt“, heißt es in dem Papier. Dabei betonen die Unterzeichner, dass sich die Schule dem Leitbild eines „wertschätzenden, toleranten, integrativen, inklusiven und demokratischen Werteverständnis“ verschrieben habe – und verweisen auf den hohen Ausländeranteil von 10 bis 15 Prozent.

Gleichwohl sehen sie eine Flüchtlingsunterkunft auf der Wiese hinter der Sporthalle und damit auch neben dem Schulhof als nicht akzeptabel an. „Das Schulgelände ist räumlich nicht von der geplanten Unterkunft zu trennen“, heißt es in dem Positionspapier: „Die Gemeinschaft unserer Schule befürchtet Beeinträchtigungen durch Geräuschemissionen während der Unterrichtszeiten.“ Nach der Corona-Pandemie mit Einschränkungen wie Homeschooling und Zusammenstreichen des Lehrplans sei dies nicht akzeptabel.

Kommt es zu Konflikten?

Es sei anzunehmen, dass Schulgelände und -gebäude auch von Geflüchteten genutzt werden. „Dadurch werden die Schüler in ihrer Entfaltung, Nutzung der Bewegungsräume eingeschränkt“. Dem Kollegium sei eine Aufsicht über die Geflüchtete nicht zumutbar. Auch sei mit Konflikten der „Schulgemeinschaft mit den Migranten“ zu rechnen, da die Schülerinnen dun Schüler sich in einer sensiblen Phase ihrer Entwicklung befänden. „Es ist den Schülern nicht zuzumuten, dass sie die Integrationsarbeit, während ihrer Pausenzeiten, leisten.“

Doch die Kritik wird noch deutlicher: Die Eltern befürchten, dass es zu Belästigungen ihrer Töchter kommen könnte, „da der distanzierte, respektvolle Umgang mit Frauen/Mädchen in den Herkunftsländern nicht in dem Maß erlernt wurde, wie wir es aus unserer Gesellschaft kennen.“ „Ebenso kann von den Mädchen im Alter zwischen 10 und 17 Jahren nicht erwartet werden, dass sie sich hinsichtlich der Kleidung, des Verhaltens einschränken, um mögliche Annäherungen zu unterbinden.“

Schulleitung, Eltern und Bürgermeister fürchten außerdem Schäden durch Vandalismus und Verschmutzung mit Müll. Eine Unterkunft in einem Containderdorf trage zudem wohl kaum einer menschenwürdigen Unterbringung Rechnung. „Als Gemeinschaft erwarten wir hier das Finden einer anderen und tragbaren Lösung für die Gemeinde Harsum, die Schulgemeinschaft und natürlich auch für die ankommenden Menschen, die aufgrund ihrer Vergangenheit mit großer Sicherheit traumatisiert sind und in unserer Gesellschaft erst ankommen müssen.“

Verweise auf Landkreis Hildesheim

Das Innenministerium als Adressat des Positionspapiers verwies auf HAZ-Anfrage darauf, nicht zuständig für die Standorte von Flüchtlingseinrichtungen zu sein. Die genauen Gründe für die Entscheidung des Landkreises, ein sogenanntes Container-Dorf für Geflüchtete in Harsum einzurichten, seien dem Ministerium nicht bekannt, teilt Sprecherin Svenja Mischel mit. Das ebenfalls von den Harsumern adressierte Kultusministerium wollte auch keine Stellung beziehen und verwies wie das Innenministerium auf den Landkreis.

Landkreis: Standort noch in Prüfung

Man nehme die Sorgen und Ängste der Bürgerinnen und Bürger sehr ernst, teilte Kreissprecherin Lena Kubat mit. „Wir haben aber auch eine Verantwortung den Geflüchteten gegenüber und leider begrenzte Möglichkeiten zur Unterbringung. Mit dem Bau eines Containerdorfes erfüllen wir, was von uns Kommunen gefordert wird: nämlich die Schaffung von Unterkünften für die vorübergehende Unterbringung von Geflüchteten“, sagt Kubat. Vordergründiges Ziel sei nach wie vor, langfristigen Wohnraum für Geflüchtete sicherzustellen.

Das Positionspapier stufe man als „schwierig“ ein, so Kubat, „da hier die Gefahr besteht, dass gute Absichten dazu führen, dass bereits verbreitete Vorurteile unter den Bürgerinnen und Bürgern weiter angefacht werden können. Dies kann gefährliche Auswirkungen haben und unterstützt nicht den integrativen Gemeinschaftsgedanken innerhalb unserer Gesellschaft.“

Ob das Containerdorf neben der Schule tatsächlich entsteht, ist indes noch unklar. „Der Standort in Harsum befindet sich nach wie vor in der Prüfphase“, sagt Kubat. Es sei dementsprechend noch keine endgültige Entscheidung getroffen worden. 

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