Neben der Molitorisschule

Containerdorf für Geflüchtete in Harsum: Heftige Kritik an Plänen des Landkreises

Harsum - Der Landkreis Hildesheim plant ein Containerdorf für Geflüchtete in Harsum – direkt neben der Molitoris-Oberschule. An dem Vorhaben kommt bereits Kritik auf.

Auf dieser Wiese hinter der Sporthalle soll das Containerdorf entstehen. Foto: Chris Gossmann

Harsum - Der Landkreis Hildesheim plant ein Containerdorf für geflüchtete Menschen neben der Molitoris-Oberschule in Harsum. Auf der Wiese westlich der Turnhalle und damit neben dem Schulhof könnten bis zu 300 Asylbewerberinnen und -bewerber unterkommen.

Nach Angaben von Harsums Bürgermeister Marcel Litfin (parteilos) ist die Kreisverwaltung noch in der „Prüfungsphase“. Das Grundstück in Harsum sei aber das einzige kreiseigene, das noch für ein solches Vorhaben zur Verfügung stehe. „Es sprechen mehr Gründe dafür als dagegen“, habe ihm Landrat Lynack gesagt, so Litfin. Der Landkreis selbst äußerte sich am Montag auf HAZ-Anfrage nicht zu den Plänen. Sprecherin Lena Kubat kündigte eine Stellungnahme für Dienstag an.

„Einiges Konfliktpotenzial“

„Diesen Standort sehe ich als äußerst kritisch“, sagte Litfin. Das Gelände sei aufgrund der Nähe zur Schule ungeeignet für die Unterbringung von Flüchtlingen. Litfin war am Montag bei einem kurzfristig vereinbarten Gespräch mit Landrat Bernd Lynack (SPD) zu dem Thema. Bei dem Gespräch dabei war auch Dr. Urte Kyas, Leiterin der Molitoris-Schule. Sie sieht die Pläne ähnlich kritisch wie Litfin. „Ich will ganz deutlich sagen, dass wir nichts gegen Flüchtlinge haben“, sagt die Pädagogin: „Wir finden allerdings, dass die Nähe zur Schule nicht glücklich gewählt ist.“ Der Standort biete „einiges Konfliktpotenzial“, findet sie. Fest steht derzeit schon, dass nicht Ukrainerinnen und Ukrainer in der Harsumer Unterkunft untergebracht werden, sonder Asylbewerberinnnen und -bewerber.

In dem Bereich zwischen Schule und Waldrand seien abends immer wieder Jugendliche unterwegs, machten Party und hinterließen Müll. „Hier ist viel los“, sagt Kyas. Schon jetzt gebe es Konflikte zwischen der Schule und den feiernden Jugendlichen. „Wir glauben, das ist nicht zuträglich, wenn eine dritte Gruppe dazukommt.“

Kritik an Informationspolitik der Kreisverwaltung

Besonders kritisch sieht Kyas aber die Informationspolitik des Landkreises. Sie hat nur durch Zufall und auf Nachfrage von dem Vorhaben erfahren. In einem Bauprotokoll für die Sanierung der Sporthalle waren Anschlüsse vermerkt worden, die die Schulleiterin nicht zuordnen konnte. Auf Nachfrage erfuhr sie dann, dass die Anschlüsse für das geplante Containerdorf vorgesehen sind.

Kyas informierte daraufhin vor etwa einer Woche Litfin darüber. Er hätte sich wie auch die Schulleiterin gewünscht, dass beide schon früher an den Planungen beteiligt worden wären. „Ich hätte mir das anders gewünscht“, sagt Litfin dazu, dass der Landkreis ihn nicht über das Projekt in seiner Gemeinde informiert hat.

Schon 2016 Pläne für Containerdorf

Es ist nicht das erste Mal, dass der Landkreis ein Containerdorf für geflüchtete Menschen in Harsum plant. Bereits 2016 sollten Flüchtlinge dort untergebracht werden. Die Pläne wurden damals allerdings wieder verworfen, da doch noch genug Wohnungen für Flüchtlinge zur Verfügung standen. Interessant dabei: Auch 2016 gab es schon Kritik an dem Standort neben der Molitorisschule.

Die Gemeinde favorisierte seinerzeit, die Container am nördlichen Ende des Gewerbegebiets Nordfeld aufzustellen. Diesen Standort wiederum lehnte der Landkreis aus baurechtlichen Gründen ab, da Wohncontainer im Gewerbegebiet nicht erlaubt seien.

Litfin will Standort verhindern

„Ich werde mit allen mir zur Verfügung stehen Mitteln versuchen, diesen Standort zu verhindern“, sagte Litfin nun zu den neuen Plänen. Er will dem Landkreis Alternativvorschläge für ein Grundstück in der Gemeinde anbieten. Konkrete Standorte nennt er aber noch nicht, da er noch auf die Anforderungen des Landkreises für ein solches Grundstück wartet.

Aktuell werden dem Landkreis pro Woche 25 bis 30 Asylbewerberinnen und -bewerber zugewiesen. Der Bedarf an Wohnraum steigt daher immer weiter. Bis zu 200 Menschen sollen daher demnächst in ein Hotel in Ummeln einziehen, in dem bis vor kurzem noch ukrainische Kriegsflüchtlinge untergebracht waren. Außerdem soll in der ehemaligen Realschule Lamspringe bis Mitte Juli eine Unterkunft für rund 120 Menschen eingerichtet werden.

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