Kreis Hildesheim - In Schulen und Kindergärten wird die Situation wegen der hohen Zahl an Coronafällen immer brenzliger. In den vergangenen Wochen sind mehrere Kitas zeitweise geschlossen gewesen, weil nicht genug Mitarbeiter im Einsatz waren. Und auch an den Schulen wird das Personal mitunter knapp. Wenn nichts mehr geht, müssen Kitas und Schulen die Mädchen und Jungen nach Hause schicken. Das geht in den Wohn- und Tagesgruppen in Stadt und Landkreis Hildesheim aber nicht so einfach. Hunderte Kinder und Jugendliche leben aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren Familien sondern in solchen Einrichtungen oder werden zumindest tagsüber dort betreut. Ist diese Betreuung weiterhin sichergestellt?
Fast alle Gruppen betroffen
„Bei uns sind nahezu alle Gruppen von Corona betroffen oder betroffen gewesen, zeitversetzt glücklicherweise“, sagt Katrin Hildebrandt, Personalleiterin der St. Ansgar Kinder- und Jugendhilfe. Auch derzeit gebe es in mehreren Wohngruppen wieder positive Fälle. Für den Alltag und das Leben in den Gruppen sei das eine große Herausforderung. „Wie in jeder Familie auch“, stellt Hildebrandt klar. Die Kinder und Jugendlichen würden in den Einheiten leben, man könne sie nicht zu den Eltern bringen, weil sie sich infiziert haben. Also werde auch eine Quarantäne in der jeweiligen Wohngruppe organisiert. Das sei nicht einfach, „aber die Kinder und Jugendlichen sind unheimlich verständig.“
Aber was ist, wenn Personal infiziert ist, werden die Mitarbeiter dann nicht irgendwann knapp? Zunächst würden Vertretungen innerhalb der Gruppen organisiert, wenn das nicht mehr ausreiche, würde auf Basis der Freiwilligkeit Personal aus anderen Gruppen und Bereichen der Einrichtung gefragt. „Das birgt natürlich auch ein Infektionsrisiko für jeden Einzelnen“, sagt Hildebrandt. Doch St. Ansgar würde damit gute Erfahrungen machen, die Kollegen sich untereinander helfen – dann natürlich mit noch mehr Blick auf Schutz vor Ansteckung.
Alle Kinder infiziert
Bei der Kinder- und Jugendhilfe Henneckenrode hat es eine Wohngruppe aktuell richtig erwischt. Alle Kinder und Jugendlichen der Gruppe haben sich mit Corona infiziert und auch das Personal ist betroffen. Die Vertretung ließ sich nicht mehr innerhalb der Wohneinheiten organisieren. „Da hab ich einen Kollegen aus einer Tagesgruppe gebeten, freiwillig einzuspringen“, gesteht Kevin Linde, stellvertretender Leiter der Einrichtung. Eine Dienstanweisung sei das nicht gewesen, nach reiflicher Abwägung habe man den Kollegen gebeten, auszuhelfen. Er ziehe seinen Hut, dass der Kollege dem Wunsch auch gefolgt sei. Ohnehin nehme er wahr, dass es unter den Mitarbeitern eine große Solidarität gebe. So ließe sich die doch ziemlich belastende Zeit der Pandemie überstehen. Er erinnert auch an die Phase des Homeschooling, die den Kollegen viel abverlangt hatte. Für die Kinder und Jugendlichen seien die Wohngruppen ihre Familie, viele hätten keinen oder nur selten Kontakt zu ihren Eltern, also müssten auch die Corona-Folgen allesamt in den Wohngruppen abgefedert werden. „Hoffen wir, dass wir diese Situation bald hinter uns haben“, sagt Linde.
Im AWO Sprachheilzentrum in Bad Salzdetfurth leben die Kinder und Jugendlichen nur unter der Woche in den Wohngruppen zusammen. An den Wochenenden fahren sie in der Regel zu ihren Familien. Das ist so guter Brauch – sei derzeit aber durchaus auch ein Risiko. Man wisse nie genau, ob sich alle Beteiligten auch wirklich ausreichend vor Ansteckung schützen würden, sagt Christine Zellmann Leiterin der Einrichtung. Zurück in Bad Salzdetfurth würden sich dann aber alle Bewohner und Bewohnerinnen jeden Tag testen. Fällt ein Test positiv aus, werde unverzüglich ein PCR-Test noch vor Ort organisiert. Die Kinder und Jugendlichen müssten aber auch am selben Tag noch von ihren Eltern abgeholt werden und dürften erst zurück, wenn der PCR-Test entweder negativ oder die Infektion ausgestanden sei. „In letzter Zeit haben die PCR-Tests das positive Ergebnis aber immer bestätigt“, sagt Zellmann.
Hoher Krankenstand
Ist Personal betroffen handhabt Zellmann die Vertretung wie auch St. Ansgar: „Möglichst nur innerhalb der Stammgruppe.“ Bislang hätte es wegen Corona-Infektionen noch keine unlösbaren Personalengpässe gegeben. Dennoch beobachtet Zellmann die Situation mit Sorge: „Wir haben einen recht hohen Krankenstand.“ Und der habe ihrer Meinung nach sehr wohl auch mit Corona zutun. Die Arbeitsbelastung sei deutlich gestiegen, die seit zwei Jahren andauernde Pandemiesituation mache die Menschen anfälliger – das fordere seinen Tribut.
