Schnelltests und ihre Abrechnung

Corona-Testzentren im Visier: Wie sauber arbeiten Hildesheimer Anbieter?

Hildesheim - Es tauchen derzeit Betrugsfälle in der Branche auf. In Hildesheim erklären die Anbieter, wie sie die Tests abrechnen – und dass sie die Zahlen täglich an den Landkreis melden.

Mit einem QR-Code ist jeder Test von der Anmeldung bis zur Abrechnung einer Person zugeordnet. Foto: Moras

Hildesheim - Die Inzidenzen fallen, die Zahl der Corona-Testzentren aber steigt. Jetzt wird erstmals Kritik an der Praxis laut. Es gibt bundesweit Hinweise auf mangelhafte Durchführung. Ein möglicher Abrechnungsbetrug bei Bürgertests zieht immer weitere Kreise. In Hildesheim scheint hingegen alles regulär zu laufen. Die täglich absolvierten Test-Meldungen aller Testzentren beziffert der Landkreis Hildesheim für die Region mit etwa 76 000 seit Beginn der Bürgertestungen.

Das Geschäft mit den Abstrichen ist scheinbar lukrativ. Nein, nicht dann, wenn man es korrekt führt und abrechnet, sagt Florian Braune, der mit Freepass vier Schnellteststationen in Hildesheim betreibt und erst letzte Woche eine neue auf dem Marienburger Platz eröffnet hat. Die Strichlisten, anhand derer einige Testzentren ihre Zahlen von getesteten Personen abrechnen und die offenbar mehrfach manipuliert worden sind, führt er gar nicht. „Wir machen alles digital über QR-Codes“, sagt Braune, „das läuft lückenlos von der Anmeldung bis zur Abrechnung.“

Für einen Test gibt es maximal 18 Euro Erstattung

Jeder Person sei ein Code zugewiesen, jedem Test ein nachweisbares Ergebnis. So nehme ein elektronischer Prozess seinen Lauf, der schlussendlich auf dem Tisch der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) endet – denn die überweist den Testzentren dann einen festgesetzten Betrag. Nämlich maximal 18 Euro. Dieser Satz gilt für alle Teststationen in Niedersachsen. Der Betrag teilt sich auf wie folgt: Für die Testkits selbst werden bis zu sechs Euro pro Stück erstattet. Die Betreiber reichen dafür ihre Rechnungen bei der KVN ein. Weitere zwölf Euro pro Test zahlt die Institution maximal für die Abnahme und Auswertung der Tests. Im weiteren Verlauf holt sie sich das Geld vom Bundesamt für soziale Sicherung zurück. Das ist so in der Test-Verordnung des Bundes geregelt.

Geben Betreiber mehr Getestete an, als sie tatsächlich durch die Teststraßen geschleust haben, steigt ihr Gewinn. Mit Strichlisten sei das vielleicht möglich, meint Braune. „Aber wie gesagt, bei uns ist der Ablauf absolut gesichert. Wir sind immer davon ausgegangen, dass wir eines Tages in irgendeiner Form geprüft werden könnten.“

Ein Geschäft ohne Kontrollen ist eine Einladung für Betrüger

Auch Hil-Care, Hildesheims zweiter großer Betreiber mit fünf Testzentren, arbeitet mit QR-Codes von der Datenerfassung bis zur Abrechnung. Dass die von manchen Anbietern per Strichliste geführt wird, wie unlängst unter anderem vom NDR berichtet, ist für Mitbegründer Sebastian Adamski ein Skandal. „Dass so eine Abrechnung ohne Nachfragen oder Kontrollen akzeptiert wird, ist eine Einladung für Betrüger“, sagt er. Die 33 Milliarden Euro, die der Bund für die Tests zur Verfügung stelle, seien für manche „ein lockendes Geschäft“. Hil-Care, wo am Samstag mehr als 1300 Tests allein im Zentrum auf der Lilie gemacht wurden, habe bislang keine Rückerstattung seiner Ausgaben seit der Eröffnung des Zentrums Mitte April von der KVN erhalten, hoffe aber, dass das Geld eintreffe.

Der dritte Betreiber vier kleinerer Testzentren in Hildesheim, Fethi Donma, ist für eine Nachfrage der HAZ nicht zu erreichen.

Ob so oder so: Jedes Testzentrum muss seine Zahlen täglich an den Kreis melden. Das hat die Behörde ihnen selbst schriftlich auferlegt.

Nichts als eine Fortsetzung der Unklarheiten

Dass es für die Meldung der Zahlen aus den Testzentren und für die Abrechnung keine Richtlinien seitens der KVN oder des Landes gibt, sei eine Fortsetzung der Unklarheiten, die das Testen von Anfang an begleitet haben, meint Adamski. So habe anfangs niemand gewusst, ob ein oder mehrere Tests für die Bürger pro Woche kostenlos sind. Uwe Köster, stellvertretender Pressesprecher der KVN, hatte noch im Mai gesagt, das sei nicht eindeutig zu definieren. „Grundsätzlich gilt nach wie vor, dass eine Testung pro Woche kostenfrei ist.“ Es seien aber Fälle denkbar, in denen sich Menschen „aus berechtigten Gründen mehr als einmal pro Woche testen lassen wollen“. Dann könnten sie das kostenlos tun.

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