Hildesheim - Es sind immer die kleinen Tücken, die einen aufhalten. An diesem Freitagmorgen lässt Florian Braune seinen neuen Standort zum Corona-Schnelltesten in Hildesheim aufbauen: auf dem Parkplatz des Café del Sol. Ein Ort, ideal für Berufspendler. Nur muss das Zelt erstmal stehen.
Denn so ein Gestänge zusammenzusetzen, das ist nicht einfach. Und so kämpfen die drei Männer abwechselnd mit der Bedienungsanleitung, den Stangen und Gelenkstücken. Als die das Dach zusammengesteckt haben, kommt Braune vorbeigefahren mit dem Anhänger, in dem das mobile Labor seinen Platz hat.
Start ist am Montag
Doch dort, wo es hingeschoben werden soll, parkt ein Auto – im Halteverbot. „Egal“, sagt Braune. Das neue Testzentrum seiner Hildesheimer Firma Corona Freepass startet sowieso erst am Montag, früh um 7.30 Uhr. Er rechnet mit einem Starttempo von 80 Tests pro Stunde, möglich seien aber auch 300, sagt er. Oder noch mehr. Dann muss nur noch ein weiteres Zelt aufgebaut werden. Platz genug gibt es ja. Die Gastronomie ist geschlossen.
Das kennt Roy Rehhorn. Er betreibt eigentlich die Vereinsgaststätte in der Gartenkolonie Blauer Kamp. Jetzt hilft er beim Aufbau des Testzentrums. „Ich unterstütze alles, was dazu beiträgt, dass ich bald wieder aufmachen kann“, sagt er. Einen anderen Job zu bekommen, sei für Gastwirte wie ihn kaum möglich: „Die sagen mir, du hörst sowieso wieder auf, sobald der Spuk vorbei ist.“
Testen auch in der Arneken Galerie
Doch so schnell wird der nicht vorbei sein. Dessen ist sich Florian Braune sicher. Eigentlich ist er Escape-Room-Betreiber und hat einen Lieferservice aufgebaut. Doch der eine ist geschlossen, und das andere Projekt kämpft noch mit anderen Tücken. Trotzdem baut er neben der Speicherstraße 9 nun auf dem Parkplatz am Berliner Kreisel ein Testzentrum auf, und am Mittwoch, 21. April eröffnet er ein weiteres im ehemaligen SchuhKay-Laden in der Arneken Galerie.
Auf Vorkasse. Denn die Bürgertests sind kostenlos, doch das erste Geld wird von der Kassenärztlichen Vereinigung erst in einigen Wochen fließen. „Wir sind hier für neun Wochen, dann überprüfen wir die Lage auf ein Neues“, sagt er.
Sichere Zone Hildesheim
Denn offen ist noch, ob Hildesheim wirklich als sogenannte Modellregion „Sichere Zone“ an den Start gehen kann. Die Inzidenzzahlen steigen wieder in Richtung 100 an. Auch läuft möglicherweise die Impfkampagne im Mai und Juni auf Hochtouren. Doch sicher ist das alles nicht.
Und noch eins ist nicht sicher, sagt Braune: „Wir wissen immer noch nicht, wie gut die Impfungen schützen und wie lange sie halten.“ Kann gut sein, dass die Erstgeimpften vom Anfang des Jahres eine Auffrischung brauchen oder einen Wirkstoff gegen Corona-Mutanten. „Ich glaube, dass wir noch länger diese Testmöglichkeiten brauchen“, glaubt Braune.
Direkt vor das Zelt fahren
Er glaubt, dass der Platz am Berliner Kreisel logistisch vorteilhaft ist: „Man kann ihn sehr gut erreichen.“ Entweder fährt man direkt vor das Testzelt und bleibt im Auto oder parkt und geht hinein. In beiden Fällen empfiehlt er, einen Termin zu buchen unter www.coronafreepass.de.
Den Test als Abstrich in der Nase müsse man dann aber selbst machen. Dafür ist Braune nicht von viel Personal abhängig. Nach dem Abstrich kann man wieder losfahren. Kurze Zeit später bekommt man aufs Handy das Ergebnis gesendet. Individualisiert und fälschungssicher, sagt Braune.
Keine Spucktests mehr
In der Speicherstraße 9 bietet er noch sogenannte Spucktests an. 2000 hat er noch. Sind die aufgebraucht, steigt er komplett auf die Nasentestung um. Der Spucktest habe zu vielen Falsch-Positiv-Ergebnissen geführt. Denn man müsse zwei Stunden zuvor weder geraucht, noch einen Kaffee getrunken haben. Doch, wer weiß das schon?
Neben den Zentren auf der Lilie und dem Drive-In auf dem Volksfestplatz von Hil-Care wird in Hildesheim demnächst noch ein weiteres vor dem Bahnhof entstehen. Von einem weiteren Anbieter.
