Rückkehr aus Risikogebiet

Coronatest-Schlangestehen am Airport: Müssen bald Reisende zahlen?

Hannover - Die neue Reisewarnung für fast ganz Spanien reißt viele Urlauber aus ihren Sommerträumen. Am Flughafen Hannover bilden sich vor dem Corona-Testzentrum erste Schlangen von Rückkehrern. Bleiben die Untersuchungen kostenlos?

Am Flughafen Hannover bildet sich nach der Ankunft von drei Mallorca-Flügen vor dem Corona-Testzentrum innerhalb von wenigen Minuten eine mehr als Hundert Meter lange Schlange. Foto: Ingo Rodriguez

Hannover - Niedersachsen richtet sich nach der neuerlichen Corona-Reisewarnung für die Balearen mit Mallorca und für das gesamte spanische Festland auf mehr Virustests in den kommenden Tagen ein. Am Wochenende stauten sich in Hannover-Langenhagen teils schon Urlauber vor dem Untersuchungszentrum des Flughafens, wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ (HAZ) berichtete. In den übrigen neun Zentren im Land blieb der Betrieb bisher relativ überschaubar. Reiserückkehrer aus Hildesheim müssen sich derzeit auch in Hannover testen lassen, weil das geplante Testzentrum die Arbeit noch nicht aufgenommen hat.



Der Tui-Konzern sagte Pauschalreisen aus Deutschland nach Spanien - die Kanarischen Inseln ausgenommen - zunächst bis inklusive 24. August ab. Während Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Kostenfreiheit des Tests verteidigte, sprach sich sein Parteikollege und Vize-Ministerpräsident Bernd Althusmann in der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (NOZ) dafür aus, dass bei gezieltem Ansteuern von Risikogebieten auch Touristen zur Kasse gebeten werden sollten.

Bislang kostenlos

Bislang sind die Tests auf eine Sars-Cov-2-Infektion für Rückkehrer kostenlos. In der vergangenen Woche machten in Niedersachsen vor allem eintreffende Passagiere am Airport Hannover davon Gebrauch. Dort wurden nach NDR-Informationen im Schnitt 700 bis 800 Abstriche pro Tag genommen. Am Samstag mussten laut HAZ auch etliche Passagiere nach der Ankunft von drei Mallorca-Flügen länger vor dem Testzentrum anstehen – ob dabei stets nötige Abstände eingehalten wurden, sei fraglich. Am gesamten vorigen Wochenende hatte es hier nach Angaben der Johanniter-Unfall-Hilfe rund 1100 Corona-Untersuchungen gegeben.


Jetzt kostenlos abonnieren: Die News der HAZ fürs Smartphone


Anderswo im Land war die Nachfrage nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) noch nicht so groß. Demnach gab es ungefähr 600 Prüfungen auf eine Ansteckung mit dem Erreger. Ein Fünftel der bisher positiv Getesteten habe sich zuvor im Ausland aufgehalten. Es werde damit gerechnet, dass die Zahlen nach der Rückkehr weiterer Urlauber aus Spanien aber bald steigen könnten.

Bis zur Bekanntgabe gilt Quarantäne-Pflicht

Mittlerweile ist die Online-Anmeldung zum Corona-Test möglich, auch ohne Umweg über den Hausarzt. Die Termine werden dann in einem Zeitrahmen von 72 Stunden vergeben. Das Ergebnis kann ebenfalls über das Internet abgerufen werden, die Getesteten erhalten eine E-Mail mit einem Zugangscode zur jeweiligen Webseite des bearbeitenden Labors. Bis zur Bekanntgabe gilt Quarantäne-Pflicht.

Landes-Wirtschaftsminister Althusmann sagte der NOZ zur Kostendebatte um die Tests: „Bei weiterhin hohem Infektionsrisiko weltweit sollten wir ernsthaft darüber sprechen, ob nicht diejenigen, die sich bewusst und ohne zwingenden Grund der Gefahr aussetzen und in ein ausgewiesenes Risikogebiet reisen, im Anschluss ihren Corona-Test selber bezahlen.“ Es gehe darum um Verantwortung für eigenes Handeln – kostenlose Abstriche innerhalb von drei Tagen nach der Rückkehr dürften voraussichtlich nur vorübergehend sein. Spahn hatte in den ARD-“Tagesthemen“ argumentiert, im Fall einer Kostenbeteiligung oder -übertragung würden Reisende die Tests möglicherweise ganz scheuen.

30.000 deutsche Pauschaltouristen auf den Balearen

Dem Deutschen Reiseverband (DRV) zufolge hielten sich Anfang des Wochenendes rund 30 000 deutsche Pauschaltouristen auf den Balearen auf. Alle Veranstalter dürften in den kommenden Tagen geplante Reisen dorthin absagen, hieß es. Tui hatte etwa am Freitagabend angekündigt, ab Samstag alle Pauschalreisen nach Spanien mit Ausnahme der Kanaren zu streichen. Tui-Deutschland-Chef Marek Andryszak sagte «Bild»: «Wir bedauern, dass Deutschland eine Reisewarnung für fast ganz Spanien ausgesprochen hat statt für regional betroffene Orte der Insel.»

Laut Sozialministerium in Hannover wurden in Niedersachsen bis zum Sonntagmorgen insgesamt 15 399 Corona-Fälle bestätigt. Die Zahl der Genesenen liegt inzwischen bei 13 716, die der Gestorbenen bei 656. Kein Kreis ist über der kritischen Schwelle von 50 Infizierten pro 100 000 Einwohner über sieben Tage. Die höchsten Werte verzeichnen hierbei Oldenburg (16,8), Cloppenburg (16,4) und Vechta (15,4) - in Schlachtbetrieben der Region hatte es jüngst häufiger Fälle gegeben.

„Corona-Prämie“ für Mitarbeiter

Nach einem NDR-Bericht hat sich ein weiterer Corona-Verdacht in einem Pflegeheim nicht bestätigt. Demnach zeigte sich beim Durchtesten von 46 Bewohnerinnen und Bewohnern eines Heims in Walsrode kein positiver Fall, nachdem sich einige Angestellte zuvor angesteckt haben sollen. In der neuen Woche soll es hier weitere Tests geben.

Etwa ein Drittel der Pflegeeinrichtungen und -dienstleister in Niedersachsen hat nach Angaben des Senders mittlerweile die „Corona-Prämie“ für Mitarbeiter beantragt. Bund und Land stellen bis zu 1500 Euro je Beschäftigten bereit. Es gibt Kritik, dass sich eine solche finanzielle Anerkennung nicht auch ans Klinikpersonal richtet.

Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.

Weitere Artikel