Alfeld - Wenn der dann voraussichtlich größte Batteriespeicher Europas bei Alfeld in rund zwei Jahren in Betrieb geht, übernimmt ihn der dänische Photovoltaik-Riese Obton, der das Projekt auch finanzieren soll. Das hat der Projektentwickler, das Münchner Unternehmen Kyon Energy, jetzt angekündigt.
Noch größer in Lamspringe?
Kyon plant westlich des Ortsteils Limmer nahe des dortigen Umspannwerks eine Batteriespeicher-Anlage von bislang in Europa ungekannten Ausmaßen. Sie soll 275 Megawattstunden Strom speichern können. Rechnerisch wäre das genug, um eine Million Haushalte eine Stunde lang zu versorgen – oder gut 40.000 Haushalte 24 Stunden lang. Die Stadt Alfeld hat bereits die Baugenehmigung erteilt.
Die Anlage soll um 50 Prozent mehr Kapazität bekommen als der derzeit größte Batteriespeicher Europas in Großbritannien. Im Landkreis ist indes sogar eine noch größerer Batteriespeicher geplant: Das Hildesheimer Unternehmen Nion will bei Lamspringe eine Anlage mit einer Kapazität von 300 Megawattstunden errichten.
Obton bekommt noch mehr
Batteriespeicher gelten neben dem Aufbau einer Wasserstoff-Wirtschaft als Kernelement der Energiewende. Wird durch Wind, Photovoltaik und andere erneuerbare Energiequellen mehr Strom erzeugt, als das Netz aufnehmen kann – was mit dem Ausbau der regenerativen Stromerzeugung zunehmend häufiger der Fall ist – können Batteriespeicher einen Teil davon aufnehmen. Und ihn wieder ins Netz abgeben, wenn die Erneuerbaren den Bedarf nicht decken können.
Das Alfelder Vorhaben ist dabei nur ein Teil eines größeren Deals zwischen Projektentwickler Kyon und dem späteren Betreiber Obton. Beide Unternehmen haben einen Rahmenvertrag unterschrieben, wonach die Dänen innerhalb von drei Jahren Batterieprojekte mit einer Gesamt-Speicherkapazität von 1200 Megawattstunden von Kyon übernehmen wollen. Neben der in Alfeld geplanten Anlage übernimmt Obton auch ein Vorhaben bei Tangermünde (Sachsen-Anhalt) und eins bei Karstädt (Brandenburg), die beide allerdings nur Bruchteile der Alfelder Kapazität aufweisen.
Klare Arbeitsteilung
Wie viel Geld das Projekt in Alfeld allein kostet, sagt Kyon Energy bislang nicht. Alle mit Obton zusammen geplanten Vorhaben zusammen sollen nach Angaben des Unternehmens allerdings „einen hohen dreistelligen Millionenbetrag“ wert sein – das Alfelder Vorhaben allein dürfte sich also im unteren dreistelligen Millionenbereich bewegen.
Die Arbeitsteilung zwischen Kyon und Obton ist dabei nach Angaben des Münchner Unternehmens in den nächsten Jahren wie folgt: „Kyon Energy übernimmt die gesamte Projektierung der Batteriespeicherprojekte, inklusive der Standortentwicklung und der Netzanschlussplanung, der Baurechtsentwicklung, und der Layoutauslegung. Die Entwicklung des Geschäftsmodells, und die Generalunternehmerschaft bis hin zur schlüsselfertigen Inbetriebnahme der Batteriespeicher werden die Parteien gemeinsam abwickeln. Obton bringt zusätzlich die Finanzierung der Projekte und den Betrieb der fertiggestellten Batteriespeicher in die Partnerschaft ein.“
Photovoltaik in rauen Mengen
Das dänische Unternehmen Obton mit Sitz in Aarhus hat nach eigenen Angaben seit dem Jahr 2009 rund 1500 Photovoltaik-Projekte realisiert und unterhält Anlagen in verschiedenen europäischen Ländern sowie unter anderem in Japan mit insgesamt 1728 MegawattPeak. Das bedeutet eine jährliche Produktion von rund 1,7 Milliarden Kilowattstunden Strom – rechnerisch der Bedarf von knapp 500.000 durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalten.
