Hildesheim - Der geplante Großbatterie-Speicher bei Lamspringe soll noch größer werden als bislang geplant. Das hat das Hildesheimer Unternehmen Nion auf HAZ-Anfrage erklärt. Zuvor hatte die Firma öffentlich gemacht, dass sie hinter dem Vorhaben im südlichen Landkreis Hildesheim steckt – und zugleich weitere Projekte dieser Art im Landkreis Hildesheim, aber auch in anderen Bundesländern angekündigt.
Windkraft bei Hohenhameln
Das Unternehmen hat seinen Sitz an der Bavenstedter Hauptstraße und wurde erst in diesem Jahr gegründet. Die Firma betont aber, dass die Verantwortlichen zum Teil bereits langjährige Erfahrung im Bereich der Erneuerbaren Energien haben. Das trifft unter anderem auf den Gründungs-Gesellschafter und Aufsichtsrats-Vorsitzenden Alexander Lüntzel zu.
Der in Hildesheim aufgewachsene Unternehmer hat meiner seiner Firma LWP Energy unter anderem mehrere Windkraft-Projekte realisiert, unter anderem bei Mehrum und Clauen, ist mit seinem Unternehmen allerdings vor einigen Jahren von Hildesheim nach Hamburg umgezogen.
Speicher für volatile Energie
Nion ist nach eigenen Angaben aus der Idee heraus entstanden, „innovative Energieprojekte, zum Beispiel Windenergie in Kombination mit Batteriespeicher- oder Wasserstoffprojekten oder eigenständigen Batteriespeichern zur Netzentlastung zu entwickeln“, erklärte die Firma gegenüber der HAZ.
Die Gründer reagieren damit auf ein wachsendes Problem im Rahmen der Energiewende – nämlich das, dass Strom aus erneuerbaren Energiequellen wie Wind und Sonne wetter- und jahreszeitenabhängig produziert wird. Das führt bislang oft dazu, dass Windräder oder Solarparks vom Netz genommen werden. Dieser Effekt dürfte angesichts des Zubaus von Windkraft und Photovoltaik noch häufiger eintreten – wenn nicht massive Speicherkapazitäten geschaffen werden.
Nahe an Wahle-Mecklar
Hier setzt Nion an. Die Entscheidung für den Standort Hildesheim fiel dabei nach eigenen Angaben nicht zuletzt deshalb, weil der Landkreis „aufgrund des Stromtrassenverlaufs für die Energiewende eine übergeordnete Bedeutung hat“. Tatsächlich verlaufen mit Wahle-Mecklar und Südlink künftig wichtige Adern des deutschen Stromnetzes durch die Region, wobei es bei Südlink keine lokalen Anschlussmöglichkeiten wie bei Wahle-Mecklar in Lamspringe gibt. Das Projekt in Lamspringe, das in seiner Planung das am weitesten fortgeschrittene in der Region ist, ist deshalb nahe dem Umspannwerk im Zuge der Höchstspannungsleitung Wahle-Mecklar vorgesehen.
Es soll indes etwas größer werden als zunächst vorgesehen. Die Leistung soll statt 130 nun 150 Megawatt betragen, die Speicherkapazität von 250 auf 300 Megawattstunden steigen. Die Großbatterien komplett aufzuladen oder zu entladen ist in jeweils rund zwei Stunden möglich, Nion rechnet mit etwa 500 Ladezyklen pro Jahr. Das würde aufs Jahr eine Kapazität von 150 Millionen Kilowattstunden Strom bringen. Das entspricht grob der Jahresproduktion von acht bis neun modernen Riesen-Windrädern und dem Strombedarf von knapp 50000 Durchschnitts-Haushalten.
Vollständig finanziert
Insgesamt plant Nion nach eigenen Angaben Großbatteriespeicher mit einer Gesamtleistung von einem Gigawatt (1000 Megawatt) und in dem Zuge Investitionen von mehr als einer halben Milliarde Euro. Einige davon sollen entlang der Trasse Wahle-Mecklar entstehen, aber nicht alle. Wo genau sie vorgesehen sind, will das Unternehmen sagen, „wenn der gleiche Stand im Verfahren erreicht ist wie aktuell bei Lamspringe“. Geplant sind Projekte in Niedersachsen, Hamburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt.
„Um diese Investitionen zu gewährleisten, hat Nion strategische Partnerschaften mit Unternehmen aus dem Industrie- und Technologiesektor sowie anderen professionellen Investoren geschlossen“, erklärt das Unternehmen und betont: Die für die Region vorgesehenen Batterieprojekte sind durch die Investoren bereits vollständig finanziert.“
Top-Schachspieler als Chef
Zudem verweist die Firma darauf, dass ihre Gesellschafter den Umgang mit großen Summen bereits gewohnt sind: So habe Gründungsgesellschafter Lüntzel mit seinen Hamburger Unternehmen „mehrere Wind- und Solarprojekte im Megawattbereich realisiert und für Investoren internationale Energieprojekte mit einem Volumen von mehr als 2 Milliarden Euro von der Planungs-bis zur Betriebsphase begleitet.“
Geschäftsführer von Nion ist ein Mann, dem strategisches Denken kaum fremd sein dürfte: Der Braunschweiger Jurist Nikolas Lubbe darf den Titel eines Internationalen Schachmeisters führen, betreibt mit Partnern die Online-Plattform „Chessemy“ für Schachspieler und hat in seiner Laufbahn schon einmal dem Schach-Vizeweltmeister von 2018, dem US-Amerikaner Francisco Caruana, ein Unentschieden abgerungen – und zwar gerade einmal ein Jahr vor Caruanas WM-Finale gegen den Norweger Magnus Carlsen. Er verfügt aber auch über „einschlägige Erfahrung und hohe fachliche Expertise im Energiesektor“, versichert Nion.
