Archäologen entdecken Skelette, aber kaum Mauerreste

Dammstraße: Arbeiten in Hildesheim laufen gerade schneller als gedacht

Hildesheim - In Sachen Dammstraße gab es in den vergangenen Monaten oft die Nachricht, die Arbeiten verzögerten sich wegen unvorhergesehener Ereignisse. Nun gibt es rund um die historische Brücke auch mal eine andere Botschaft.

Oben ist die freigelegte Südseite der historischen Brücke in der Dammstraße in Hildesheim zu sehen. Unten wächst auf deren Nordseite ein Graben in Richtung Moritzberg: In ihm soll das Fundament für die Betonplatte entstehen, die das Bauwerk versiegeln soll. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Diese Nachricht schmeckte manchem CDU-Politiker gar nicht: Über Monate hatte das Baudezernat die Hoffnung genährt, die Dammstraße könnte noch bis Weihnachten wieder befahrbar sein – doch dann verabschiedete sich die Verwaltung jüngst nicht nur von dieser Prognose, sondern erklärte zudem, vorläufig gar keinen Freigabe-Termin mehr zu nennen. Denn bei den Arbeiten rund um die Versiegelung der 850 Jahre alte Brücke seien noch zu viele Fragen offen, gebe es zu viele Unwägbarkeiten.

Das zeigt sich dieser Tage einmal mehr. Diesmal jedoch sind es mit Blick auf den Baufortschritt gute Nachrichten: Die Arbeiten an dem Graben nördlich der Brücke, in dem das Fundament für deren Versiegelung durch eine Betonplatte stehen soll, gehen schneller voran als gedacht.

Der Graben soll zwei Meter breit, fünf Meter tief und 30 Meter lang werden. Er wächst jeweils in Fünf-Meter-Abschnitten – so genannten „Verbaukästen“. Doch gleich das Ausheben des ersten Kastens, der nahe der Mauer des früheren Johannis-Hospitals liegt, hatte sich über vier Wochen hingezogen.

Viele Mauerreste im Boden – da dauerte das Ausheben des ersten Grabenabschnitts in der Dammstraße

Denn in der Erde steckten Reste etlicher Bauwerke, die einst in dem Bereich standen. Die Archäologen, die den Einsatz begleiten, dokumentierten die Funde zwar, stuften sie aber als nicht besonders bedeutend ein. Gleichwohl dauerte es, die Grube komplett auszuschachten.

Und so hielt sich Stefan Keck bei der Frage, wie lange man wohl für den zweiten Abschnitt brauche, mit einer Vorhersage zurück: Das lasse sich angesichts der Erfahrungen beim Auftakt nicht seriös einschätzen, sagte der Mann der Firma BN Umwelt GmbH, der das Vorhaben in der Dammstraße koordiniert, Anfang November der HAZ.

Tatsächlich ist der zweite Kasten bereits jetzt, nur zwei Wochen nach dem Start der Arbeiten, fast fertig. Denn diesmal stießen die Archäologen nur auf wenige Mauerreste, allerdings auf umso mehr Skelette. Im ersten Grabenabschnitt waren lediglich Überreste zweier Menschen entdeckt worden. Im zweiten Stück befanden sich zehn Skelette – fast alle gut erhalten, manche umgeben von Holzresten, die von Särgen stammen dürften.

Ehemalige Hospital-Bewohner oder früherer Johannis-Friedhof? Rund um den neuen Abwasserkanal sind inzwischen 60 Skelette gefunden worden

Die Archäologen hatten mit derartigen Funden gerechnet: Bereits beim Bau des neuen Kanals in unmittelbarer Nähe, bei dem die Brücke unter der Dammstraße entdeckt wurde, waren 47 Skelette geborgen worden. Die Gebeine stammen vermutlich aus dem Mittelalter. Ob sie in Verbindung mit dem früheren Johannis-Hospital stehen oder einem Friedhof der einstigen Johannis-Kirche gegenüber zuzuordnen sind, ist unklar.

Doch was heißt die Entwicklung nun für den Zeitplan insgesamt? Es sei leichter, Skelette zu bergen als Steine zu entfernen, sagt Keck. Doch ansonsten will er sich nicht festlegen – und kann es auch nicht: Schließlich muss allein der Fundamentgraben noch um weitere 20 Meter wachsen, außerdem unter anderem der Torbogen der Hospital-Mauer und ein Teil dieser selbst abgetragen werden – erst ganz am Ende können der Einbau der Betonplatte und die Wiederherstellung der Fahrbahn folgen.

Braucht es ein Zelt als Wetterschutz? Hildesheimer Rat entscheidet am Montag

Damit die Arbeiten im Winter nicht durch Nässe, Kälte und Frost ausgebremst werden, möchten CDU, Unabhängige und FDP die Stadtverwaltung am Montag vom Rat beauftragen lassen, „die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen“. Erdinc Parlak von den Unabhängigen denkt unter anderem an ein Zelt über der Baugrube. „Auch als Zeichen an die Bevölkerung dafür, dass die Stadt alles unternimmt, damit es keine Verzögerungen gibt.“

Die Verwaltung ist allerdings gegen ein Zelt: Ein solches würde die Baggerarbeiten nur behindern – die Mehrheitsgruppe aus SPD/Grünen und der PARTEI sieht das genauso und will den Antrag ablehnen. Die Stadt tue bereits jetzt alles dafür, dass es schnell vorangehen, sagt SPD-Chef Stephan Lenz. Auch auf der Baustelle wird keine Notwendigkeit für einen zusätzlichen Schutz gesehen, der über die vorhandenen Maßnahmen hinausgeht.

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