Hildesheim - In der Dammstraße laufen die Vorbereitungen für das Einsetzen der Betonplatte, mit der die Stadt die 850 Jahre alte Brücke im Boden schützen will. Die Arbeiten kommen allerdings nur zäh voran, zudem gibt es Unwägbarkeiten. Und so könnte es bis Mitte nächsten Jahres dauern, bis der Verkehr auf der Straße wieder fließen kann.
Wer dieser Tage einen Blick auf die Baustelle wirft, sieht direkt an der Außenmauer des ehemaligen Johannis-Hospitals eine etwa fünf Meter tiefe, ebenso lange und rund zwei Meter breite Grube, an den Seiten mit Stahlelementen gesichert. Sie ist der erste Abschnitt eines 30 Meter langen Grabens für das Fundament, auf dem später einmal die Betonplatte liegen soll. Doch bis diese eingebracht ist und darauf die neue Fahrbahn entsteht, werden noch Monate vergehen.
Wann ist die neue Fahrbahnin der Dammstraße fertig?
Wie viele genau? Da will sich Bauingenieur Stefan Keck von der Firma BN Umwelt GmbH, der die Arbeiten koordiniert, nicht festlegen. Doch schon das Anlegen dieses ersten Grubenabschnitts hat vier Wochen gedauert – und es sollen allein in Richtung Moritzberg weitere 15 Meter folgen. Laufe es gut, ließen sich wohl noch zehn Meter bis zum Jahresende schaffen, schätzt Keck.
Der Zeitplan könnte allerdings ins Trudeln gekommen: Wenn das Wetter nicht mitspielt und der Boden zu stark gefroren ist – und wenn zu viele Spuren der Vergangenheit in der Erde stecken. Davon gibt es auf dieser Seite der Brücke reichlich. Beim Ausheben des ersten Abschnitts für den Fundamentgraben hatten die Archäologen, die alle Entdeckungen dokumentieren, zahlreiche Mauerreste ausgemacht; in vier Meter stießen sie sogar auf zwei Skelette aus dem Mittelalter. Die Funddichte in dem Bereich ist so groß, dass die Experten große Mühe hatten, überhaupt die Nordkante der historischen Brücke zu identifizieren. Die Grube für das Betonplattenfundament entsteht deshalb nun einen Dreiviertelmeter nördlich des historischen Bauwerks, um dieses nicht versehentlich zu beschädigen.
Mauer des einstigen Johannishospitals steht im Weg
Doch der Graben für das Fundament der Betonplatte muss auch in Richtung Innenstadt fortgesetzt werden, also östlich der Hospitalmauer – dort etwa auf einer Länge von zehn Metern. Den Arbeiten stehen ein Teil der denkmalgeschützten Mauer und der daran 1972 angefügte Brückenbogen im Weg, der den Bürgersteig überspannt. Keck hat sich mit der Denkmalpflege darauf verständigt, den Bogen und einen Teil der Mauer Stein für Stein abtragen und später wieder aufbauen zu lassen. Den Antrag dazu wollte er gemeinsam mit jenem für das Einbringen der Betonplatte noch am Montag bei der Stadt vorlegen.
Der Abbau des Bogens und der Mauer dürfte sich über drei bis vier Monate hinziehen; Keck hat sich bei einem Steinmetz-Fachbetrieb nach dem zeitlichen Aufwand erkundigt. Erst wenn das Hindernis abgetragen ist, können die Bauarbeiter den Graben für das Fundament der Betonplatte auch nach Osten verlängern. Für den Bau des Brückendeckels und die Wiederherstellung der Fahrbahn in der Dammstraße sind weitere drei Monate kalkuliert.
Die Stadt hatte ursprünglich eine Freigabe der Straße noch in diesem Jahr in Aussicht gestellt. Ende September hatte die Verwaltung jedoch eingeräumt, dass daraus nichts wird. Wann der Verkehr tatsächlich wieder fließen kann, lässt sich nach Einschätzung aller beteiligten Experten derzeit überhaupt nicht absehen.
Stadt berichtet am Mittwoch im Ausschuss über Stand der Arbeiten
Die Verwaltung berichtet am Mittwoch im Ausschuss für Stadtentwicklung über den Stand der Dinge; das Thema steht dort seit einigen Monaten auf Antrag der CDU in jeder Sitzung auf der Tagesordnung. In der nächsten Woche sind in der Dammstraße weitere Vermessungsarbeiten vorgesehen; sie dienen dazu, die Dimension der Betonplatte festzulegen. Davon ist auch abhängig, bis zu welcher Höhe der Fundamentgraben mit Kies angefüllt wird.
