Hildesheim - Der Rat beschließt am Montag aller Voraussicht nach, die historische Brücke unter der Dammstraße zu versiegeln und damit wieder im Boden verschwinden zu lassen. Doch würde dieses Vorgehen überhaupt von den Aufsichtsbehörden in Sachen Denkmalschutz genehmigt werden?
Noch gebe es ja gar keinen Beschluss oder entsprechenden Antrag der Stadt, sagt Dr. Markus C. Blaich. Er ist Referent für Mittelalterarchäologie und Bauforschung im Landesamt für Denkmalpflege sowie stellvertretender Leiter der Abteilung Archäologie dort. Die Stadt habe ihm allerdings ihre Überlegungen „skizziert“, berichtet Blaich. Er könne und dürfe einer Prüfung des späteren Antrags natürlich nicht vorgreifen, betont der Mann vom Landesamt – zumal die letzte Entscheidung ohnehin beim Ministerium für Wissenschaft und Kultur liege. Doch wenn die Stadt ihr Vorhaben statisch gut kalkuliert und dieses denkmalverträglich sei (also die Brücke nicht beeinträchtigt), spricht nach Einschätzung Blaichs nichts Grundsätzliches gegen den Plan.
Bauforscher der TU Braunschweig rätseln über Entstehung der Brücke
Bei dessen Details spielen auch die Erkenntnisse des Institutes für Bauforschung der Technischen Universität Braunschweig eine Rolle – zum Beispiel, wie breit und wie lang die Brücke ist. Ein Team der Hochschule ist seit einigen Wochen unter anderem dabei, die Brücke zu vermessen. Außerdem versuchen die Experten aus Braunschweig herauszufinden, wie deren Erbauer vorgegangen sind.
Doch gerade die Bautechnik gebe den Mitarbeitern und Studenten, die in der Dammstraße beschäftigt sind, noch Rätsel auf, sagt Institutsleiterin Professorin Dr. Ulrike Fauerbach. So ließen sich an den Steinen nicht jene Spuren erkennen, die beim Versatz derart großer Blöcke normalerweise zu erwarten seien. Einige Steine zeigten Schäden, die durch Druck von oben entstanden sein könnten. Aber es lasse sich noch nichts über die genaue Ursache oder den Zeitpunkt der Schädigung sagen.
Das TU-Team war bislang zehnmal an der Brücke im Einsatz, Fauerbach rechnet mit etwa fünf bis sechs weiteren Terminen. Wenn die rechnerische Auswertung der Daten reibungslos laufe, könne das Institut seine Arbeit vor Ort Mitte Juli abschließen. Danach stehe die inhaltliche Auswertung und Einordnung der Daten an, erklärt Fauerbach. Erst dann lässt sich sagen, ob die Stadt ihren Plan zur Versiegelung der Brücke noch umschmeißen muss – die Verwaltung hat mit Blick darauf in ihrer Vorlage für den Ratsbeschluss extra eine Vorbehaltsklausel untergebracht. Für den 17. Juli kündigt Fauerbach den Besuch ägyptischer Archäologen und Restauratorinnen in der Dammstraße an: Man wolle ihnen am Beispiel der Hildesheimer Brücke die Prinzipien moderner Bauforschung erläutern.
Online-Anmeldung für Besichtigungen wieder möglich
Die Stadt hat derweil die Online-Anmeldung für Besichtigungen des Bauwerks wieder freigeschaltet: Wegen des großen Interesses hatte die Verwaltung zuletzt einen Stopp verhängt und nur die Bürger berücksichtigt, die auf der Warteliste standen. Diese ist nun abgearbeitet; für die nächsten Führungen am 29. Juni und 6. Juli – an beiden Tagen gibt es jeweils zwei Termine – sind wieder Anmeldungen unter der Adresse https://www.stadt-hildesheim.de/dammstrasse möglich.
