Das Bauwerk auf einen Blick

Einmalige Einblicke in die Baugrube der Dammstraßen-Brücke in Hildesheim – und dann kommen die Experten zu Wort

Hildesheim - Vor einem Jahr ist unter der Dammstraße in Hildesheim eine Brücke aus dem Mittelalter entdeckt worden, seitdem ist die Fahrbahn gesperrt. Nun stehen Experten-Anhörungen an, als Basis für das weitere Vorgehen – und die HAZ zeigt erstmalig eine grafische Übersicht der Baustelle.

Der Blick von oben auf den Grabungsschacht in der Dammstraße in Hildesheim – rechts ist die Innerste zu sehen. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Die Archäologen brauchen noch zwei Meter, dann haben sie es geschafft: Seit November dokumentiert die Grabungsfirma Archaeofirm die Südseite der 850 Jahre alten Steinbrücke unter der Dammstraße. Abschnitt für Abschnitt, Bogen für Bogen, haben die Experten all das, was von dem etwa 30 Meter langen Bauwerk übrig ist, gezeichnet, gemessen und fotografiert.

Doch wie es mit der Brücke weitergeht, ist auch ein Jahr nach ihrer Entdeckung bei Kanalbauarbeiten unklar. Wie muss ein angemessener Umgang mit dem Bauwerk aussehen, der dessen Bedeutung als einzig erhaltenen mittelalterlichen Steinbrücke in Norddeutschland gerecht wird? Stehen die Ideen und Wünsche dazu im Einklang mit dem Denkmalschutzgesetz? Und welche Folgen hätte es für die Verkehrsführung, wenn die Brücke – in Teilen oder ganz – sichtbar und zugänglich gemacht würde? Ließen sich dauerhafte Einschränkungen in der Dammstraße verkraften?

Das Bauwerk aus Richtung Süden

Die folgende Grafik ist die erste, die das historische Bauwerk unter der Dammstraße auf einen Blick zeigt, aus Richtung Süden gesehen: Stadtarchäologe Christoph Salzmann hat sie auf Basis dreier Zeichnungen erstellt, die von Mitarbeitern der Grabungsfirma Archaeofirm in den vergangenen Monaten angefertigt worden sind. Die Schriftenreihe „Archäologie in Niedersachsen“ veröffentlicht voraussichtlich im Sommer einen Fachbeitrag Salzmanns über die Dammstraßen-Brücke; die Grafik soll diesen – zusammen mit Fotos – illustrieren. Hinweis: Der erste entdeckte Brückenbogen lag zwar ganz im Westen, die Freilegung und Dokumentation der übrigen Bögen verlief dann aber von Ost nach West.

Hildesheimer Stadtrat will im Juni entscheiden, wie es weitergeht

Antworten auf diese und weitere Fragen erhofft sich der Stadtrat, der im Juni über das weitere Vorgehen entscheiden will, von zwei Expertenanhörungen: Die erste steigt am Freitag, 5. Mai, ab 17 Uhr zum Thema Archäologie; die zweite am Sonnabend, 6. Mai, ab 15 Uhr zum Thema Verkehr. Wer vor Ort im Rathaus teilnehmen will, muss sich hier anmelden. Für Freitag gab es am Mittwoch noch 20 Plätze, für Samstag 50. Beide Veranstaltungen sind auch über das Internet zu verfolgen.

Nach Angaben der Stadt gibt es zur Einleitung jeweils Vorträge, danach reden die Experten auf dem Podium miteinander. Anschließend können die Zuhörer im Ratssaal Fragen stellen. Die Stadtverwaltung will bei der Gelegenheit ihre Überlegungen für eine Behelfsbrücke von der Johannisstraße zur Dammstraße vorstellen – sie könnte als Provisorium dienen, wenn die Fahrbahn noch länger gesperrt bliebe. Das dürfte unter anderem davon abhängen, ob auch die Nordseite der Brücke freigelegt und dokumentiert wird.

Ministerium sagt seine Teilnahme ab: Zu früh für Mitwirkung?

Bei solchen und ähnlichen Fragen werden wohl auch das Landesamt für Denkmalpflege und/oder das Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) mitreden. Das Landesamt ist mit Dr. Markus C. Blaich beim Archäologie-Symposium vertreten, vom MWK war Dr. Jobst Graf von Wintzingerode eingeladen worden. Doch er hat abgesagt: Das Ministerium sehe für sich zum jetzigen Zeitpunkt innerhalb einer öffentlichen und politischen Diskussion noch keine Rolle, sagte Rathaussprecher Helge Miethe. Das MWK ließ eine HAZ-Anfrage dazu unbeantwortet.

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