Hildesheim - Monatelang hatte die Stadtverwaltung erklärt, sie halte es für möglich, die Dammstraße noch in diesem Jahr wieder herstellen und freigeben zu können. Nun ist das Baudezernat erstmals öffentlich von dieser Position abgerückt: Die Ankündigung, bis Weihnachten fertig zu sein, scheine nicht zu halten sein, erklärte Tiefbau-Fachbereichschef Kai-Uwe Hauck am Mittwochabend im Ausschuss für Stadtentwicklung.
Noch in der vorherigen Sitzung hatte die Verwaltung versichert, den Termin erreichen zu können – jedenfalls, wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischen komme. Doch das ist passiert. So gestaltete sich die Suche nach der Nordkante der 850 Jahre alten Brücke, die unter der Dammstraße liegt, schwieriger als von den Experten erwartet. Erst am Mittwoch, kurz vor dem Ausschuss, herrschte darüber Klarheit. Doch warum nur?
Vom Ausmaß der Brücke unter der Dammstraße hängt viel ab
Zum einen, weil die Nordseite der Brücke in einem viel schlechteren Zustand ist als die Südseite. Außerdem ist die Nordseite in den vergangenen Jahrhunderten vielfach überbaut worden. Die Abmessungen der Brücke sind Voraussetzung dafür, die Maße und die Art der Gründung der Betonplatte festzulegen, die sie in Zukunft abdecken soll. Erst wenn das alles feststehe, lasse sich der Bauzeitenplan aufstellen, sagte Hauck im Ausschuss. Und versprach: Die nächsten vier Wochen brächten Aufschluss.
Für die eigentlichen Arbeiten zur Wiederherstellung der Fahrbahn, die dann folgen sollen, veranschlagt die Stadt drei Monate. Was bedeutet: Der Weihnachtstermin ist geplatzt. Zumal nun auch die Verwaltung bei den aktuellen Arbeiten in der Dammstraße angesichts ihrer Erfahrungen dort mit weiteren archäologischen Funden rechnet. Derzeit entsteht parallel zur historischen Brücke ein 30 Meter langer und bis zu zwei Meter tiefer Schlitz, der später auch der Gründung der Betonplatte dienen soll.
CDU-Fraktionschef Dennis Münter reagierte ungehalten auf Haucks Vortrag. Die Stadt habe doch vor vier Wochen noch etwas anderes gesagt, monierte er. Außerdem ließ Münter Zweifel durchblicken, ob die Verwaltung, wie vom Rat gewünscht, wirklich alles tue, um die Dammstraße schnell freizugeben. Das tue man, versicherten unisono Stadtbaurätin Andrea Döring, Fachbereichsleiter Hauck und Jens Knackstedt, der die Bauaufsicht leitet. Alle drei wiesen auf die Unwägbarkeiten in der Dammstraße hin. Und die seien nicht vorbei, betonte Knackstedt: „Wir können nur hoffen, nicht so viel Archäologie zu finden, dass wir nicht auch die komplette Nordseite der Brücke freilegen müssen.“ Man habe sich dort extra nur für kleine Eingriffe entschieden.
Wird bei der Stadt geschludert? Nein, meint Rita Weber (SPD)
Ausschussvorsitzende Rita Weber nahm die Verwaltung in Schutz: Sie habe nicht den Eindruck, dass geschludert werde, sagte die SPD-Politikerin. Wichtig sei, dass in der Dammstraße sorgfältig gearbeitet werde – auch wenn es dann vielleicht drei Monate länger dauere.
Stadt glaubt nicht mehr an Weihnachten – na endlich
Nun sieht auch die Stadt ein, dass die Öffnung der Dammstraße zu Weihnachten nicht zu schaffen sein dürfte – daran so lange festzuhalten, war falsch. Dass CDU-Chef Münter sich über diesen Kurs ärgert, ist verständlich, mit seiner sonstigen Kritik liegt er daneben. Ja, anfangs hakte es in der Dammstraße. Doch nun ziehen Stadt, SEHI, Archäologen und andere Beteiligte an einem Strang. Das ist eine gute Nachricht mit Blick auf alles, was ansteht.

