Hildesheim - Die Stadtverwaltung hat einen Vorschlag zum weiteren Umgang mit der 850 Jahre alten Brücke unter der Dammstraße vorgelegt: Danach soll der Rat im Mai oder Juni festlegen, ob die Fahrbahn möglichst schnell wieder hergestellt werden soll – was mit der Zerstörung der Brücke einherginge – oder ob weitergehende Untersuchungen folgen, wie sich das Bauwerk erhalten ließe und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden könnte.
Die Zeit bis zu dem Ratsbeschluss will Baudezernentin Andrea Döring für eine Podiumsdiskussion mit Experten nutzen und auch dazu, um die Meinung der Bürger einzuholen – vorausgesetzt, der Rat und der Ortsrat Stadtmitte/Neustadt stimmen dem Kurs der Dezernentin in einer Sitzung am 20. Februar zu: „Wir müssen die Stadtgesellschaft einbinden.“ Klar ist: Selbst bei der schnellsten Lösung bleibt die Straße mindestens bis Juni gesperrt. Bis zur Umsetzung anderer Ideen könnten bis zu sechs Jahre vergehen.
Baudezernentin Andrea Döring stellt fünf Varianten vor
Das Rathaus hat fünf Varianten entwickelt. Die erste entspricht dem ursprünglichen Plan der Stadt, sie ist mit zwei Millionen Euro die günstigste. Dabei würden die Hohlräume verfüllt, die durch die Brücke entstehen, diese zum Teil abgetragen und die Straße schnell wieder hergestellt. Die Kosten enthalten auch einen Ansatz für eine Ausstellung in der Umgebung.
Bei Variante zwei bliebe die Südseite der Brücke erhalten und würde zugänglich gemacht, der Verkehr würde künftig nur noch einspurig stadtauswärts durch die Dammstraße fließen. Die Kosten gibt die Verwaltung mit elf Millionen Euro an.
Variante drei sieht die dauerhafte Sperrung der Dammstraße für den motorisierten Verkehr vor, Radfahrer und Fußgänger würden eventuell die (dann restaurierte) historische Brüche nutzen können. „Das ist die radikalste Lösung“, sagte Döring in einem Pressegespräch am Dienstag. Variante vier ist der Bau einer neuen Brücke über der historischen, sie entspricht einem Vorschlag der Altstadt Gilde (die HAZ berichtete). Die Stadt gibt die Kosten mit 15 Millionen Euro an. Bei der fünften Variante (16 Millionen Euro) würde ein Pavillon über der historischen Brücke entstehen, die Dammstraße würde nach Süden verschwenkt, was eine Erweiterung der Innerstebrücke nötig machte. Die Idee stammt von Kay Wedde, der bei der Grabungsfirma arbeitet, die die Brücke freilegt.
Stadtbaurätin weist auf Folgen hin: Anderes bliebe liegen
Sämtliche Kostenansätze seien allerdings – abgesehen von der ersten Variante – nur „Ideen“, betonte Döring. Zudem seien jeweils viele weitere Fragen offen. Technische, vor allem aber zu den Folgen für den Verkehr und den Zeitaufwand. Um all das und andere Details zu klären, seien weitergehende Untersuchungen nötig. „Das Thema geht nicht einfach schnell, wie manche in den Sozialen Medien und in Leserbriefen meinen“, erklärte die Dezernentin. Die wies zudem auf weitere Konsequenzen hin, falls sich der Rat gegen die schnelle Lösung und für weitere Untersuchungen entscheide. Diese dauerten ein Jahr und kosteten 150 000 Euro, „das Geld steht nicht im Haushalt.“ Das gelte erst recht für die großen Beträge, die bei der Umsetzung jener Varianten anfielen, die auf den Erhalt der Brücke zielten. Zudem binde allein die Untersuchung so viel Personal, dass andere Aufgaben liegenbleiben müssten – zum Beispiel die Sanierung der Neustadt. „Ich möchte, dass dem Rat das alles bewusst ist.
Döring will die Hildesheimer auf jeden Fall zu Wort kommen lassen
Auf die Frage, zu welcher Variante sie tendiere, antwortete Döring: „Das ist schwierig.“ Doch es gehe jetzt auch noch gar nicht um konkrete Varianten, sondern zunächst einmal darum, den weiteren Weg festzulegen. Doch warum will die Verwaltung dem Rat nicht schon am 20. Februar vorschlagen, auf weitere Erkundigungen zu verzichten? „Weil wir möchten, dass die Bürger zu Wort kommen“, sagte Döring. Zudem spielten zwei Monate bei einer 850 Jahre alten Brücke keine Rolle. Deren Freilegung kommt ohnehin langsamer voran als geplant, die Archäologen kämpfen weiter mit Wasser in dem Grabungsschacht. Döring präsentierte ihren Fahrplan am Mittwochabend dem Ausschuss für Stadtentwicklung und dem Ortsrat, die HAZ berichtet am Donnerstag online über die Sitzung und am Freitag in ihrer gedruckten Ausgabe.
