Verein stellt Entwurf vor

Dammstraßen-Brücke in Hildesheim: Altstadtgilde positioniert sich gegen das Zuschütten

Hildesheim - Die Hildesheimer Stadtverwaltung möchte die historische Brücke in der Dammstraße wieder in der Erde verschwinden lassen. Der Verein „Altstadtgilde“ hat andere Vorstellungen – und legt einen konkreten Entwurf vor.

So stellt sich die Altstadtgilde die Dammstraße vor (links ist die Stadtmauer zu sehen, der Gehweg dort bleibt, der Blick geht stadteinwärts): Es gibt eine Spur für Autos und Busse (links), Glas schützt die Südseite der Brücke (in der Mitte), daneben ist Platz für Fußgänger und Radfahrer. Rechts steht ein Ausstellungspavillon. Foto: Moreno + Seidler

Hildesheim - Jetzt liegt der Vorschlag der Stadtverwaltung zur Dammstraße auf dem Tisch: Sie möchte die 850 Jahre alte Brücke, die dort vor einem Jahr bei Kanalbauarbeiten entdeckt worden ist, wie berichtet so schnell wie möglich wieder unter der Fahrbahn verschwinden lassen. Bei der Altstadtgilde löst das Kopfschütteln aus: Hildesheim habe doch Kulturhauptstadt werden wollen, erinnert Vorsitzender Thomas Seidler. „Und jetzt soll auf dieses bedeutende Bauwerk ein Deckel drauf? Das passt nicht.“

Seidler hatte schon jüngst beim Archäologie-Symposium dafür geworben, das historische Bauwerk nicht einfach abzudecken: Die Altstadtgilde hatte zuvor vorgeschlagen, dieses mit einer neuen Brücke zu überspannen und so dauerhaft sichtbar zu machen. Letzteres liegt dem Verein sehr am Herzen. Nun bringt er eine Alternative ins Spiel – angeregt durch eine Äußerung von Oberbürgermeister Ingo Meyer, wie Seidler betont. Der Rathaus-Chef hatte jüngst öffentlich über eine Einbahnstraßen-Lösung sinniert.

OB gab mit Einbahnstraßen-Idee den Anstoß zum neuen Entwurf

Meyers Bauverwaltung hat das zwar verworfen, wie ihr Vorschlag zeigt. Doch die Altstadtgilde habe sich an der OB-Aussage orientiert und auf dieser Basis einen neuen Entwurf erstellt, sagt Seidler. Danach würde der Verkehr in der Dammstraße einspurig werden, eine Ampel abwechselnd die eine, dann die andere Fahrtrichtung ermöglichen. Die Südseite der Brücke bliebe freigelegt und würde durch Glas geschützt, daneben entstünde – zusätzlich zum Bürgersteig auf der anderen Seite – ein Streifen für Fußgänger und Radfahrer. Rechts (stadteinwärts gesehen) neben der heutigen Fahrbahn schlägt der Verein einen Pavillon vor, der eine Ausstellung zur Brücke beherbergt. All das wäre überspannt von einem Tragwerk, das sich über die ganze Breite der Dammstraße und darüber hinaus erstreckt. Der Platz reiche, versichern Seidler und sein Vereinskollege Erdmann Roehl, der wie der Vorsitzende auch Architekt ist. Man habe das mit Zollstock und Maßband ausgemessen. Die Kosten schätzt Seidler auf 1,5 Millionen Euro.

„Sarkophag-Variante war nicht zur ultimativen Lösung erklärt worden“

Dass die Stadtverwaltung nun mit Verweis auf die Expertenanhörung die so genannte Sarkophag-Variante favorisiert, ärgert die Männer von der Altstadtgilde. „Beim Symposium ist nicht gesagt worden, dass dies die ultimative Lösung sei“, sagt Seidler. Auch sei nicht erklärt worden, dass es ausscheide, die Brücke zugänglich zu machen. „Es hieß nur, dies wäre aufwendig – aber nicht, dass es nicht ginge.“ Wenn man wolle, gebe es immer technische Lösungen, ist der Chef der Altstadtgilde sicher. Dies zeigten Beispiele andernorts.

Der Verein wünscht sich im Zusammenhang mit der Brücken-Zugänglichkeit zudem, die Fahrbahnen in der Achse Dammstraße-Pfaffenstieg-Schuhstraße schmaler zu machen „Da müssen nicht weiter 20 000 Autos fahren, eine Verkehrsberuhigung wäre schön“, sagt Roehl. Der Bereich müsse auch städtebaulich aufgewertet werden, vor allem der Vorplatz des Roemer- und Pelizaeus-Museums. Denn der sei im heutigen Zustand trostlos, moniert die Altstadtgilde.

Doch wie wahrscheinlich ist es, dass ihr Konzept in der Stadt-Politik noch Gehör findet? Man müsse es angesichts der großen kulturellen Bedeutung der historischen Brücke wenigstens versuchen, meint Vorsitzender Seidler: Er hoffe, dass der Vorschlag – neben jenem der Verwaltung – in den Ratsgremien diskutiert werde.

Das Thema steht am nächsten Mittwoch, 7. Juni, um 16.30 Uhr in einer gemeinsamen Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses, des Finanzausschusses und des Ortsrates Stadtmitte/Neustadt im großen Saal des Rathauses auf der Tagesordnung. Der Rat befasst sich am Montag, 26. Juni, in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause mit der Dammstraße.

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