Nun ist die Politik am Zug

Dammstraßen-Brücke in Hildesheim: Das ist der Plan der Stadtverwaltung

Hildesheim - Die Stadtverwaltung hat dem Hildesheimer Rat einen Vorschlag vorgelegt, wie es mit der historischen Brücke unter der Dammstraße und der Verkehrsführung dort weitergehen soll. Damit ist auch ein Ende der Sperrung absehbar.

Noch voraussichtlich bis Mitte Juli laufen die Untersuchungen des Instituts für Bauforschung der TU Braunschweig an der 850 Jahre alten Brücke in der Dammstraße in Hildesheim. Wie es danach mit dem Bauwerk und der Verkehrsführung in der Dammstraße weitergeht, entscheidet der Stadtrat am 26. Juni. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Die historische Brücke in der Dammstraße wird nicht mehr lange zu sehen sein: Die Stadtverwaltung schlägt dem Rat vor, das Bauwerk im Boden zu verschließen und mit einer Stahlbetonplatte vor den Belastungen durch den Verkehr auf der Dammstraße zu schützen. Der könnte, wenn sich die Berechnungen der Bauverwaltung als richtig erweisen und nichts Unvorhergesehenes passiert, voraussichtlich noch in diesem Jahr wieder fließen. Und zwar genauso wie vor der Entdeckung der Brücke im Mai 2021, also ohne Einschränkungen.

Eine mögliche Verkehrsberuhigung – einhergehend mit einer Verbreiterung der Innerste-Brücke, um die Bedingungen für Radfahrer und Fußgänger zu verbessern – soll es erst nach dem für 2024 geplanten Umbau der Kardinal-Bertram-Straße geben. Ansonsten könnte die Erreichbarkeit der Innenstadt gefährdet sein, warnt Stadtbaurätin Andrea Döring in der Beschlussvorlage für den Rat. Auf zehn Seiten hat die Dezernentin dort die Position der Verwaltung zusammengetragen. Dazu kommen 20 Seiten, die die Ergebnisse der beiden Expertenrunden zur Dammstraße abbilden.

Verwaltung sieht keine Alternative zur „Sarkophag“-Lösung

Mit den dabei gewonnenen Erkenntnissen begründet die Verwaltung ihren Vorschlag. So scheide ein Bergen der Brücke und ihr Wiederaufbau an der Dammstraße aus, weil das Denkmalrecht dies ausschließe. Auch die Brücke komplett freizulegen (also auch die Nordseite), sei rechtlich nicht möglich. Die bereits freigelegte Südseite zugänglich zu machen hält das Rathaus zwar für denkbar; dafür müsste das Bauwerk aber mit entsprechenden Vorkehrungen vor Zerfall und Zerstörung bewahrt werden. „Da gibt es viele offene Fragen, auch denkmalrechtliche“, sagte Döring der HAZ.

Zudem sei das vorrangige Ziel des Denkmalschutzes, Bauwerke am Originalstandort zu belassen, heißt es in der Vorlage. Für die Verwaltung steht damit fest: Die beste Variante ist die „Sarkophag-Lösung“. Sie sieht vor, den Raum um die historische Brücke aufzufüllen, das Bauwerk zu verschließen, mit einem Vlies abzudecken und mit einer Stahlbetonplatte vor den Erschütterungen durch den Verkehr zu schützen. Auf der Südseite soll der Grabungsschacht, von dem aus die Archäologen die Brücke dokumentieren, für die nötige Konstruktion genutzt werden. Auf der Nordseite müsse – vor dem Rand der Brücke – ein „Gründungsschacht“ entstehen und die Fahrbahn abgetragen werden. Die Brücke würde dabei aber nicht weiter freigelegt. Archäologen sollen die Arbeiten begleiten; tatsächlich schließen Fachleute auch dort Funde aus Hildesheims Vergangenheit nicht aus.

Dammstraßen-Freigabe bis zum Weihnachtsmarkt? Stadt hofft das

Die Kosten stehen nicht fest, die reine Bauzeit veranschlagt die Stadt mit drei Monaten. Bevor die Arbeiter loslegen können, muss erst die Bauforschung der Technischen Universität Braunschweig abgeschlossen sein. Die Verwaltung rechnet damit Mitte Juli. Das bedeutet: Stimmt der Rat dem Vorschlag zu, läuft alles wie geplant, gibt es keine weiteren bedeutenden archäologischen Funde, sprechen die TU-Analysen nicht gegen die Sarkophag-Variante, dann könnte die Fahrbahn in der Dammstraße noch in diesem Jahr fertig sein und der Verkehr darauf wieder fließen. „Es wäre schön, bis zum Weihnachtsmarkt fertig zu sein“, sagt Döring.

Doch was ist mit dem Wunsch vieler Bürger nach einer Verkehrsberuhigung in der Dammstraße? Zwar sieht auch die Verwaltung den Bedarf, die Bedingungen für die Fußgänger und Radfahrer auf der Innerstebrücke zu verbessern, zudem sieht das Verkehrskonzept weniger Belastung für die Achse Dammstraße/Pfaffenstieg/Schuhstraße vor. Doch zuerst soll laut Vorlage 2024 der geplante Umbau der Kardinal-Bertram-Straße erledigt werden. Dort will die Stadt in diesem Zuge den Durchgangsverkehr unterbinden. Das sei möglich, ohne die Erreichbarkeit des Zentrums zu gefährden – das sähe aber bei einer gleichzeitigen Baustelle in der Dammstraße anders aus.

Kardinal-Bertram-Straße soll für Durchgangsverkehr tabu sein

Die genauen Pläne für die Kardinal-Bertram-Straße will die Verwaltung der Politik im zweiten Halbjahr 2023 vorlege, ihre Ideen für Veränderungen in der Dammstraße (auch auf Basis einer möglichen Verbreiterung der Innerstebrücke) im ersten Halbjahr 2024. Der zeitliche Ablauf sei auch den beschränkten Personalkapazitäten geschuldet, betont Döring.

Der Rat entscheidet am 26. Juni. Am Mittwoch, 7. Juni, sprechen der Stadtentwicklungsausschuss, der Finanzausschuss und der Ortsrat Stadtmitte/Neustadt über den Vorschlag. Für den Teil, der die Brücke betrifft, braucht die Stadt am Ende über einen entsprechenden Antrag den Segen des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege. Mit dem sei die Vorlage nicht abgestimmt, sagte Döring der HAZ; dies sei ihr wichtig, aber aus terminlichen Gründen bisher gescheitert.

Stadt will vor Ort an Brücke erinnern – analog und digital

Die Verwaltung will die historische Brücke zwar wieder unter der Dammstraße verschließen. Doch die Erinnerung an sie soll vor Ort gepflegt werden. Wie das am besten geschehen sollte und könnte, möchte das Rathaus mit einer Studie ermitteln lassen. Der Rat soll dafür 20 000 Euro freigeben, Ziel sind eine digitale und analoge Dokumentation, bei der auch die Sichtsteine eines Brückenbogens zum Einsatz kommen sollen – geschützt durch einen Pavillon, damit sie keinen Schaden nehmen. Die Steine gehören zu jenem Bogen, der im Mai 2022 als erstes Teil der Brücke entdeckt wurde und dem neuen Kanal der Stadtentwässerung weichen musste. Zur Studie sollen auch Stadtmarketing, Heimat- und Geschichtsverein und Kulturschaffende beitragen.

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