Hildesheim - Der Rat hat sich wie erwartet fast einmütig dafür ausgesprochen, die historische Brücke unter der Dammstraße zu versiegeln. Die Stadt soll die Fahrbahn so schnell wie möglich wieder herstellen, der Verkehr auf dieser wie früher fließen – wobei sich die Bedingungen für Radfahrer schon mit der Freigabe der Straße durch einen Pop-up-Radweg verbessern sollen. Wann es dazu kommt, hängt vom Fortgang der ausstehenden Erdarbeiten auf der Nordseite und etwaigen archäologischen Funden dabei ab.
Sprecher mehrerer Fraktionen erklärten, man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Doch angesichts der Ergebnisse der Expertenanhörungen sei dies der beste Weg, um mit dem 850 Jahre alten Bauwerk umzugehen. „Auch wenn sich viele – auch ich – etwas anderes gewünscht haben“, betonte SPD-Vertreterin Rita Weber. Im Boden sei die Brücke am besten geschützt, sagte FDP-Ratsherr Michael Kriegel.
Weiß wirbt vergeblich dafür, Brücke zugänglich zu machen
Dessen Fraktionskollege Volker Weiß warb vergeblich dafür, dass die Stadt noch einmal prüft, ob die Südseite der Brücke nicht dauerhaft sichtbar und zugänglich gemacht werden könnte – er habe die Experten nicht so verstanden, dass dies unmöglich sei. Aber es sei mit großen Risiken behaftet, erwiderte Oberbürgermeister Ingo Meyer. So habe der Kölner Stadtarchäologe Professor Dr. Marcus Trier davor gewarnt: „Er hat gesagt, tut euch das nicht an.“ Wie Meyer betonte, werde die Stadt mit einer Präsentation vor Ort, bei der auch geborgene Steine der Brücke zum Einsatz kommen, an diese erinnern. Die vom Rat gefundene Lösung sei gut, lobte SPD-Ratsherr Marcus Krettek. „Auch wenn mir als Historiker das Herz blutet.“
Grünen haben schwer am Kompromiss zum Verkehr zu tragen
Das gilt erst recht für die Grünen in Sachen Verkehr, wie deren Vertreterin Tinka Dittrich deutlich machte. Auch künftig Autos in der Dammstraße zuzulassen, falle ihrer Fraktion schwer, bekannte sie. Doch die Nutzung könne mit Blick auf den Umbau der Kardinal-Bertram-Straße im nächsten Jahr nicht eingeschränkt werden, andere Eingriffe führten zu Schleichverkehr in Wohngebieten. Immerhin reduziere sich der Verkehr in der Dammstraße durch die neuen Ampelschaltungen, die Pop-up-Radwege verbesserten die Bedingungen für Radfahrer. Und die Planung für eine „moderne und zeitgemäße Verkehrsführung“ gingen weiter, betonte Dittrich.
Der Beschluss zur Dammstraße basiert auf einem Vorschlag der Verwaltung, die Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen und der PARTEI und die CDU hatten diesen mit einem gemeinsamen Antrag ergänzt. Dass Letztere dabei einwilligte, auf die Vorgabe zu verzichten, die Stadt solle die Straße noch 2023 freigeben, erklärte Fraktionschef Dennis Münter mit dem Risiko, dass etwas dazwischen kommen könne. „Da wäre es unredlich, so etwas festzulegen.“ Die CDU habe mit Blick auf die Einschränkungen durch die Sperrung immer darauf gedrängt, schnell das weitere Vorgehen zu beschließen. Nun sei es an der Verwaltung, zügig die Freigabe der Straße zu bewirken.
Der Beschluss im Wortlaut
Jetzt steht fest, wie die Stadt mit der historischen Brücke in der Dammstraße umgeht: Der Rat hat folgenden Beschluss gefasst (in Auszügen im Wortlaut):
• Die Dammstraße auf Höhe der Bischofsmühle wird in geeigneter Weise zum Schutz und der Sicherung der historischen Brücke als Bodendenkmal in ihrem ursprünglichen Querschnitt wiederhergestellt. Dabei wird dafür Sorge getragen, dass der zeitliche Ablauf effektiv gestaltet und die Durchfahrt in beide Richtungen somit so schnell wie möglich wieder freigegeben wird.
• Über das Ergebnis der bautechnischen Untersuchung der Technischen Universität Braunschweig, die im Juli 2023 fertiggestellt sein soll, wird der Rat informiert. Sollte sich aus der bautechnischen Untersuchung der TU Braunschweig ein Sachverhalt ergeben, der eine wesentliche Anpassung der Lösung „Einbau einer Lastverteilungsplatte“ oder eine andere Lösung erforderlich macht, wird der Rat um eine erneute Beschlussfassung gebeten.
• Der Rat beschließt im Rahmen der Verkehrsplanung für das Gebiet mit der Planung der Verkehrsberuhigung der Achse Schuhstraße / Pfaffenstieg / Dammstraße zu beginnen und dann die nötigen Beschlüsse für die Umsetzung einzuholen.
• Eine mögliche Erweiterung der Innerste-Brücke wird unter dem Aspekt geprüft, dass auf der Innerste-Brücke gegenläufiger Busverkehr stattfinden kann und zugleich je Fahrtrichtung ein Fahrradschutzstreifen geführt wird. Sollte die Fahrbahnbreite dafür nicht ausreichend sein, ist eine Erweiterung der Innerste-Brücke, um die fehlende Breite für dieses Ziel zu prüfen und den Gremien im 1. Quartal 2024 eine Vorzugsvariante zur Beschlussfassung vorzulegen.
• Die Verwaltung wird beauftragt, einen Pop-up-Radweg auf der Verkehrsachse Dammtor-Schuhstraße in beide Richtungen mit dem Ziel einer zeitnahen Umsetzung zu prüfen und zu planen. Auf der Dammstraße auf Höhe der Bischofsmühle ist ein geschützter Pop-up-Radweg vor Öffnung der Dammstraße zu prüfen und gegebenenfalls einzurichten. Die Pop-up-Radwege sind vor Öffnung der Dammstraße einzurichten, damit sie mit der Öffnung nutzbar sind.
• Im Haushalt 2024 werden entsprechende Haushaltsmittel für eine moderne, zeitgemäße und beruhigte Verkehrsplanung der Dammstraße bereitgestellt.
• Die Verwaltung wird eine Machbarkeitsstudie zur analogen und digitalen Dokumentation und Präsentation der historischen Brücke Dammstraße und der bisher entnommenen Brückenteile beauftragen. Dazu werden je 10 000 Euro für 2023 und 2024 bereitgestellt.
• Für die analoge und digitale Dokumentation und Präsentation der historischen Brücke Dammstraße sowie der bereits entnommenen historischen Sichtbögen führt die Verwaltung eine umfassende Drittmittelakquise durch und stellt ebenfalls Haushaltsmittel bereit.
• Die Verwaltung berichtet im ersten Quartal 2024 in den Fachausschüssen über den Sachstand zur Präsentation der historischen Brückenelemente und über die Planung der künftigen Verkehrsführung.
