Landesamt greift ein

Ärger um Dammstraßen-Brücke: Stadt Hildesheim übergeht Denkmalbehörde

Hildesheim - Die Stadt Hildesheim hat sich wegen ihres Umgangs mit der historischen Brücke unter der Dammstraße den Unmut des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege zugezogen – das ist der Grund.

Eigentlich stand am Donnerstag in der Dammstraße eine Baugrunduntersuchung der historischen Brücke an. Doch die wurde auf Geheiß des Landesamtes für Denkmalpflege abgeblasen – die Stadtverwaltung hatte versäumt, dafür eine Erlaubnis einzuholen. Foto: Clemens Heidrich

Hildesheim - Die Stadt hat sich wegen ihres Umgangs mit der historischen Brücke unter der Dammstraße den Unmut des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege zugezogen: Die hannoversche Behörde hat eine für Donnerstag vorgesehene Baugrunduntersuchung durch den Hildesheimer Ingenieur Jürgen Götz unterbunden – und das gleich aus zwei Gründen. So habe das Rathaus das Vorhaben nicht wie vorgeschrieben mit ihm abgestimmt, sagt Landesamt-Vertreter Dr. Markus C. Blaich. Außerdem habe Götz durch das Fundament des 850 Jahre alten Bodendenkmals bohren wollen, was dieses beschädigt hätte.

Die Verwaltung hatte den Ingenieur damit beauftragt, den Baugrund unter der steinernen Brücke aus dem Mittelalter zu untersuchen, um deren Tragfähigkeit zu ermitteln. Der zuständige Fachbereich versäumte es allerdings, den Eingriff im eigenen Haus bei Stadt-Archäologe Christoph Salzmann als Vertreter der Unteren Denkmalbehörde zu beantragen. Auch die gesetzlich verlangte Abstimmung mit dem Landesamt unterblieb. Diese ist nötig, weil das Niedersächsische Wissenschaftsministerium der Dammstraßen-Brücke eine besondere Bedeutung bescheinigt hat.



Landesamt-Vertreter will Brücke nicht beschädigen lassen

Landesamt-Vertreter Dr. Blaich erfuhr am Mittwoch dennoch von dem Vorhaben – und stoppte es in Absprache mit Salzmann, der Götz informierte. Der Ingenieur ist sauer: „Wenn das nicht gewünscht ist, dann ist es nicht gewünscht.“ Dabei sei das Gutachten für das weitere Vorgehen erforderlich, meint Götz. Zwar gebe es bereits ein Baugrundgutachten. Doch das komme zu falschen Schlüssen.

Auch das Landesamt hält eine erneute, detailliertere Untersuchung für nötig. Doch die müsse nun einmal beantragt werden und dürfe nicht zu einer Beschädigung der Brücke führen, betont Blaich – zumal er keine Begründung kenne, warum die Bohrung unbedingt durch das Fundament gehen müsse: Die erhofften Erkenntnisse ließe sich auch durch eine Bohrung neben dem Bauwerk gewinnen.

Stadt-Sprecher Helge Miethe will sich zu Ablauf nicht äußern

Doch auch dafür ist „selbstverständlich eine Genehmigung seitens der Unteren Denkmalbehörde notwendig“, wie Rathaussprecher Helge Miethe gegenüber der HAZ verkündete. Warum dann aber bislang sowohl der Antrag wie auch die Abstimmung mit dem Landesamt fehlten – dazu wollte Miethe nichts sagen: Zu nicht-öffentlichen Genehmigungsverfahren könne er keine Auskünfte erteilen, schon gar nicht zu laufenden Verfahren; die Stadt werde das weitere Vorgehen mit dem Landesamt und Götz abstimmen. Was wohl bedeutet: Man arbeitet an einem Kurs, gegen den Blaich keine Einwände hat.


CDU lädt zu Forum ein

Die CDU lädt für Montag, 17. April, 18 Uhr, in das Roemer- und Pelizaeusmuseum zu einer Veranstaltung zur Dammstraße ein. Jürgen Götz spricht über die archäologischen Funde, Stadtbäckerei-Chef Markus Engelke über die Folgen der Straßensperrung. Zudem reden Ortsbürgermeister Tobias Eckardt (SPD) und CDU-Ortsratsmitglied Constantin Janzen.

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