Schloss Marienburg

„Das Ministerium droht Millionen zu versenken“: Gefeuerter Stiftungsvorstand der Marienburg erhebt Vorwürfe

Nordstemmen - Jetzt spricht der gefeuerte Stiftungsvorstand: Im Streit um die Marienburg erhebt Ulrich von Jeinsen Vorwürfe gegen das Kulturministerium – und warnt davor, das Schloss zum Landesmuseum zu machen.

Der Streit um Schloss Marienburg bei Nordstemmen geht weiter. Foto: Chris Gossmann (HAZ Archiv)

Nordstemmen - Jetzt spricht der gefeuerte Stiftungsvorstand: Im Streit um die Marienburg erhebt Ulrich von Jeinsen Vorwürfe gegen das Kulturministerium – und warnt davor, das Schloss zum Landesmuseum zu machen.

Vor wenigen Wochen wurden Sie als Vorstand der Stiftung Schloss Marienburg abberufen, wegen „grober und wiederholter Pflichtverletzungen“. Um Gottes willen, was haben Sie sich denn zuschulden kommen lassen, Prof. von Jeinsen?

Der Rausschmiss war an den Haaren herbeigezogen. Es gab keine Pflichtverletzungen meinerseits. Ohne in Details zu gehen: Ich sollte Befehle vom Stiftungsrat befolgen, die stiftungsrechtlich und steuerlich dubios bis illegal waren, eine Diskussion um Sachthemen wurde verweigert. Am Ende wollten die mich einfach nur abservieren. Als es mir zu bunt wurde, habe ich bei einer Sitzung den Raum verlassen und meinerseits fristlos gekündigt. Bei meinem Amtsantritt hätte ich mir im Traum nicht vorstellen können, dass eine Behörde – im Stiftungsrat hat das Kulturministerium das Sagen – mir die Arbeit unerträglich machen würde.

Was kreiden Sie dem Ministerium denn an?

Es war ein enormer Entscheidungsstau aufgelaufen, aber Minister Falko Mohrs war nicht zu Gesprächen mit mir über Sachthemen bereit, sondern hat alles an die Ministerialbürokratie delegiert, ohne diese zu überwachen. Hoffentlich geht man so nicht auch mit der Wissenschaft, der Zukunft unseres Landes, um. Die Beamten machten ihr eigenes Ding und streuten permanent Sand ins Getriebe bei meinen Versuchen, Kosten zu senken und Geld in die Kassen zu bringen, wie es mir etwa mit den Dreharbeiten für die Serie „Maxton Hall“ gelungen ist. Im Kulturministerium denkt man eher ans Geldausgeben. Manchmal wünschte ich mir, für das Schloss wäre das Wirtschaftsministerium zuständig, wo man auch weiß, wie Geld verdient wird. Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas in Niedersachsen möglich ist, doch weil einzelne Vertreter der Ministerialbürokratie praktisch ohne Kontrolle tun, was sie wollen, droht das Ministerium letztlich Millionen zu versenken.

An welcher Stelle denn bitte genau?

Erst mal muss das Geld verdient werden, das dann beispielsweise in einem Museum ausgegeben werden kann. Durch Inflation und Baukostensteigerungen sind die 27 Millionen Euro, die Bund und Land für die Sanierung zur Verfügung gestellt haben, kontinuierlich weniger wert geworden. Und weil der Vertrag mit dem Pächter aufgelöst wurde, kommt auch kein Geld mehr in die Kasse der Stiftung, und daher fehlt auch eine Planung, das Schloss auf eine wirtschaftliche Basis zu stellen.

Sie haben als Stiftungsvorstand aber doch selbst den Vertrag mit dem langjährigen Pächter Nicolaus von Schöning gekündigt!

Nein, der Vertrag wurde einvernehmlich beendet. Aber die Entscheidung war ein klarer Fehler. Sie war bereits vor meinem Amtsantritt definitiv gefallen, ich habe sie dann umsetzen müssen. Nicolaus von Schöning hat gut gewirtschaftet und hatte ein Konzept, das Einnahmen brachte. Jetzt geht der Stiftung jährlich ein sechsstelliger Betrag verloren. Zur weggefallenen Pacht kommt noch, dass der Pächter auch für Kosten wie Strom, Wasser, Heizung und Versicherung aufkam.

Werden die 27 Millionen Euro für die Sanierung der Marienburg reichen?

Die Baufachleute haben bislang ja noch nicht einmal alle Untersuchungen dazu vorgenommen oder einen konkreten Plan vorgestellt, was überhaupt gemacht werden muss! Sie äußern immer noch eher Vermutungen. Das ist der Grund dafür, dass Minister Mohrs jetzt von verschiedenen Szenarien spricht. Eine Komplettsanierung würde sicher deutlich teurer werden. Ein Gedankenspiel ist daher, im Südflügel ein Museum einzurichten und drumherum das Schloss notdürftig zu sichern, um im Budget zu bleiben. Das geht gar nicht! Die Folgekosten für die Stiftung wären unabsehbar.

Die Stiftung als Eigentümerin des Schlosses ist offenbar klamm …

Sie steht finanziell mit dem Rücken zur Wand und macht jährlich deutlich sechsstellige Verluste. Die Einnahmen aus Filmaufnahmen wie für „Maxton Hall“ können das nicht einmal ansatzweise auffangen. Aus eigener Kraft kann die Stiftung sich nicht selbst erhalten. Denkbar wäre es, einen Teil des Inventars von etwa 20.000 Stücken zu verkaufen, die mit der Marienburg gar nichts zu tun haben. So könnte Eigenkapital geschaffen werden, mit dem man sich durch die Sanierungsphase hangeln kann. Alternativ müsste sonst der Steuerzahler einspringen.

Halten Sie diese Alternative für realistisch?

Nein, der Minister hat neues Geld vom Staat klar abgelehnt. Aber der Stiftungsrat tut nichts, um diese Alternative zu verhindern, also läuft es darauf hinaus. Und mich regt echt auf, dass die Opposition sich wegduckt. Wegen einer Gehaltszulage für eine höchst qualifizierte Mitarbeiterin der Staatskanzlei wird ein Riesentheater gemacht, und hier können Millionen versenkt werden, und niemanden kümmert es.

Was passiert mit der Burg, wenn die Stiftung pleitegeht?

Sie würde aller Voraussicht nach ans Land fallen. Ich bin inzwischen überzeugt, dass es im Ministerium den Plan gibt, die Stiftung so herunterzuwirtschaften, dass aus dem ganzen Schloss letztlich ein Landesmuseum wird. Dies müsste dann aber höchstwahrscheinlich auf Dauer mit Steuergeld finanziert werden.

Was muss in Ihren Augen langfristig auf der Burg geschehen?

Während der Sanierung müsste man die Kosten so weit wie möglich senken und alles mitnehmen, was Umsatz bringt, zum Beispiel Veranstaltungen auf den Außenanlagen. Und danach braucht es einen Dreiklang, bei dem der Museumsbetrieb mit Einnahmen aus Events und Gastronomie querfinanziert wird. Ein Pächter muss so viel erwirtschaften können, dass es für die Unterhaltung des Schlosses reicht. Die Kosten dafür liegen jährlich im sechsstelligen Bereich.

Derzeit sind die wichtigsten Räume des Schlosses wegen vermeintlicher Einsturzgefahr für Besucher behördlich gesperrt. In Ihren Augen zu Recht?

Es gibt Indizien dafür, dass diese Schließung so nicht notwendig war. Fakt ist, dass die Sperrung der Räume jenem Pächter das Geschäft vermiest hat, den der Stiftungsrat loswerden wollte. Für die Dreharbeiten von „Maxton Hall“ wurden vier Räume – nach langen Verhandlungen mit Statikern und Bauamt – freigegeben, wenn auch nur für eine beschränkte Personenzahl. Ich könnte mir vorstellen, dass dort kleine Veranstaltungen möglich wären. Über solche Lösungen hätte ich mit Herrn von Schöning gern verhandelt. Aber der Stiftungsrat versucht nicht einmal, die Räume wieder zugänglich zu machen.

Interview: Simon Benne

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