Hildesheim - Mehr als 600 Besucherinnen und Besucher strömten am Samstag zur ersten Hildesheimer Brettspiel-Convention. Monopoly, Mensch ärgere dich nicht, Siedler von Catan – wer kennt sie nicht, die absoluten Brettspielklassiker. Die stehen auch heute noch hoch im Kurs. Bei der Convention in Itzum gab es aber noch viel, viel mehr Spiele zu sehen und auszuprobieren, die ebenfalls das Zeug zum Klassiker haben. Hier finden Sie sechs Empfehlungen direkt von der Messe, bei denen für jeden und jede etwas dabei sein sollte.
Für Kinder: Eppi
Erst seit wenigen Tagen ist Eppi auf dem Markt. Eine Mischung aus Spiel und Buch von Felicitas Pommerening aus Mainz, die ihr jüngstes Werk in Hildesheim selbst vorgestellt hat. Eppi ist ein durchsichtiges Wesen, das im Keller der Familie Palstek aufwacht und sich fortan die Frage stellt, warum es durchsichtig ist und was es dagegen unternehmen kann. Denn Eppi hat Träume. Um die zu verwirklichen will das Wesen sichtbar werden. Das Spiel richtet sich an Kinder ab acht Jahren. Sie erleben interaktiv die Abenteuer von Eppi, entscheiden selbst über den Verlauf der Handlung. Es gibt kein Spielbrett. Die Grundlage ist ein Buch, über begleitende Spielkarten werden die Teilnehmer durch die Geschichte geleitet. Die Abenteuer werden maßgeblich durch die Entscheidungen der Kinder beeinflusst, so ist das Spiel immer wieder neu und abwechslungsreich.
Für Zwei: Fantastische Reiche
Auf ganz viele Spielekartons ist es aufgedruckt: ab zwei Spielern. Doch meist ist das dann deutlich unspannender als in der Gruppe. Beim Kartenspiel Fantastische Reiche ist das nicht so, verspricht Spieleexperte Horst Brückner. Ob zu Zweit oder zu Sechst – das Kartenspiel habe immer seinen Reiz. Das Spielziel: das mächtigste Reich der Welt aufzubauen. Die Grundlage ist eine Art Memory. Nur weiß das Gegenüber nicht, welche Karten der Gegner oder die Gegnerin sammelt. Man spielt verdeckt, die Karten haben verschiedene Werte. So sei es im Spielverlauf auch kaum möglich, zu beurteilen, wer gerade auf der Siegerstraße unterwegs ist. Das entscheidet sich erst am Ende einer Partie, die so etwa 20 Minuten lang dauert. Das Spiel empfiehlt sich ab zehn Jahren und war 2021 sogar zum Kennerspiel des Jahres nominiert worden. Es sind Erweiterungen zu haben.
Für Familien: Comet
Ein aufwändiges Spielfeld, hochwertige Figuren: Comet ist ein Familienspiel, das von den Kindern bis zu Oma und Opa wohl alle begeistert. Es spielt in einer prähistorischen Welt. Ausgestorbene oder stark bedrohte Tierarten gilt es zu retten – rechtzeitig bis zum Einschlag des Kometen, der das Ende des Spiels markiert. Spannend: Die jeweils geretteten Tierarten oder Dinosaurier helfen dann bei den weiteren Rettungsaktionen. Swantje Schurig vom Verlag Funtails verspricht, dass die Grundregeln schnell erlernt sind. Die Spieler und Spielerinnen würden durch die Würfel, die über Stärken und Fähigkeiten entscheiden, durch die Geschichte geleitet. Der Verlag empfiehlt ein Mindestalter von 12 Jahren. „Aber auch jüngere Kinder mit Brettspielerfahrung haben mit Comet bereits ihren Spaß“, so Schurig. Die Spieldauer wird mit 45 bis 75 Minuten angegeben.
Für Gruppen: Among Cultists
Die Spieler und Spielerinnen schlüpfen in die Rolle von Ermittlern eines Geheimbundes und versuchen, den dunklen Ritualen der Kultisten auf die Spur zu kommen und die Bösewichte nach und nach zu identifizieren. Die Geschichte spielt in einer altehrwürdigen Universität, deren Zukunft auf dem Spiel steht. Gespielt wird in zwei Teams gegeneinander. Erschienen ist das Spiel in einem Verlag in Hannover. Emma Krieger, Mitarbeiterin des Verlags, der inzwischen auch schon Erweiterungen dafür auf den Markt gebracht hat, kann bei „Hildesheim spielt“ so einige Gruppen dafür begeistern. Vier bis acht Spieler können sich jeweils beteiligen. Das Mindestalter wird mit 14 Jahren angegeben. Sicherlich auch deshalb, weil es gruselig zugeht, verdächtigt und gemeuchelt wird. „Wer das Onlinespiel Among us kennt, wird dieses Brettspiel sicher mögen“, sagt Krieger.
Für Experten: Terraforming Mars
Ein Expertenspiel für Menschen ab 12 Jahren. „Für jüngere Kinder bietet es sich auch wirklich nicht an“, sagt Horst Brückner. Es geht darum, den Mars bewohnbar zu machen. Dafür müssen die Mitspieler, die jeweils einen Konzern darstellen, entsprechende Ressourcen gewinnen und Bedingungen schaffen. Sauerstoffgehalt und Temperatur auf dem Planeten müssen steigen, Wasser muss gewonnen werden. Auf ganz verschiedenen Wegen sammeln die Mitspieler entsprechende Punkte, die wiederum einen Geldwert haben, der auf dem Mars gleich wieder investiert wird. Auch für Terraforming Mars gibt es Erweiterungen auf dem Markt. „Das Basisspiel ist aber das allerbeste, finde ich“, sagt Spieleexperte Brückner. Das Weltraumabenteuer wurde 2017 zum Spiel des Jahres gewählt. Es ist für bis zu 5 Spieler und Spielerinnen geeignet. Eine Partie dauert etwa zwei Stunden.
Lieblingsspiel von Horst Brückner: Too Many Bones
Zu viele Knochen lautet die Übersetzung des Spiels, das Horst Brückner zu seinen Lieblingsspielen zählt. Bis zu vier Spieler gehen als Kobolde auf die Jagd nach einem fiesen Tyrannen. Die jeweiligen Fähigkeiten der Kobolde werden dabei über die Würfel bestimmt. Die Spieler und Spielerinnen müssten zudem viele Entscheidungen treffen und würden damit den Spielverlauf entscheidend beeinflussen. Für Brückner das Besondere an dem Rollenspiel: „Es hat in der englischen Originalfassung einen unglaublichen Wortwitz und viele Anspielungen auf Popkultur und Musik, die bei der Übersetzung ins Deutsche auch genauso erhalten geblieben sind.“ Außerdem ließe sich Too Many Bones auch alleine spielen und würde immer noch viel Spaß machen. Das Mindestalter wird mit 12 Jahren angegeben, eine Partie dauert 90 bis 120 Minuten.






