Gastro&Soul-Chef setzt auf Wachstum

Hildesheimer Delf Neumann steigt bei Restaurantkette Vapiano ein

Hildesheim - Im April musste die Restaurantkette Vapiano Insolvenz anmelden. Nun steht sie vor einem Neustart. Der Hildesheimer Unternehmer Delf Neumann hat sich eingekauft und schmiedet Pläne.

Delf Neumann, Gründer der Restaurant-Kette Cafe Del Sol, steigt bei der angeschlagenen Restaurantkette Vapiano ein. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Er hat einst die Szene-Kneipen Alex aufgebaut und 2001 die Restaurant-Kette Cafe Del Sol gegründet, zu der auch die Bavaria Alm und das Edelrestaurant LewensLust gehören und in der an 40 Standorten heute 2000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Nun steigt der Hildesheimer Gastro-&-Soul-Chef Delf Neumann bei der angeschlagenen Restaurantkette Vapiano ein.

Neumann übernimmt die 30 deutschen Restaurants, die von der Company in Eigenregie geführt worden sind, und wird zudem Franchisegeber für die 25 verbliebenen deutschen Franchise-Restaurants. „Vapiano soll für sie wieder ein verlässlicher und partnerschaftlicher Franchisegeber werden“, sagt Neumann. „Wir planen, gemeinsam mit den Partnern zu wachsen.“

Aufstieg – und Absturz

Die Restaurantkette Vapiano war 2002 in Hamburg gegründet worden und gehörte bald danach zu den wenigen deutschen Gastronomiekonzepten mit internationalem Erfolg: In besten Zeiten gab es 250 Restaurants in über 30 Ländern, die italienisch geprägte, mediterrane Küche im Convenience-Format anboten. Nach dem Börsengang 2017 häuften sich allerdings die Probleme, die Aktie stürzte ab, der Umsatz in den Ende 2019 noch 82 deutschen Restaurants fiel um fast vier Prozent auf 207 Millionen Euro. Im April musste das einstige Vorzeigeunternehmen Insolvenz anmelden.

Neumann ist überzeugt, Vapiano wieder auf Kurs bringen zu können. „Außerhalb Deutschlands ist Vapiano nach wie vor sehr erfolgreich, hat die Marke einen sehr guten Ruf.“ Weltweit setzten die 236 Restaurants im vergangenen Jahr eine halbe Milliarde Euro um. Von Vapiano weiterhin überzeugt ist offenbar auch der ehemalige Vapiano-Vorstand Mario Bauer, der sich am 2. Juni gemeinsam mit einem Investoren-Konsortium namhafter europäischer Gastronomie-Profis erst die Vapianos in Frankreich und Luxemburg sichere und dann noch einen Großteil der deutschen Restaurants. „Wir kennen uns schon eine ganze Weile“, sagt Neumann nur.

Know-how entscheidet

Ursprünglich hatte Bauer mit dem Leipziger Unternehmer Falk Johne und dem Immobilienentwickler Bernd Ehret (Skyland) über einen Einstieg verhandelt. Doch letztlich entschied sich Bauer für Neumann. „Ausschlaggebend ist für uns sein einzigartiges Know-how beim Aufbau und der Multiplikation gastronomischer Erfolgsrezepte.“ Deshalb sei in diesem „sehr dynamischen Verhandlungsprozess“ kurzfristig und einvernehmlich die Entscheidung zugunsten von Neumann und seiner Gastro&Soul-Gruppe als Masterlizenznehmer korrigiert worden. Er gebe der Branche „immer wieder neue Impulse“, deshalb seien er und das Konsortium froh, ihn als strategischen Partner gewonnen zu haben.

Für den Neustart der Marke sei gerade der deutsche Markt von größter Bedeutung. „Es erscheint uns deshalb sinnvoll, hier auf die Unterstützung von Unternehmen zu setzen, die unsere Werte teilen und über viel Erfahrung in der Systemgastronomie verfügen“, so Bauer. Während die Franchise-Standorte nach dem Shutdown wieder öffneten, sind die Häuser der Vapiano SE noch geschlossen. „Die schnellstmögliche Wiedereröffnung hat nun erste Priorität“, sagt Neumann.

Kartellamt muss zustimmen

Doch noch muss das Kartellamt dem Einstieg zustimmen. Neumann erwartet jedoch kein Veto und hofft auf grünes Licht in wenigen Wochen. Gemeinsam mit den Franchise-Partnern will er dann „die Fehler der Vergangenheit analysieren und die Weichen für eine nachhaltige Zukunft der Marke stellen“.

Am internationalen Franchisegeschäft hat Neumann ebenfalls Anteile erworben, in 38 Ländern umfasst das Paket gut 150 Restaurants. Der Franchise-Nehmer in Hildesheim hatte sich kurz nach der Insolvenz von Vapiano getrennt, ein neues Vapiano-Restaurant in der Stadt ist laut Neumann derzeit nicht geplant.

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