An der Arneken Galerie

Nach Vapiano: So plant Gastronom den Neustart in Hildesheim

Hildesheim - Nudeln und Pizza soll es weiter geben, aber anders: Thomas Kemner über Investitionen in der Corona-Zeit, tolle Mitarbeiter und Sauerteig mit Käsefüllung.

Das ehemalige Vapiano an der Fußgängerzone ist geschlossen - der Betreiber renoviert und will voraussichtlich im Juni unter neuem Namen wieder öffnen. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Im ehemaligen Vapiano am Zugang von der Fußgängerzone zur Arneken Galerie herrschen noch die Handwerker. Der Boden wird geölt und gebeizt, Tische und Stühle poliert, viele große und kleine Handgriffe erledigt. Wie berichtet will der bisherige Franchisenehmer Thomas Kemner das Restaurant nach der Insolvenz von Vapiano ohne die Dachmarke weiterführen. Nun nennt er weitere Details – zu den Gründen, zum Zeitplan und zur Belegschaft.

Nachdem die schon länger schlingernde Kette Vapiano im März Insolvenz angemeldet hatte, hatte Kemner schnell entschieden, mit leicht verändertem Konzept in Hildesheim auf eigene Faust weiterzumachen. Das hatte für einiges Erstaunen in der Stadt gesorgt – schließlich war zu jenem Zeitpunkt, am Beginn der Corona-Beschränkungen, überhaupt nicht absehbar, wann und unter welchen Bedingungen Gaststätten wieder würden öffnen dürfen. Ein führender Hildesheimer Einzelhändler lobte den Göttinger Gastronomen sogar für ein „bewundernswertes Signal in der Krise“.

Riesenlob für Belegschaft

Kemner sieht im Rückblick die Logik auf seiner Seite: „Es war doch klar, dass in es in absehbarer Zeit weitergehen würde, man kann doch gerade die Gastronomie nicht ewig schließen.“ Zudem brauche er ohnehin Zeit für die Sanierung des Restaurants und kleinere Umbauten. Ganz große Änderungen sind nicht geplant: „Wir nutzen Inneneinrichtung und Haustechnik im Wesentlichen weiter.“ Auch bei den Chipkarten anstelle von Bedienung am Tisch solle es bleiben: „Da umzustellen, würde doch den Kostenrahmen sprengen“, sagt Kemner.

Eine zentrale Rolle bei der Entscheidung fürs Weitermachen habe auch die Belegschaft – 25 Stammkräfte und zehn bis 15 Minijobber – gespielt, betont der 49-Jährige. „Das ist wirklich eine fantastische Mannschaft. In Sachen Servicequalität und Hygiene war Hildesheim bei Vapiano-internen Erhebungen immer spitze, bei allen Problemen mit der Marke sind die Leute immer konstruktiv geblieben.“ Dieses Zutrauen in die Mitarbeiter sei neben der Überzeugung, einen guten Standort zu haben, ein entscheidender Faktor fürs Festhalten an Hildesheim.

Amerikanischer Stil

Dabei war Kemner in der Endphase der Vapiano-Zeit ins Grübeln bekommen. „Ich will nicht ins Detail gehen, aber mit Vielem war ich nicht so glücklich“, sagt er. „Es gab ja auch viel kritische Berichterstattung zu der Marke.“ Mit dem insolventen Franchise-Unternehmen hat er nun abgeschlossen.

Das soll sich auch auf den Tellern der Gäste bemerkbar machen. Zwar soll es weiter Pizza und Nudeln geben, „aber im amerikanischen Stil“, kündigt Kemner, der mit der Kette „Timberjacks“ noch drei weitere Restaurants im US-Stil betreibt, an. Ein Beispiel: Die Pizza wird künftig mit Sauer- statt mit Hefeteig gemacht, der Rand mit Käse gefüllt.

Der geschützte Duden

Die Türen öffnen will Kemner voraussichtlich Anfang Juni. „Dann sind wir startklar, den Mai brauchen wir noch für die Vorbereitungen“, sagt der Göttinger. Ein Teil der Mitarbeiter sei in Kurzarbeit, ein Teil helfe bei der Renovierung. Wenn es wieder losgeht, könne es am Anfang noch zu leichten Anlaufschwierigkeiten kommen. Sind diese überwunden, soll nach ein bis zwei Monaten auch wieder ein Bringdienst die Arbeit aufnehmen.

Ein Name für das alte, neue Restaurant steht noch nicht fest. Die Suche sei gar nicht so einfach, sagt Kemner und lacht: „Man hat den Eindruck, als sei inzwischen der ganze Duden namensrechtlich geschützt.“

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