Keine Außengastronomie

Der Frühling lockt – doch die Terrassen der Hildesheimer Cafés und Restaurants bleiben dicht

Hildesheim - Kaum zeigt sich die Sonne, zieht es die Menschen ins Freie. Da ist es für die Gastronomen besonders bitter, dass ihre Terrassen trotz aller Hygienevorkehrungen geschlossen bleiben müssen.

Unten Menschen, oben keine: So sieht es am Freitagnachmittag auf der Terrasse des Café Noah am Hildesheimer Hohnsensee aus. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Kaum zeigt sich die Sonne und die Temperaturen steigen in einen verlässlichen zweistelligen Bereich, zieht es die Menschen ins Freie. Am Hohnsensee etwa sind am Freitagnachmittag die Sitzbänke belegt, einige setzen sich auf Decken ans Wasser, andere gehen spazieren, Jogger joggen. Über ihnen ist die Terrasse des Café Noah – leer. Am Kiosk gibt es Getränke und heiße Waffeln, doch ein Ersatz für den sonst üblichen Betrieb um diese Jahreszeit ist das nicht, sagt Chefin Iris Christ, die das Noah wie auch in der Innenstadt das Deseo gemeinsam mit Ehemann Achim Christ betreibt. „Gerade in den ersten Tagen im Frühjahr ist es hier richtig voll“, sagt sie. „Die Leute wollen nach der kalten Jahreszeit einfach wieder raus.“

In diesem Jahr möglicherweise noch mehr als sonst. Doch der Terrassenbetrieb bleibt verboten, sehr zum Ärger auch des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA, dessen Geschäftsführer für Niedersachsen, Rainer Balke, von der Politik zumindest den Hinweis auf eine Perspektive erwartet hätte. „Die Leute gehen alle auf dem Zahnfleisch“, so Balke, die Enttäuschung schlage ihnen aufs Gemüt.

Der Umsatz ist sowieso weg – um den Spaß ist es schade

Das glaubt auch Salvatore Gigante, der im Bäckeramtshaus am Marktplatz mit dem Venezia ein großes italienisches Café samt Pizzeria führt. Normalerweise, sagt er, hätte er jetzt zum Frühlingsbeginn 40 bis 60 Tische auf dem Marktplatz stehen gehabt. In diesem Jahr aber stapeln sich die vielen Stühle lediglich an den Wänden hoch. Vom Umsatzverlust mag der Gastronom aber gar nicht mehr reden. „Den haben wir sowieso. Aber für die Leute ist es schade, dass sie nach all der Zeit zuhause nicht kommen dürfen. Die wären doch schon mit wenigen Möglichkeiten zufrieden“, meint Gigante. Ein Tisch alle paar Meter, zwei, drei, vielleicht vier Gäste aus jeweils einem Haushalt, „und Abstand, Abstand, Abstand“.

Welche Gefahr so eine Öffnung der Außengastronomie hätte, ist ihm unklar. „Aber so ist es, und wir werden wohl warten müssen, bis alle geimpft sind, auch mit der Öffnung der Terrassen.“ Denn eines komme für ihn auf keinen Fall in Frage, meint Gigante. „Ich werde nicht meine Gäste mit lauter Fragen begrüßen, ob sie einen Termin, einen negativen Test und eine Telefonnummer haben, und mir das dann alles auch noch vorlegen lassen.“ Das mache die Atmosphäre, die Gemütlichkeit kaputt, meint Gigante, ganz abgesehen davon, dass die Menschen spontan ein Glas Wein oder einen Cappuccino trinken gehen wollten und nicht mit tagelanger Vorausplanung.

200 Millionen Euro Verlust an fünf Tagen um Ostern

Auch Iris Christ sagt, sie werde selbstverständlich alle Regeln und Erfordernisse erfüllen, um das Noah wenigstens im Außenbereich wieder öffnen zu dürfen. „Aber darüber hinaus werde ich von Gästen weder Tests noch sonst etwas verlangen.“ Die Auflagen seien so schon hoch genug und vielen Menschen zudem auch nicht mehr verständlich. Der DEHOGA beziffert den Verlust im niedersächsischen Gastgewerbe allein in den fünf Tagen an und um Ostern auf 200 Millionen Euro. Das sei, so Balke, für Niedersachsen ein „gewaltiger Umsatzeinbruch“. Gigante indes schätzt, dass 80 Prozent der Gastronomiebetriebe die Pandemie nicht überleben könnten. „Es wird nach Corona nicht mehr so sein wie zuvor.“

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