Kontaktlos und schnell

Hildesheimer entwickeln Apps für Neustart in Gastronomie und Handel

Hildesheim - Ein hiesiges Startup hat ein Terminmanagement für Händler entwickelt – doch das größere Projekt soll Gastronomen helfen. Und auch nach der Pandemie nützlich sein.

Martin Kozialkowski präsentiert "Checkpoint", das Programm des Hildesheimer Unternehmens Youco für Einzelhändler. Für Gastronomen hat die Firma eine noch komplexere Lösung in petto. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Ein junges Hildesheimer Unternehmen hat gleich zwei digitale Angebote entwickelt, die Einzelhändlern, Gastronomen und ihren Kunden beim Neustart helfen und den Aufwand der Corona-Auflagen für beide Seiten gering halten soll. Die im vergangenen Jahr gegründete Firma Youco hat ihren Sitz im Technologiezentrum an der Richthofenstraße.

Den Fokus hatte das sechsköpfige Team dabei zuletzt auf eine App für die Gastronomie gelegt, berichtet Vertriebsleiter Martin Kozialkowski. Die bleibt auch das wohl wichtigste Projekt. Doch als klar wurde, dass der Einzelhandel wieder öffnen darf, allerdings zunächst nur mit Terminvergabe, disponierte das Team kurzfristig um. Und entwickelte binnen weniger Tage das System „Checkpoint“.

Mit Barcode ins Geschäft

Es handelt sich um eine Art digitalen Terminkalender. Geschäftsleute, die ihn anbieten wollen, setzen einen Link auf ihre Internetseiten, der zu „Checkpoint“ führt. Dort können Kunden ein Zeitfenster buchen – dessen Länge sowie die Anzahl der zur Verfügung stehenden Termine kann der Ladenbetreiber festlegen.

Hat ein Kunde einen Termin gebucht, bekommt er eine E-Mail mit einem Barcode. Der wird dann als Einlasskontrolle ins Geschäft gescannt und auch wieder beim Verlassen. „Die Daten liegen in der Telekom-Cloud, das Gesundheitsamt kann sie bei einem Vorfall beantragen“, erklärt Kozialkowski.

Bisher sieht es allerdings so aus, als würden die meisten Kunden direkt zu den Geschäften kommen und dort ihre Kontaktdaten angeben, statt vorher einen Termin zu buchen. Wie lange das Termin-Shopping in der aktuellen Form überhaupt Standard bleibt, ist unklar.

Rundum-Paket für Restaurants

Das System, das Youco für die Gastronomie entwickelt hat, ist indes deutlich komplexer und enthält viele Funktionen, die Kunden und Restaurant-Betreiber über die Pandemie hinaus gebrauchen können. „Favio“ heißt das Programm, und es soll vor allem dafür sorgen, den kompletten Kontakt zwischen Gastronom und Kunde kontaktlos zu gestalten und zudem zu beschleunigen.

Nutzer der App können sich über einen QR-Code mit ihren Profildaten im Restaurant anmelden. „Die Kontaktdaten werden spätestens einen Monat nach dem Besuch unwiderruflich gelöscht“, verspricht Youco. Kunden können Favio aber auch zuvor für Reservierungen nutzen, im Lokal dann zum Bestellen: „Die Order kommt direkt an der Theke an“, wirbt das Hildesheimer Unternehmen. Auch das spare Zeit. Ein Argument, das immer wieder kommt –was kein Zufall ist: Bei der Gründung im Sommer 2020 hatte sich Youco vor allem die „Beschleunigung von Arbeitsprozessen“ auf die Fahne geschrieben.

Auch für Bezahlung

Und damit soll es auch beim Bezahlen weitergehen. Wieder lautet das Motto „kontaktlos und schnell“, das Unternehmen biete die Zahlung über EC-Karte, Kreditkarte, Google Pay oder Apple Pay an. Und zwar unabhängig davon, ob das Restaurant diese Zahlungsarten selbst nutzt: „Wir übernehmen die Transaktion über die App und zahlen den Umsatz an den Betreiber aus“, erklärt Kozialkowski. Zudem hätten Gastronomen die Möglichkeit, Favio-Nutzern unter ihren Gästen veränderte Öffnungszeiten oder neue Angebote direkt mitzuteilen.

Bereits im Vorjahr hatten viele Geschäftsleute und Gastronomen in Hildesheim und Umgebung, aber auch anderswo in Deutschland auf eine in Hildesheim entwickelte Anwendung gesetzt, um die Registrierung von Kunden zu erleichtern. Im Startup-Zentrum Orangery hatten Entwickler „Checkyn“ konzipiert. Das System ist inzwischen an ein Kölner Unternehmen verkauft.

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