German Darts Championship in Hildesheim

Der „German Giant“ will die Halle 39 erobern: Darts-WM-Halbfinalist Gabriel Clemens im HAZ-Interview

Hildesheim - Wenn man ein Interview mit Deutschlands Top-Darter Gabriel Clemens führen will, muss man früh aufstehen, denn Disziplin sei wichtig, erklärt der WM-Halbfinalist. Am Wochenende startet der „German Giant“ bei den German Darts Championship in Hildesheim.

Gabriel Clemens ist Deutschlands aktuell erfolgreichster Darts-Spieler. Foto: Jürgen Kessler/dpa

Hildesheim - „Sie können mich am Mittwoch um 7.30 Uhr anrufen“, teilte Gabriel Clemens mit. Für Journalisten eine eher unchristliche Zeit, aber für ein Interview mit Deutschlands bestem Dartsspieler, dem „German Giant“, stellt man sich gern früh den Wecker. Gabriel Clemens startet an diesem Wochenende bei den German Darts Championship in der Halle 39 in Hildesheim.

Guten Morgen, Herr Clemens, Sie sind offenbar ein Frühaufsteher, oder?

Das frühe Aufstehen bin ich noch aus meiner beruflichen Zeit als Industriemechaniker gewohnt. Ich habe das beibehalten.

Und jetzt geht es gleich zum Training?

Ja, genau. Wie in jedem Job sollte man auch beim Darts diszipliniert sein und darf es nicht schleifen lassen. Ohne intensives Training kann man nicht erfolgreich sein.

Sie haben Ihren Beruf an den Nagel gehängt, um Darts-Profi zu werden. War das ein schwieriger Schritt?

Klar muss man sich so etwas genau überlegen, weil es gewisse Risiken birgt. Um den Kühlschrank voll zu bekommen, muss man erfolgreich sein und Preisgelder gewinnen.

Nach ihrem Halbfinaleinzug bei der WM spendete Ihnen ein Unternehmen 200 Fleischbrötchen. Haben die alle in den Kühlschrank gepasst?

(lacht) Nein, deshalb habe ich die Wecken der Saarbrücker Obdachlosenhilfe gespendet.

Ein feiner Zug von Ihnen.

Ach, das sollte man nicht überbewerten. Jeder sollte auch an die ärmeren Menschen in unserer Gesellschaft denken und ihnen helfen.

Bei der WM im Londoner „Ally Pally“ haben sie unter anderem den Weltranglistenersten Gerwyn Price geschlagen und sind bis ins Halbfinale gekommen. Dort war der spätere Weltmeister Michael Smith Endstation. War noch mehr drin?

Wenn man im Halbfinale steht, will man natürlich auch ins Finale. Ich habe gegen Michael auch gut gespielt, doch er war eben noch etwas besser. Aber die WM war eine Riesensache.

… apropos „Riese“. Man nennt sie den „German Giant“. Wie kam es dazu?

Das entstand bei einem Plausch mit Freunden. Irgendwann fiel der Begriff „German Giant“. Und alle fanden, dass das passt, weil ich ja ganz stattliche Körpermaße habe (1,91 Meter, 120 Kilogramm; d. Red.).

Durch die erfolgreiche WM standen Sie plötzlich im Rampenlicht. Eine neue Erfahrung für Sie?

Naja, ich habe schon ein paar mehr Interviews gegeben als sonst. Ich war ja auch schon zuvor ganz erfolgreich, aber im Darts fokussiert sich das Interesse sehr auf die WM. Die TV-Einschaltquoten sind hoch und es schauen auch Menschen zu, die unseren Sport sonst vielleicht nicht so intensiv verfolgen.

Wenn man bei einer WM erfolgreich ist, steigen die Erwartungen. Zumal große deutsche Erfolge eher selten vorkommen. Wie gehen Sie mit der gestiegenen Erwartungshaltung um?

Ich versuche, das weitgehend auszublenden und konzentriere mich auf mein Spiel. Im Darts muss die Mischung stimmen: Man braucht ein gutes Händchen und einen klaren Kopf. Wenn man sich zu viel Druck macht, dann verkrampft man – und das ist im Dartssport sehr schädlich.

Nun geht es zu den German Championship nach Hildesheim. Was ist ihr Ziel?

Natürlich will man bei jedem Turnier so weit wie möglich kommen. In Hildesheim sind alle Top-Profis am Start. Und in der Weltspitze geht es sehr eng zu. Da kann quasi jeder jeden schlagen. Letztlich entscheidet dann auch der Killerinstinkt – also im entscheidenden Moment das richtige Feld zu treffen.

Sie waren schon öfter in der Halle 39 am Start. Wie empfanden Sie die Atmosphäre?

Die Stimmung ist großartig. Hildesheim hat sich als Standort der internationalen Darts-Szene fest etabliert. Ich freue mich sehr auf das Turnier und die Stimmung in der Halle.

Ist es nicht erstaunlich, dass 2000 Fans in der Halle förmlich ausflippen, wenn Menschen Pfeile auf eine kleine Scheibe werfen?

Menschen flippen ja auch aus, wenn 22 Männer oder Frauen hinter einem Ball herlaufen. Aber ja, die Stimmung beim Darts ist schon ein Phänomen. Die Fans lieben das schnelle Spiel, die Spannung und die Show.

Apropos Fußball: Sie sind Fan des 1. FC Saarbrücken. Da flippt man derzeit eher nicht aus, oder? Ihr Klub ist Drittliga-Mittelmaß.

Klar, der Verein gehört eigentlich in die 2. Liga. Aber es ist sehr schwer, dorthin zu kommen.

Sie selbst haben einmal gesagt, es gebe wichtigere Dinge als Darts. Was angesichts der aktuellen schwierigen Zeiten mit vielen Krisen ganz sicher stimmt.

Natürlich ist das so. Andererseits ist es gerade jetzt wichtig, auch mal abzuschalten. Der Sport bietet Abwechslung und Unterhaltung. Wir Darts-Spieler wollen den Menschen einfach gute Leistungen und einen schönen Abend bieten. Nicht mehr – und nicht weniger.

Wann geht es nach Hildesheim?

Am Donnerstagmorgen.

Also früh aufstehen und zeitiglosfahren?

So ist es.

Dann wünschen wir Ihnen viel Spaß und Erfolg in der Halle 39.

Besten Dank!


Zur Person

Gabriel Clemens wurde am 16. August 1983 in Saarlouis geboren. Der gelernte Industriemechaniker wohnt in Saarwellingen und ist Mitglied im Dartverein Kaiserslautern. Er spielt seit 2018 mit einer Tourcard der PDC (Professionel Darts Corporation). Seine größten Erfolge: World Masters (Halbfinale 2017), German Darts Masters (Finale 2019), World Cup of Darts (Halbfinale 2020 und 2023), PDC-Weltmeisterschaft (Halbfinale 2023). Um das Management seiner Darts-Karriere kümmert sich seine Frau Lisa Heuer.

German Championship zum zehnten Mal in Hildesheim

Es ist ein kleines Jubiläum: Bereits zum zehnten Mal finden am kommenden Wochenende die German Darts Championship in der Halle 39 in Hildesheim statt. Veranstalter ist die Professionel Darts Corporation (PDC). Und wieder ist die gesamte Weltspitze am Start. Dazu gehören unter anderem Titelverteidiger Michael van Gerwen, Peter Wright und der amtierende Weltmeister Michael Smith. Ebenfalls dabei sein wird der frisch gekrönte World Grand Prix Champion Luke Humphries. Und natürlich der „German Giant“: WM-Halbfinalist Gabriel Clemens. Insgesamt sind 175 000 Pfund Preisgeld ausgeschrieben. Der Sieger erhält 30 000 Pfund. „Hildesheim ist ein hervorragender Standort“, sagt PDC-Sprecher Jonas Hunold. Die einzelnen Sessions beginnen am Freitag, Samstag und Sonntag jeweils um 13 und 19 Uhr. „Es sind bereits viele Tickets verkauft, dennoch gibt es unter www.pdc-europe.tv noch Resttickets für alle Sessions“, teilt Hunold mit. Die Kapazität liegt bei insgesamt 14 500 Zuschauern (2400 pro Session).



  • Sport
  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.