Hildesheim - Waren Sie schon mal an der Rabenklippe im Harz? Mich zieht es da regelmäßig hin, nicht wegen der Felsformation, ach was, es geht mir um die Luchse, die angeblich nebenan im Gehege leben sollen. Bei uns daheim ist es immer die gleiche Leier. Kinder (laut): Wir wollen endlich die Luchse sehen! Eltern: Na gut, dann müsst ihr aber wandern. Kinder (genervt): Wenn’s sein muss! Und kaum hat man sich versehen, stapft die Familie von Bad Harzburg aus durch toten Nadelwald, um im eingezäunten Areal an der Klippe exakt keinen einzigen Luchs vor die Augen zu bekommen. Aus Frust kehrt man anschließend stets in der angrenzenden Waldgaststätte ein, verdrückt vor lauter Ärger Kuchen und Schnitzel und spült all das mit Buttermilch runter.
Können Hildesheimer, was die Harzer können?
Merken Sie, was da passiert, liebe Leserinnen und Leser? Da hat eine ganze Dynastie hinterlistiger Harzer Baudenbetreiber ihr Geschäftsmodell darauf ausgerichtet, dass Menschen keine Luchse sehen. Und ich frage Sie: Jetzt, da die Tiere nächtens sogar schon am Kapellenberg in Ottbergen auftauchen – wäre das nicht auch was für Hildesheim? Ein schönes Lokal, das davon lebt, dass das scheue Katzenviech vorbeikommen könnte, sich tatsächlich aber nie blicken lässt? Ich frage mich, warum die Leute vom Brockenblick noch keine Luchsbeobachtungs-Brotzeit anbieten, auch für die Wirte vom Söhrer Forsthaus wäre das was, für die Ottberger Vereinsgaststätte sowieso. Das Schöne ist ja: Je weniger Tiere zu sehen sind, desto hungriger sind die Leute. Wenn’s mal schlecht läuft mit dem Journalismus, könnte auch ich mir einen mobilen Grillwagen vorstellen, den schöbe ich überall da hin, wo seltene Tiere gesichtet werden. Wussten Sie eigentlich, dass in der Nähe vom Bismarckturm machmal Elche röhren?
