Hildesheim - Rote Farbe prangt auf grauem Schotter, die Zahl „85“ ist klar erkennbar – noch. Denn bald soll hier eine Schützenfest-Bude stehen und die Zahl auf dem Boden des Volksfestplatzes verdecken. Was aber kommt dorthin? „Den Plan muss man immer dabei haben“, murmelt Platzmeister Manfred Jüngerkes und zieht ein gefaltetes Stück Papier aus seiner Tasche. Platz 85 des Hildesheimer Schützenfests: „Die bunten Maiskugeln“ – solche, die im Mund anfangen zu dampfen. „Das habe ich selbst noch nie gesehen“, sagt Jüngerkes. Der Stand, der die Kugeln anbietet, ist dieses Jahr erstmals auf dem Schützenfest vertreten. Eine Premiere – und nicht die einzige.
Denn circa ein Drittel aller Angebote auf dem Schützenfest sind laut Platzmeister Jüngerkes neu dabei. Das Fahrgeschäft „Aviator“ etwa, das die Schützenfest-Gäste im Kreis umherwirbelt. Oder auch das Abenteuer-Angebot „Happy Family“. Die anderen zwei Drittel der Anbieterinnen und Anbieter sind dagegen „Stammkunden“, so Jüngerkes – diejenigen, die bereits am Sonntag, kurz nach Torschluss vom Schützenfest, wieder sagen: „Nächstes Jahr bin ich auch dabei.“ Jüngerkes muss es wissen, ist er doch bereits seit zwei Jahrzehnten als Platzmeister für das Schützenfest im Einsatz. Doch damit ist bald Schluss.
Einige Schausteller sagten kurzfristig ab
Er will in Zukunft kürzer treten, darum steht bei den Vorbereitungen am Dienstag auch Mathias Neumann neben ihm. Der Malermeister beerbt seinen Junggesellenkompanie-Kameraden und ist in diesem Jahr zum ersten Mal mitverantwortlich für den reibungslosen Ablauf des Rummels. So schlendert er zusammen mit seinen Platzmeister-Kollegen Jüngerkes und Gerd Behringer am Nachmittag an den Buden entlang und schaut, welche Lücken noch zu füllen sind.
Denn einige Schausteller sagten im Vorfeld kurzfristig ab – was nicht ungewöhnlich sei, sondern lediglich der „übliche Wahnsinn“ vor dem Trubel, so Jüngerkes. „Das ist so, das Geschäft“, pflichtet ihm Neumann bei. Dank guter Kontakte sei aber schnell Ersatz am Start. So kommt nun etwa spontan noch ein Nudelstand dazu. Und schräg gegenüber schieben mehrere Männer ein Kinderkarussell auf den Volksfestplatz.
Mehr Angebote als im vergangenen Jahr
Der wird in diesem Jahr voller als im vergangenen – die Platzmeister konnten dieses Mal mehr Veranstalterinnen und Veranstalter für das Schützenfest gewinnen, sagt Gerd Behringer: „Mindestens 20 mehr.“ So sollen dieses Jahr 70 Buden, Fahrgeschäfte und weitere Attraktionen auf den Volksfestplatz locken. Die meisten davon sind am Dienstag schon da, meist fehlt nur noch der Feinschliff, das Putzen der Lampen an den Fahrgeschäften etwa. Damit die am Wochenende wieder klar leuchten – und das grell und bunt.

