Hildesheim - Vor jedem Einkauf einen Corona-Test machen – sogar bei niedriger Inzidenz? Die neuen geplanten Corona-Regeln in Niedersachsen sorgen bei Händlern für einen Sturm der Entrüstung. Zehn Hildesheimer erklären, warum.
Holger Höfner, Arneken Galerie: „Die Testpflicht auch unterhalb einer Inzidenz von 100 wäre tatsächlich ein Rückschlag und stellt ein weiteres Hindernis für den schon arg gebeutelten stationären Einzelhandel dar. Die Hemmschwelle ist größer und der Weg für mich nicht nachvollziehbar. Wenn man dazu noch betrachtet, dass der Supermarkt mit Waren des täglichen Bedarfs diesbezüglich keine Restriktionen hat, wäre eine Lockerung bei einer Inzidenz unter 100 mehr als vertretbar.“ Foto: Julia Moras
Axel Kreßmann, Modehaus Kressmann: „Für den Einzelhandel sind die Beschlüsse keine Lockerung! Click & Meet ist einigermaßen erträglich, Click & Meet mit negativem Test für uns vollkommen unwirtschaftlich, wie die vergangenen Tage deutlich zeigen! Unsere sehr bemühten Mitarbeiter sind derzeit mit Inventuren beschäftigt, viel lieber würden sie sich den Kunden widmen!“ Foto: Chris Gossmann
Maik Adamski, Adamski: „Als ich das gehört habe, konnte ich es kaum glauben. Die Erfahrung zum Einkaufen mit Schnelltest ist ganz klar: Es funktioniert nicht, die Menschen wollen es nicht. Da muss man jetzt echt überlegen, ob man für die Zeit, in der die Testpflicht gilt, schließt, weil man sonst zu viel Personal einsetzt – auch wenn das natürlich das Allerletzte ist, was man als Händler will. Mit Click & Meet hätte wir weiter leben können. Dass über der Inzidenz von 100 zusätzlich der Schnelltest verlangt wurde, konnte ich irgendwo sogar nachvollziehen. Aber dass es jetzt dabei bleiben soll, verstehe ich überhaupt nicht mehr.“ Foto: Chris Gossmann
Tobias Eierund, Eierund: „Das wäre in der Tat sehr ärgerlich, insbesondere, weil die Situation nun sogar entspannter ist als letztes Mal (zu Zeiten unter 100), als noch Click & Meet ohne Test erlaubt war. Die Umsätze mit Testpflicht sind deutlich geringer als ohne Testpflicht. Wir sprechen hier von mindestens 50 Prozent weniger Umsatz pro Tag.“ Foto: Chris Gossmann
Frank Krause, Möbelhaus Krause: „Seit Einführung der sogenannten Bundesnotbremse in Hildesheim, also seit der Einführung der Testpflicht, sind die Frequenzen auch bei uns dramatisch eingebrochen. Das hatte ich (wie viele meiner Händlerkollegen) vorausgesehen. Aber man hoffte ja aufgrund der sich stetig verbessernden Inzidenzzahlen, dass dieser Zustand nicht lange anhalten würde. Die jetzige Ankündigung der Landesregierung ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden Einzelhändlers. Anders kann man das nicht mehr bezeichnen. Das Modell Click&Meet war zwar auch nicht das Gelbe vom Ei, aber es wurde doch von vielen Kunden angenommen. So lohnte es sich auch, das Verkaufspersonal aus der Kurzarbeit zu holen. Sollten die Ankündigungen von Dienstag tatsächlich umgesetzt werden, werden viele meiner Händlerkollegen sich nicht anders zu helfen wissen, als wieder große Teile der Belegschaft in die Kurzarbeit zurückzuschicken.“ Foto: Julia Moras
Ute Halex (links), Lili`s Shop: “Ich stimme meinen Kollegen absolut zu: Das als weiteren Öffnungsschritt zu bezeichnen, ist äußerst fragwürdig! Es handelt sich definitiv um einen Rückschritt, es wird gegenüber der Zeit vor der Notbremse verschärft statt gelockert! Click & Meet funktioniert gut ohne Test, die Ungleichbehandlung mit dem Lebensmittelhandel, Buchhandel und so weiter muss bei den derzeitigen Inzidenzen beendet werden. Bei uns kann der Kunde mit allen Vorsichtsmaßnahmen und großem Abstand entspannt einkaufen.“ Foto: Werner Kaiser
Hans-Uwe Bringmann (in einer E-Mail an Ministerpräsident Stephan Weil): „Es kann doch nicht sein, das Sie entscheiden wollen, dass der Einzelhandel ab dem 10. Mai nur noch mit negativem, qualifiziertem Test betreten werden darf. Mit dieser Entscheidung schädigen Sie den Einzelhandel, der schon genug leidet! In den vergangenen Tagen konnten die Händler feststellen, dass die Bürger den Besuch scheuen, wenn sie zunächst ein Testzentrum, eine Apotheke oder weitere Betreiber von Testzentren aufsuchen müssen. Es gibt keine nachweisbaren Infektionsquellen im Einzelhandel, da die Betreiber höchsten Wert auf Hygiene- und Abstandsmaßnahmen legen! Selbst das beschäftigte Personal zeigt keine erhöhten Krankheits- beziehungsweise Infektionsdaten. Der Nachweis über eine durchgemachte Infektion ist vom Bund bisher ebenfalls nicht realisiert worden, weder digital noch analog. Wie stellen Sie sich die Legitimation vor? Verzichten Sie auf die Verordnung der Vorlage eines negativen qualifizierten Tests, sowie der Vorlage des Nachweises einer durchgemachten Covid-Infektion. Entscheiden Sie im Sinne des lokalen Einzelhandels in Niedersachsen!“ Foto: Chris Gossmann
Jens_Koch, Koffer Koch: „Nachdem wir in den letzten Tagen wirklich Hoffnung auf Lockerungen ab dem 10.Mai geschöpft haben, ist diese nun komplett verflogen. Die Landesregierung hat diese an eine Testpflicht gekoppelt. Die Erfahrungen zahlreicher Städte und Landkreise, aber auch bei uns lässt klar erkennen, dass die Menschen die Testpflicht nicht akzeptieren. Für uns ist das ein Umsatz-Killer. Und das, nachdemman sogar erklärt hat, dass die Erfahrungen aus dem Lebensmittelhandel und den Drogerien ja zeigen, wie gering die Gefahren im Handel sind. Und das sind ja schließlich die Branchen, wo wirklich Frequenzen abgewickelt werden. Die Politik verkauft das nun als Handreichung an den Handel, aber in Wirklichkeit ist es die Darreichung des Stricks, an dem wir uns aufknüpfen können. Nach sechs Monaten Lockdown ist es verdammt nochmal Zeit, dass wir endlich eine Perspektive bekommen. Ich jedenfalls bin stinksauer.“ Foto: Julia Moras
Karsten Krüger, Hagebaumarkt: „Wir sehen es auch so, dass Tests eine deutlich höhere Hemmschwelle darstellen als Voranmeldungen! Meines Erachtens handelt es sich bei den am Dienstag als „Lockerungen“ vorgestellten Maßnahmen für den Einzelhandel also um Verschärfungen, die die Kundenfrequenz noch weiter reduzieren werden. Die Kunden hatten sich an die bisherige Terminbuchungsregelung für Kommunen mit einer Inzidenz unter 100 langsam gewöhnt. Die Akzeptanz hatte dazu geführt, dass auf niedrigem Niveau wieder stationär eingekauft wurde. Seitdem Hildesheim wieder Hochinzidenzkommune ist, müssen wir feststellen, dass die nun geltende Pflicht zur Vorlage eines negativen Testergebnisses die Kundenfrequenz drastisch reduziert hat. Der geplante Entfall der Terminbuchung wird allein betrachtet also nur eine geringe Erhöhung von Kundenfrequenzen zur Folge haben. Die grundsätzliche Pflicht zur Vorlage eines negativen qualifizierten Corona-Tests hingegen wird sich massiv negativ auswirken. Erschwerend kommt noch hinzu, dass Endkunden im ländlichen Raum nur an wenigen Tagen die Möglichkeit haben, einen offiziellen Test durchführen zu lassen. Konsequenterweise müssten die Einzelhandelsgeschäfte auf dem Lande dann an allen anderen Wochentagen, an denen nicht getestet wird, komplett schließen. Die geplanten Maßnahmen wirken aus Einzelhandelssicht also deutlich verschärfend.“ Foto: Julia Moras
Hans-Joachim Rambow, IHK-Geschäftsstelle Hildesheim: „Ich hatte direkt nach Bekanntwerden die ersten Anrufe, was für eine Katastrophe das ist. Wir werden kurzfristig eine Umfrage unter Unternehmen machen, um ein Meinungsbild zu bekommen. Dann wird die IHK wie bisher auch versuchen, mit Sachargumenten Einfluss auf die Politik zu nehmen. ich hoffe, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, denn real wird hier nicht geöffnet – es werden Öffnungen zurückgeschraubt.“ Foto: Julia Moras









