Kampf gegen das Coronavirus

Testpflicht auch ohne Notbremse: Hildesheims Händler toben vor Wut

Kreis Hildesheim - Das Land spricht von Öffnungen, doch die kommenden Corona-Regeln für den Einzelhandel sollen eher strenger werden. Die Empörung in Hildesheim ist riesig – gibt es nochmal Bewegung?

Kaum einer da: Dass die Schnelltest-Pflicht auch bei deutlich reduzierter Inzidenz beibehalten werden soll, ist nicht nur aus Sicht der Hildesheimer Einzelhändler eine Katastrophe. Foto: Chris Gossmann

Kreis Hildesheim - Die Pläne der Landesregierung für neue Corona-Regeln vom kommenden Montag an haben bei Einzelhändler und Baumarkt-Betreibern im Landkreis Hildesheim und darüber hinaus eine Welle der Empörung ausgelöst. Denn was bei der Präsentation der Pläne für eine neue Verordnung am Dienstag als Lockerungen und Öffnungen präsentiert wurde, ist zumindest für den Bereich des Einzelhandels tatsächlich eine Verschärfung der Bedingungen – und dürfte nach den bisherigen Erfahrungen viele Kunden abschrecken.

Zum Hintergrund: Nach der aktuellen Landesverordnung durfte der Einzelhandel unterhalb einer Inzidenz von 100 öffnen. Kunden mussten sich vorher anmelden oder an der Ladentür registrieren lassen, brauchten aber keinen negativen Schnelltest vorzuweisen. Seit Samstag vergangener Woche kam die sogenannte Corona-Notbremse des Bundes hinzu, mit Regeln für Landkreise mit Inzidenzen über 100. Für den Einzelhandel hieß das: Die Geschäfte dürfen bis zu einer Inzidenz von 150 offen bleiben, zwischen 100 und 150 ist aber zusätzlich zur Anmeldung ein negativer Schnelltest Vorschrift.

Testpflicht soll bleiben

Der Landkreis Hildesheim hatte den Kennwert 100 in der Vorwoche dreimal in Folge überschritten, also griff die Notbremse. Da die Zahlen seit Ende vergangener Woche wieder sinken, bahnte sich früh an, dass der Eingriff nur von kurzer Dauer sein würde: Liegt die Inzidenz auch am Donnerstag und Freitag unter 100, worauf alles hindeutet, tritt die Notbremse am Sonntag wieder außer Kraft. Die Hoffnung von Einzelhändlern und Kunden: Dann wäre die Testpflicht in Baumärkten, Kleidergeschäften und vielen anderen Läden nach einer Woche schon wieder Geschichte.



Doch mit dem Entwurf der neuen Verordnung, die von der nächsten Woche an gelten soll, macht das Land den Beteiligten einen Strich durch die Rechnung. Die Schnelltest-Pflicht soll auch unterhalb einer Inzidenz von 100 bestehen bleiben. Lediglich die Pflicht zur Voranmeldung entfällt. Da sich die meisten Kunden aber ohnehin nicht vorab, sondern direkt am Laden registrieren, bringt der Wegfall der Notbremse für den Einzelhandel in Stadt und Landkreis Hildesheim praktisch keine Veränderung – und gegenüber der Zeit vor der Notbremse eine Verschlechterung der Bedingungen.

„Größere Hemmschwelle“

In Landkreisen, die bisher schon Inzidenzen unter 100 hatten und von der Notbremse gar nicht betroffen waren, würden die neuen Regeln sogar eine Verschärfung der Bedingungen bedeuten.

Die Empörung bei den Einzelhändlern in Hildesheim ist einhellig, es hagelt die schärfste Kritik an geplanten Maßnahmen seit Beginn der Pandemie. Von Hagebau-Betreiber Karsten Krüger über Modehändler Axel Kreßmann bis hin zu Arneken-Galerie-Chef Holger Höfner sind sich in der Analyse alle einig: Schnelltests bilden eine deutlich höhere Hemmschwelle als Anmeldungen. Das habe man vorher vermutet, das habe die laufende Woche unter den Regeln der Bundes-Notbremse eindeutig untermauert.

Auch MediaMarkt-Saturn übt scharfe Kritik an den neuen Vorgaben: „Wir haben keinerlei Verständnis dafür, dass es trotz der geplanten Lockerungen in Niedersachsen weiterhin zu einer Ungleichbehandlung im Handel kommt“, sagte eine Sprecherin. „Neben dem anhaltend hohen administrativen Aufwand für unsere Märkte führt dies auch zusätzlich zu einer großen Verunsicherung bei unseren Kunden.“ Der Elektronik-Fachhandel sei „nachweislich nie ein Infektionshotspot“ gewesen: „Wir bei MediaMarktSaturn haben bewiesen, dass wir jederzeit in der Lage sind, strengste Hygieneauflagen zu erfüllen und unseren Kunden und Kundinnen sowie unseren Beschäftigten einen wirksamen Infektionsschutz zu bieten.“

Hier erklären zehn Hildesheimer Branchenvertreter, warum sie die neuen Regeln ablehnen.

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