Hildesheim - Die neue Studiobühne des tfn, das thim, soll künftig die Theaterlandschaft in Hildesheim bereichern. Die HAZ fragte Intendant Oliver Graf, warum der Bau so lange gedauert hat und was nun daraus werden soll.
Herr Graf, eigentlich wollte schon ihr Vorgänger Jörg Gade diese Studiobühne eröffnen – also spätestens im Frühsommer 2020. Warum hat es so lange gedauert?
Das ist ja nicht so ganz unüblich.
Nun ja, das hier ist keine Elbphilharmonie.
Aber das passiert ja häufiger bei öffentlichen Bauten – auch bei privaten Bauten, wenn wir ehrlich sind. Die Planung hat sich ein bisschen hinausgezogen, wir hatten extrem viele Probleme, an Material heranzukommen. Und viele äußere Faktoren haben es beeinflusst: Das große Haus wurde saniert, das hat sich auch etwas hingezogen, dann hatten wir den Wasserschaden, Corona, ecetera ecetera. Nichtsdestotrotz stand es nie außer Frage, dass es kommen wird.
Das tfn ist bekanntlich ohnehin knapp bei Kasse – jetzt eröffnet es eine Bühne, die weitaus größer ist als die bisherige Lösung, das theo. Wie passt das zusammen?
Geplant wurde diese Studiobühne ja – wie Sie gerade sagten – schon vor mehreren Jahren. Davon abgesehen: Gerade in diesen Zeiten, wo die Demokratie von allen Seiten angegriffen wird, ist es wichtig, dieses Signal zu senden. Das hier ist ein Erfahrungsraum der Demokratie. Deshalb ist es gerade jetzt wichtiger denn ja, ein neues Theater zu bauen und zu eröffnen. Hier kann man herkommen, unterschiedlicher Meinung sein und sich wunderbar streiten.
Kann sich so ein Vorhaben überhaupt refinanzieren?
Kann sich Theater jemals refinanzieren? Wir sind ein kommunales Angebot an die Bürger:innen dieser Region. Natürlich arbeiten wir wirtschaftlich, aber wir könnten ohne Zuschüsse dieses Theater nicht so gestalten, wie wir es tun. Das können Schulen, Krankenhäuser, Schwimmbäder, Autobahnen ecetera aber auch nicht.
Denken Sie, mit diesem Angebot auch Menschen anlocken zu können, die bisher nicht oder allenfalls selten ins tfn gekommen sind?
Ja, unbedingt. Mein Traum ist es immer, dieses große Haus zu nehmen – das steht auf diesen Riesensockeln und Riesensäulen – und es ebenerdig hinzustellen, es niederschwellig zugänglich zu machen. Und hier haben wir jetzt ein Theater hingestellt bekommen, das ist niederschwellig und barrierefrei zugänglich. Das hier soll ein ganz einladender, offener Raum sein – es soll eine Begegnungsstätte sein. Wir wollen hier ganz viel Kinder- und Jugendtheater zeigen, in Zusammenarbeit mit der freien Szene. Wir hoffen natürlich, das wir damit viele Kinder und Jugendliche erreichen. Wir werden darüber hinaus auch Produktionen zeigen, die generationsübergreifend funktionieren und auch Stücke im sogenannten Abendspielplan.
Wird das Publikum hier ein Theater erleben können, das es bisher noch nicht erleben konnte?
Das würde ich so gar nicht sagen, weil wir extrem experimentell unterwegs sind, auch im Großen Haus viel ausprobieren und ja auch schon andere Räume in der Stadt bespielt haben. Wir waren in der Jo-Wiese, im RPM, im Rasselmania, in der Zwölf-Apostel-Kirche. Wir werden hier aber neue Formate und Ästhetiken ausprobieren. Das ist ja in unsere DNA einprogrammiert. Uns schweben jetzt schon ganz viele spannende Projekte vor, die sich hier sehr viel mehr anbieten als in einem großen Saal mit 550 Plätzen.
Was wird aus dem theo? Die geringe Größe hatte ja auch, gerade bei kleinen Kindertheater-Produktionen, ihre Vorteile – nicht zuletzt die intime Atmosphäre.
Das theo ist nicht barrierefrei und nicht mehr zeitgemäß. Es wird weiter genutzt werden, aber nicht für öffentliche Veranstaltungen, sondern als Probebühne. Wir werden aber auch im thim intime Veranstaltungen machen können. Das ist das Schöne daran: Diesen Raum kann man auch klein machen, vorne mit Sitzkissen bestuhlen. Man ist ganz nah dran, egal auf welchem Platz man sitzt. Und wir können hier technisch ganz andere Sachen auf die Bühne zaubern, also viel mehr Illusion und Theatermagie herstellen.
Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie an das Theater in der neuen Studiobühne denken?
Dass wir so wahnsinnig viele Möglichkeiten haben. Ich finde, dieser Raum hat eine unglaublich tolle Atmosphäre und Ausstrahlung. Jetzt geht es darum, diesen Raum zu beleben und zu erleben. Auf diese Aufgabe freue ich mich total.
